Über den Dächern von Sydney

Wie baut man das „beste Hochhaus der Welt“? Indem man einen hohen Wohnkomfort mit gelungenem Design und einer guten Energieeffizienz verbindet. Alle drei Faktoren treffen laut dem in Chicago ansässigen „Council on Tall Buildings and Urban Habitat” auf das „One Central“ in Sydney zu, weshalb es ihm auch konsequenterweise den heißbegehrten Titel verliehen hat.

AJN_PTW_Sydney_OCP_MurrayFredericks_Ext_Overall
Hochhaus mit hängendem Garten als Verschattungselement

 

Entworfen wurde das „One Central“ von Jean Nouvel. In seiner Mischung aus eleganter Glasarchitektur und hängenden Gärten ist es ein für Nouvel typisches Signature-Projekt mit Ikonen-Garantie. Der Architekt wollte mit dem Projekt zeigen wie „Pflanzen und umgeleitetes Sonnenlicht auf neuartige Art und Weise genutzt werden können, um die Lebensqualität in Hochhäusern zu verbessern“.

Strukturell setzt sich das Gebäude aus zwei Glastürmen zusammen, die über einen mehrgeschossigen Sockel verbunden sind. In den Türmen sind 623 Apartments untergebracht, im Sockel verschiedene Geschäfte und Restaurants. Neben dem vertikalen Grün gibt es einen weiteren Hingucker – eine monumentale Auskragung mit einem 40 Meter langen Kragarm. Daran ist ein Heliostat befestigt, der mit 320 Reflektoren bestückt ist und das Mittelstück des Sockels mit zusätzlichem Tageslicht versorgt.

AJN_PTW_Sydney_OCP_MurrayFredericks_CantileverReflector
Ein Heliostat bringt Licht in den Sockelbereich des Gebäudes

 

Die Auskragung dient gleichzeitig als Aussichtsplattform inklusive Whirlpool, Grillecke und Sitzgelegenheiten. Hier haben die Bewohner der einzelnen Penthäuser einen exklusiven Außenraum, wo man entrückt vom Rest der Stadt das gute Wetter genießen kann und einen fantastischen Blick auf den Hafen von Sidney hat.

Jean Nouvel vertraute hier wie bei vielen seiner Projekte auf das Material Glas. Es verleiht dem Gebäude seine luftige Transparenz, versorgt die Wohnungen großzügig mit Tageslicht und ermöglicht einen freien Blick über das Häusermeer der Stadt. Den sommerlichen Wärmeschutz löste Nouvel, indem er die vertikale Bepflanzung nicht nur als dekoratives Element, sondern auch als eine Art natürlichen Sonnenschutz für die Glasflächen einsetzte.

Die unterschiedlichen Erschließungszonen im Inneren des Gebäudes definierte Nouvel durch farbiges Glas – wie etwa beim Verbindungsgang zum Dachgarten, der mit rotem Glas verkleidet ist. Auch das verspiegelte Glas des Heliostat passt da gut ins Gesamtkonzept des Gebäudes. Es bringt natürliches Licht in die dunkelsten Ecken des Gebäudes und setzt so das vom Architekten angestrebte Ideal des lichtdurchfluteten und durchgrünten Hochhaus konsequent um.

Mehr ungewöhnliche Glas-Ideen gibt es auf der glasstec 2016 zu entdecken. Die Messe findet vom 20. bis 23.09.2016 in Düsseldorf statt.

Fotos: Murray Fredericks