Vertikale Galerie

Mit dem Torre vervollständigt OMA die Prada-Ausstellung und -Kunstsammlung in Mailand. Den 60 Meter hohen Betonturm verstehen die Projektleiter Rem Koolhaas, Chris van Duijn und Federico Pompignoli als Versuch einer neuen Museumstypologie.

Mit dem 60 Meter hohen Betonturm geht die Kunstausstellung der Prada-Kunststiftung in die Vertikale: Der Torre überragt die weiteren Gebäude des 19.000 Quadratmeter großen Areals.

Sechs der neun Ebenen sind Ausstellungsräume – Restaurant und Besucherräumen werden die weiteren drei Etagen gewidmet. Eine 160 Quadratmeter große Panorama-Dachterrasse soll die Verbindung zur Stadt Mailand herstellen, wie Chris van Duijn erklärt: „Mit der Fertigstellung des Torre, der einzigen vertikalen Galerie auf dem Gelände, kann die Fondazione Prada ihre Präsenz im Zentrum von Mailand offenbaren und die Beziehung zwischen Prada und der Stadt Mailand unterstreichen.“

Jedes der neun Stockwerke ist eine Kombination aus drei räumlichen Parametern: Dimension, Höhe, Ausrichtung. Als „Reihe von systematischen Variationen“ hat die Hälfte der Stockwerke einen rechteckigen Grundriss, die andere ist trapezförmig. Die Stockwerke werden nach oben höher, so steigt die Deckenhöhe von 2,7 Metern bis zu 8 Meter. Rem Koolhaas erklärt: „Die Ausrichtung der Räume wechselt zwischen panoramischen Stadtansichten zum Norden und engeren Ausblicken nach Osten und Westen.“

Die Ausstellungsräume wurden konzipiert, um Werke und Installationen aus der Prada-Sammlung zu zeigen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Werke internationaler Künstler aus dem 20. und 21. Jahrhundert.

Museales Restaurant

Das Restaurant „Torre“ liegt in der sechsten bis neunten Etage des Turms. Auch dieser Bereich gleicht einer Kunstsammlung: Hier befinden sich Möbel aus dem „Four Seasons Restaurant“ in New York, entworfen von Philip Johnson, Elemente aus Carsten Höllers Installation „The Double“, Skulpturen von Lucio Fontana und Gemälde von William N. Copley, Jeff Koons, Goshka Macuga und John Wesley.

Ehemalige Gin-Brennerei

Bereits 2015 wurde das Museum auf dem Gelände einer ehemaligen Gin-Brennerei eröffnet. Zum Areal gehörten sieben bestehende Gebäude wie Lager, Labore und Silos. OMA ergänzten drei Neubauten: ein Gebäude für Wechselausstellungen, ein Kino und den Galerieturm Torre.

Im Interview mit Baumeister erklärte Rem Koolhaas 2015: „Kunst fühlt sich am Boden anders an in der zehnten Etage. Das Besondere an diesem Turm wird sein, dass jedes Geschoss um einen Meter höher sein wird als das darunter liegende, was einen vielschichtigen Effekt auf den künstlerischen Inhalt haben wird.“

Den vollständigen Artikel finden Sie im Baumeister 7 / 2015