Architekten auf Wolke 7 ?

Das ifo-Institut befragt seit über 20 Jahren vierteljährlich freischaffende Architekten in allen Bundesländern nach ihrer Auftragssituation. Danach waren im vierten Quartal 2014 die Auftragseingänge rückläufig. Gleichzeitig erhöhten sich aber die Auftragsbestände merklich. Und das Geschäftsklima wurde weiterhin als gut bezeichnet. Wie passt das zusammen? Hat das ifo-Institut getrickst? Oder haben uns die Architekten mit unplausiblen Antworten ärgern wollen?

Es ist richtig, dass das Planungsvolumen der neu akquirierten Aufträge (Neubauten ohne Planungsleistungen im Bestand) im Berichtsquartal um reichlich ein Viertel geringer war als im Quartal zuvor. Die verringerten Auftragseingänge, beispielsweise bei den Planungsaufträgen für Ein- und Zweifamilienhäuser, waren jedoch fast eine „normale“ Entwicklung. Man muss schon bis ins Jahr 1999 zurückgehen, um drei aufeinander folgende Quartale zu finden, die ein vergleichbar hohes Planungsvolumen aufwiesen wie die wirklich vortrefflichen ersten drei Quartale des Jahres 2014.

Der Mehrfamilienhausbau wies ein ähnliches Phänomen auf. Nach einer großartigen Auftragsspitze im Vorquartal – mit immerhin dem zweithöchsten Quartalswert seit 35 Jahren – war im Berichtsquartal eine „Normalisierung“ überfällig. Aber selbst nach der deutlichen Kappung um rund ein Drittel gegenüber dem Wert des dritten Quartals 2014 war das Planungsvolumen in diesem Teilsegment immer noch drei Mal so hoch wie das spärliche Volumen, mit dem die Architekten über fast zehn Jahre hinweg durchschnittlich pro Quartal Vorlieb nehmen mussten.

Bei den Auftragsvergaben im Nichtwohnhochbau sah es zugegebenermaßen unerfreulich aus. Von gewerblichen Auftraggebern erhielten die befragten Architekten weniger neue Aufträge als im Vorquartal. Bei einem Minus von rund einem Drittel sackte das Planungsvolumen auf einen der niedrigsten Werte der letzten zehn Jahre ab. Von öffentlichen Auftraggebern erhalten Architekten schon seit Jahren nur in äußerst geringem Umfang neue Aufträge. Starke Schwankungen – selbst Veränderungen von plus oder minus 20 oder 30 Prozent gegenüber den jeweiligen Vorquartalen – sind nicht ungewöhnlich. Der Rückgang um 16 Prozent im aktuellen Berichtsquartal fiel somit nicht aus dem Rahmen.

Seit der Belebung im Wohnungsbau 2012 hat sich der Anteil der Planungsvolumina, der auf diesen Teilbereich entfällt, deutlich erhöht; er liegt bereits bei knapp 55 Prozent. Berücksichtigt man, dass hier die Verringerungen der Planungsvolumina „lediglich“ auf einer Korrektur der hohen Vorquartalswerte beruhten, dann ist der Rückgang des gesamten Planungsvolumens um gut ein Viertel nicht mehr so dramatisch.

40 Prozent der Architekten bezeichneten ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“ – lediglich 16 Prozent klagte über eine schlechte Geschäftslage. Wobei die regionalen Unterschiede erheblich sind. In Bayern waren beispielsweise die Urteile überwiegend positiv: Knapp die Hälfte der Architekten, die „gut“ antworteten, standen lediglich sieben Prozent der Büros gegenüber, die ihre derzeitige Lage als „schlecht“ bezeichneten. In Berlin war die Zahl der unzufriedenen Büros dagegen genauso groß wie die der zufriedenen.

Die Einschätzung der Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate ist bereits seit rund drei Jahren überaus optimistisch. Daran hat sich auch zu Beginn des Jahres nichts geändert. Das aus Geschäftslage und Geschäftserwartungen errechnete Geschäftsklima hat sich auf ein beachtlich hohes Niveau zubewegt. Nur in den drei Boom-Jahren, im Zuge der Wiedervereinigung, gab es noch bessere Klimawerte.

Es liegt mir fern, den Architekten diese positive Phase nicht zu gönnen. Ich interpretiere und analysiere lediglich die Umfrageergebnisse. Aber aus meiner langjährigen Erfahrung weiß ich: Kein noch so guter Prognostiker kann Zeitpunkt und Stärke einer „Wende“ exakt vorhersagen. Aber eines ist sicher: Aufenthalte auf „Wolke 7“ sind immer zeitlich begrenzt.