Tom’s Hütte

Raumhochrosen Architekten aus Bregenz haben im Wienerwald ein kleines Holzhaus gebaut, so klein, dass es eher als Hütte durchgeht. Es ist allerdings keines von diesen romantischen Jagdhüttchen mit vielen rotkarierten Heimtextilien und toten Tieren an den Wänden, sondern ein kantiger und dennoch warmer Rückzugsort, der jedem Architekten gefallen würde. Und dem Komiker Nick Offerman.

Tom, der Bauherr, ist seines Zeichens Coach und Rockmusiker. Auf seine Bedürfnisse wurde die Waldhütte ausgerichtet. Ein Raum, wenn auch einer, der sich über zwei Ebenen erstreckt, scheint ihm zu genügen. Toms Hütte ist schlicht und schön ausgestattet, das Hauptaugenmerk liegt so auf den Materialien: verwachsenes Holz und schwarzer Stahl. Es ist der perfekte Ort, um den radikalen Rückzug zu pflegen. Womit wir bei Nick Offerman wären. Er preist genau diesen Rückzug in seinem Buch Paddle Your Own Canoe: One Man’s Fundamentals for Delicious Living nämlich in höchsten Tönen. In kaum einem Buch könnte man besser in Toms Häuschen schmökern.

Das Waldhaus steht im österreichischen Wienerwald an einem Hang. Die Gebäudekontur zeichnet nicht nur die Hangbewegung nach, sondern  bezieht sich auch auf das Vorgängerhaus, das dem neuen Holzbau weichen musste. Die senkrechte Fassadenverkleidung umhüllt die Hütte komplett und lässt sie dank der starken Betonung der Vertikalen durch die senkrechte Holzlattung mit dem vertikalen Bild der Vegetation verschwimmen. Einzig die Regenrinnen ragen als horizontales Element an einer Seite ein gutes Stück heraus. Fassadenöffnungen verschiedener Größenordnungen finden sich auf allen vier Seiten. Dort lässt sich die Lattung vertikal nach oben schieben, oder wie ein Laden aufklappen. Je nachdem, wie viel man vom Wald, der das Haus umgibt, mitbekommen möchte, lässt sich das Haus also komplett verschließen – oder nach allen Seiten hin öffnen.

Fotos: Albrecht Imanuel Schnabel