AcademyChallenge: Konversion Rotterdam

Die spannendsten Umnutzungen ehemaliger Industriebauten in Rotterdam – Baumeister Academy Gewinnerin Viviane Vu über die Projekte, die man gesehen haben muss.

Manch enthusiastische Stimmen sagen, Rotterdam sei das niederländische Berlin von morgen. Wenn man durch die Straßen schlendert, findet man jede Menge alternative Vintage-Shops, hippe Cafés, Streetfoodstände und mietbare Ateliers und Workspaces – so ziemlich alles was das Hipster-Herz begehrt. Der Trend des industriellen Stils mit rohen Stahl- und Betonstrukturen und alten Backsteinwänden kam der Stadt gerade gelegen. Dadurch fanden leerstehende Lagerhallen und Industriegebäude in der Kreativszene der einstigen Arbeiterstadt viele neue Nutzer.

Het Industriegebouw

Von einem der wichtigsten Architekten des Rotterdamer Wiederaufbaus Hugh Maaskant in Zusammenarbeit mit Willem van Tijen entworfen, war das U-förmige Industriegebäude aus Backstein und Beton eines der ersten Mehrzweckgebäude in den Niederlanden. Viele Jahre stand es leer bis sich 2015 Investoren dafür einsetzten, das Nationaldenkmal zu altem Glanz zu verhelfen. Heute befinden sich in dem 22.000 Quadratmeter großen Gebäude neben Gastonomie- und Einzelhandelsbetrieben mietbare Büroflächen für mehr als 200 Unternehmen, darunter auch das Büro von MVRDV.

Fenix Food Factory

Eine nicht viel preiswertere aber einladende Alternative zur Markthal ist die Fenix Food Factory am südlichen Ufer der Maas. Im ehemaligen Rotlicht- und Amüsierviertel Katendrecht, wo sich früher der alte Hafen Rotterdams befand, gründeten einige Gastronomieunternehmen 2014 eine Art Streetfoodmarket in den alten Lagerhallen. Mit ihrem industriellen Rohbau-Charme zieht die Fenix Food Facroty Touristen und Einheimische gleichermaßen an. Bei schönem Wetter ist es dort meist jedoch so voll, dass der individuelle Charakter verloren geht und es sich eher alles nach Massenabfertigung anfühlt.

Keilewerf

Im nördlichen Hafengebiet Keilehaven, der Teil des neuen Rotterdam Makers District ist, befindet sich eine weitere spannende Umnutzung. Verteilt auf zwei Gebäude, die bis zur Übernahme durch eine Initiative leer standen, wurde Platz für Kreative und Kunstschaffende geschaffen. Als eine Art offene Werkstatt kann sich jeder in die Räume von 15-100 Quadratmeter einmieten und die flexiblen Arbeitsplätze und Werkbänke für seine Projekte nutzen. Die Idee geht auf: Man hilft sich gegenseitig, tauscht sein Wissen aus und bekommt die Möglichkeit mit anderen Kreativschaffenden zusammen zu arbeiten.

Durch das zahlreiche Angebot von modernen Coworking-Spaces bis hin zum gastronomischen und kulturellem Angebot, die es auf die Kreativen und den Hipster in uns abgesehen haben, sehe ich für Rotterdam großes Potenzial, weiter zum kreativen Hotspot mit hoher Lebensqualität heranzuwachsen. Für mein Auslandspraktikum kann ich mir nach zwei Monaten jedenfalls keine bessere Stadt vorstellen und es gibt noch viel zu entdecken.

Die Baumeister Academy ist ein Praktikumsprojekt des Architekturmagazins Baumeister und wird unterstützt von GRAPHISOFT und der BAU 2019.