Architektur, die etwas bewegt: WagnisArt

Als Baumeister Academy Gewinnerin unterstützt Catherina Wagenstaller die nächsten sechs Monate Henning Larsen Architekten als Praktikantin. Von München aus, entdeckt sie in den kommenden Monaten Architektur in Bayern, die etwas bewegt. Den Anfang macht die Wohnbaugenossenschaft WagnisArt im Norden von München.

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Das Wohnbaugenossenschaftsprojekt WagnisArt in München besteht aus fünf polygonalen Baukörpern, die durch Brücken verbunden sind. Foto: WagnisArt

Gemeinschaft bedeutet die Erschaffung eines „Wir-Gefühls“ und ermöglicht Begegnungen zum Austausch und zur Entwicklung. Gemeinschaft bietet damit den Nährboden für Fortschritt, bei dem die Bewohner voneinander, durcheinander und miteinander lernen. Ist gemeinschaftliches Wohnen also der Weg in unsere Zukunft?

WagnisArt – ein partizipativer Prozess

Die Wohnbaugenossenschaft „Wagnis eG“ setzte mit dem Projekt WagnisART (2016) ein Zeichen. Die zukünftigen Bewohner*innen gestalteten das Vorhaben in einem partizipativen Planungsprozesses mit, sodass den Bedürfnissen mit der Verwirklichung wortwörtlich “Raum” gegeben wurde. Die Architekt*innen fungierten dabei als Mediator*innen zwischen fachlichem Wissen und den Ideen der Bewohner. Dabei stand das Gesamtkonzept über den Details, sodass man Brüche in der Gestaltung akzeptierte. Außerdem ersucht die Identifikation mit einem Quartier eine soziale Durchmischung. Daher fand die Wohnungsvergabe mit 40% München-Modell-Genossenschaftswohnungen und 30% EOF-geförderten Wohnungen statt. Es entstanden fünf polygonal angeordnete Gebäude, verbunden durch Brücken. Durch die Anordnung entstehen zwei Höfe, die Platz für gemeinschaftliche Aktivitäten bieten. Die Brückenlandschaft mit Dachgärten bildet große Tore aus, die in das Umfeld des Quartiers weisen. Dadurch wird die Hemmschwelle geringer, das Quartier zu betreten und die Innenhöfe sind belebter.

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So schufen die Architekt*innen 138 neue Wohnungen verschiedener Größe und Wohnform, die alle einen direkten Zugang nach außen haben. Eine Besonderheit bieten die Clusterwohnungen, bei denen kleinere Appartementwohnungen um einen Gemeinschaftsraum angesiedelt sind.

Wohnraum als Lebensraum

Der Mensch ist von einem funktionierenden Ökosystem genauso abhängig, wie von einer gesellschaftlichen Struktur. Daher kann der soziokulturelle Mehrwert eines Gebäudes nicht unabhängig vom ökologischen Mehrwert gesehen werden. Die gewählte Bauweise in Stahlbeton-Holz-Hybridbauweise macht das Projekt zum ganzheitlichen Wegweiser. WagnisART zeigt, dass Wohnraum nicht als reines Kapital für Gewinnmaximierung gesehen werden darf. Er ist Lebensraum und sollte in erster Linie menschlichen Bedürfnissen entsprechen. Architektur von Menschen, für Menschen gemacht, sollte die Zukunft im Wohnungsbau sein. Denn: Gemeinschaftliches Wohnen ist der Weg unserer Zeit.

Ein solches Projekt entsteht durch viele Hände;
Architektur:
Arge bogevischs buero architekten & stadtplaner gmbh
PP: Rainer Hofmann
PL: Julius Klaffke
PM: Cornelia Müller

SHAG Schindler Hable Architekten GbR
Udo Schindler
Walter Hable
Christoph Schäfer
Johannes Duarte
Christian Köhler
Maximilian Köhler
Agnes Heinzerling

Landschaftsarchitektur:
bauchplan ).(
PL: Maria Auböck

Statik:
Henke Rapolder Frühe Ingenieurgesellschaft mbH

Die Baumeister Academy ist ein Praktikumsprojekt des Architekturmagazins Baumeister und wird unterstützt von GRAPHISOFT und der BAU 2019.