30.03.2020

Event

Wo die wilden Menschen jagen – Homeoffice-Kulturtipp

von Isa Fahrenholz

Homeoffice-Kulturtipp 1: Film/Fernsehen (Illustration: Juri Agostinelli)


Hip-Hop im Urwald

Homeoffice unter der Woche geht ja noch – wir sind schön mit Arbeit beschäftigt und merken gar nicht, dass wir nicht rausdürfen. Damit Sie am Wochenende nicht plötzlich der Lagerkoller überrollt, schicken wir Sie mit Wo die wilden Menschen jagen 101 Minuten lang mit zwei liebenswerten Charakteren in die wundersame neuseeländische Natur. So vergessen Sie für einen Augenblick, dass Sie schon den ganzen Tag in denselben vier Wänden verbringen.

Vor wenigen Wochen erst, in Pre-Physical-Distancing-Zeiten, gewann der Neuseeländische Filmregisseur Taika David Waititi mit seinem Film Jojo Rabbit den Oskar für das beste adaptierte Drehbuch. Der Gang ins Kino bleibt uns nun erstmal verwehrt, aber noch lange kein Grund, nicht ein anderes Werk von Waititi anzusehen: Wo die wilden Menschen jagen (Originaltitel: Hunt for the wilderpeople) aus dem Jahr 2016. Der Film kam hier zwar nie in die Kinos, ist aber nun auf Amazon Prime oder Maxdome zu sehen.

Ricky Baker (Julian Dennison) hat schon viele Pflegeheime und -familien gesehen. Letzte Chance: ein älteres Ehepaar, das auf einer Farm umgeben vom neuseeländischen Urwald lebt. Das Sozialamt bringt also den jungen Ricky zu Bella (Rima Te Wiata) und dem grimmigen Hec (Sam Neill). Hier soll er sein Stadtleben, das von Klauen, Sprayen, Brandstiften, Spucken und Hip-Hop bestimmt war, hinter sich lassen. Was erstmal nach einem Drama klingt ist, jedoch eine liebenswerte Komödie, die sich des tristen Themas mit viel Lebensfreude annimmt.

Rockys nächtlichen Fluchtversuche enden jeden Morgen wieder im heimischen Bett. Als er gerade beginnt, sich an seine Pflegefamilie zu gewöhnen, passiert etwas – ich kann Ihnen aber nicht sagen was, sonst gucken Sie den Film ja gar nicht – und Ricky flieht in den neuseeländischen Busch. Eingeholt von dem mürrischen Hec, kämpft sich plötzlich ein ungleiches Duo durch den Urwald. Bald ist ihnen allerdings nicht nur das Sozialamt dicht auf den Fersen. Auch ein Polizei- und Militärsuchtrupp versucht die beiden Ausreißer einzuholen. Im Angesicht der Verfolgungsjagd werden die zwei gegensätzlichen Ausreißer zu einem unwiderstehlichen Team – während Ricky auch im Urwald zu Hip-Hop seinen Baseballmützetragenden Kopf wippt, blickt Hec schweigend und mürrisch in die Weiten des Waldes.

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Übertreibungen à la Waititi

Die Stärke des Films sind eindeutig die Charaktere. Hec ist dem Zuschauer trotz der wenigen Zeilen, die er den ganzen Film lang sagt, sofort sympathisch. Seine Mimik reicht aus, um genau zu verstehen und zu fühlen, was gerade in ihm vorgeht. Und wie einsam sich Ricky fühlt, wird dem Zuschauer mit nur wenigen Szenen eindrücklich vermittelt – zum Beispiel, wenn er auf der Bettkante sitzt und sich an seiner Wärmflasche festhält. Doch was wir uns alle, die wir alleine im Homeoffice sitzen, von Ricky abgucken können: Er gibt sich nicht seinem Trübsinn hin.

Nicht nur der dunkle Humor des Regisseurs Waititi, auch seine Vorliebe für unermessliche Übertreibungen trägt zum Zuschauerspaß bei. So kämpfen Ricky und Hec nicht gegen irgendein Wildschwein, nein, sie kämpfen gegen das größte und wildeste aller Wildschweine.

Und wenn Sie dann zurück in der Couchrealität angekommen sind – drehen Sie ganz laut den Soundtrack  des Films auf und tanzen Sie eine Runde durchs Wohn-, Ess-, Schlaf oder Badezimmer. Es wird Sie auch niemand dabei sehen. Und ich verspreche Ihnen: Danach ist Physical Distancing sehr viel erträglicher.

Den letzten Kulturtipp finden Sie hier.

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