29.09.2020

Hotel

„Tapetenwechsel“ im Bayerischen Hof

von Theresa Ramisch

Die bodentiefen Panoramafenster erfüllen die Räume der Penthouse Garden Suite mit Tageslicht und ermöglichen den Zutritt zur Terrasse von nahezu allen Bereichen. Foto: Benjamin Monn

Urlaub in der eigenen Stadt – das war im August diesen Jahres in München auf besondere Weise möglich. Anlässlich der Aktion „Tapetenwechsel“ luden rund 50 Stadthotels Münchner*innen für eine vergünstigte Nacht zu sich ein. Die Kampagne dient dazu, die von der Corona-Pandemie gebeutelte Münchner Hotellerie zu unterstützen. Baumeister-Redakteurin Theresa Ramisch nahm an der Aktion teil, kam so zu einem Aufenthalt in einem von Axel Vervoordt gestalteten Zimmer im Münchner Grand Hotel Bayerischer Hof und traf Innegrit Volkhardt, Inhaberin des Bayerischen Hofs, zum Gespräch.

 

 

Dem deutschen Gastgewerbe droht eine Insolvenzwelle. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Mitte August vorstellte. Von Januar bis Juli 2020 verzeichneten demnach deutsche Cafés, Restaurants und Hotels Umsatzverluste in Höhe von 60,1 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnen die Betriebe mit einem Umsatzrückgang von 51,0 Prozent. Von der Krise besonders betroffen sind die Restaurants und Hotels in den Städten. DEHOGA-Präsident Guido Zöllick beschreibt deren Situation als „katastrophal“. Während die Betriebe in den Urlaubsregionen bereits wieder Hoffnung schöpfen könnten, fehlten in den Städten weiterhin die Geschäftsreisenden sowie die Tourist*innen aus dem Ausland.

In München hat man nun mit der Aktion „Tapetenwechsel“ auf die Krise reagiert. Unterstützt durch die lokale DEHOGA-Kreisstelle und das Münchner Referat für Arbeit und Wirtschaft, organisierte die Tourismus Initiative München (TIM) und die Munich Hotel Alliance (MHA) ein einmaliges Angebot, das der Hotellerie zumindest eine kleine zusätzliche Einnahmequelle bescheren sollte. Der Aktionsdeal: Vom 10. August bis zum 6. September 2020 konnten Bewohner*innen der Stadt München sowie des Münchner Umlands zu den pauschalen Preisen von 79 Euro, 99 Euro und 139 Euro in rund 50 Münchner Stadthotels nächtigen – darunter auch Häuser der First-Class- und Luxus-Kategorie. Die Preise galten jeweils pro Doppelzimmer, pro Nacht inklusive Frühstück für zwei Personen. Zudem erhielten alle Gäste eine München Card, mit der man die Münchner Museen ermäßigt besuchen kann und die zugleich ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr ist.

 

Im Jahr 1841 eröffnete das 5-Sterne-Luxushotel am Münchner Promenadeplatz. Foto: Benjamin Monn
Der Bayerische Hof verfügt nicht nur über ein Atrium. Außerdem gibt es über 337 Zimmer und Suiten, zahlreiche Restaurants und Bars sowie einen 1300 Quadratmeter großen Wellness-Bereich. Foto: Benjamin Monn
Mit 15 Gault Millau Punkten, einer inspirierende Mischung aus bewährten Klassikern und einer zeitgenössisch interpretierten Küche unter der Leitung von Küchenchef Philipp Pfisterer isst man im „Garden Restaurant“ Haute Cuisine. Foto: Deidi von Schaewen
Während der jährlichen Münchner Sicherheitskonferenz im Bayerischen Hof heißt das Hotel am Empfang zahlreiche Politiker*innen, Diplomat*innen, Manager*innen und Journalist*innen willkommen. Foto: Benjamin Monn
Im „Blue Spa“ findet man Wellness und Fitness über den Dächer von München. Foto: Benjamin Monn

Bayerische Hof steht trotz Krise vergleichsweise gut da

 

Auch das Münchner Grand Hotel schlechthin, der Bayerische Hof, nahm an der Aktion teil. Die Münchner*innen waren begeistert – innerhalb kürzester Zeit war das Kontingent ausgeschöpft. „Wir fanden die Idee super und wollten aus Solidarität zu den anderen MHA-Mitgliedern auf jeden Fall dabei sein“, sagt Philipp Herdeg, Bereichsleiter für PR und Kommunikation. Kostendeckend ist diese Aktion für das 5-Sterne-Hotel nicht – allein für das Frühstück werden regulär 42 Euro pro Person berechnet. Der Vorteil des Bayerischen Hofs: Er ist schuldenfrei. Die Inhaberfamilie Volkhardt steckt seit jeher 25 Prozent der Gewinne in Rücklagen und kann die Krisenzeit vergleichsweise gut überbrücken.

Sicherheitskonferenz 2021 im Bayerischen Hof bereits geplant

Das 1841 eröffnet 5-Sterne-Luxushotel am Münchner Promenadeplatz, das Innegrit Volkhardt in vierter Generation führt, verfügt über 337 Zimmer und Suiten, zahlreiche Restaurants und Bars sowie einen 1300 Quadratmeter großen Wellness-Bereich. Von Kaiserin Elisabeth und Sigmund Freud, über Michael Jackson und Lenny Kravitz bis hin zu Roger Waters – es gibt wohl kaum eine Berühmtheit, die noch nicht im Bayerischen Hof übernachtet hat. Hinzukommen all die Politiker*innen, Diplomat*innen und Manager*innen sowie Journalist*innen, die an der jährlichen Münchner Sicherheitskonferenz im Bayerischen Hof teilnehmen. Die ist im Übrigen auch weiterhin für 2021 geplant – allerdings deutlich kleiner als in den Vorjahren und mit digitalen Formaten, wie Inhaberin Innegrit Volkhardt in einem Interview berichtet.

 

Die bodentiefen Panoramafenster erfüllen die Räume der Penthouse Garden Suite mit Tageslicht und ermöglichen den Zutritt zur Terrasse von nahezu allen Bereichen. Foto: Benjamin Monn
Wer in der Penthouse Garden Suite zu Gast ist, genießt das Münchner Panorama von drinnen... Foto: Benjamin Monn
...draußen und mit den Facetten jeder Tageszeit: Über drei Seiten erstreckt sich die 124,5 Quadratmeter große Terrasse der Penthouse Garden Suite. Foto: Benjamin Monn
Die 350 Quadratmeter große Penthouse Garden Suite verfügt über zwei luxuriöse Schlafzimmer mit Badezimmern en Suite und ein privates Spa. Eine voll ausgestattete Küche mit angrenzender Bar und einen großzügigen Wohn- und Essbereich mit Kamin und einem lauschigen Sofa. Foto: Benjamin Monn
Zwischen 2016 und 2018 wurden vier Stockwerke abgetragen, wiederaufgebaut und um die Penthouse Garden Suite als zusätzliches Geschoss aufgestockt. Foto: Benjamin Monn

29 neue Zimmer und Suiten für zwölf Millionen Euro

 

Der Bayerische Hof steht für eine mehr als 150-jährige Hoteltradition und zugleich für intelligentes, modernes und authentisches Design – maßgeblich geprägt durch den belgischen Inneneinrichter, Kunstsammler und Antiquitätenhändler Axel Vervoordt. Seit über zehn Jahren arbeiten Innegrit Volkhardt und Axel Vervoordt inzwischen erfolgreich zusammen. Nach den Neugestaltungen der Restaurants Garden und Atelier sowie der Cinema Lounge und der Palaishalle war der Umbau des Nord- und Südflügels Vervoordts viertes und bislang größtes Projekt im Bayerischen Hof. Zwischen 2016 und 2018 wurden vier Stockwerke abgetragen, wiederaufgebaut und die Gebäudeteile um ein zusätzlichen Geschoss aufgestockt, in dem sich nun die 350 Quadratmeter große Penthouse Garden Suite befindet. Die zentralen Herausforderungen dabei waren Statik, Bauzeit sowie die Instandhaltung der „Komödie“, dem Theater im Bayerischen Hof, das sich unter den neuen Stockwerken befindet. Das Investitionsvolumen betrug zwölf Millionen Euro, insgesamt entstanden 29 neue Gästezimmer und -suiten.

Betten, Sofas, Sessel, Stühle sowie Kissen sind mit Leinenstoffen in Natur- und Erdtönen bezogen. Foto: Benjamin Monn
Das Design hält auch im Bad die Balance zwischen traditionellem und modernem Design. Foto: Benjamin Monn
Axel Vervoordt gestaltete die nach Süden ausgerichteten Räume mit hellen Farben, Stoffen und Tönen, während er die Räume, die gen Norden schauen, mit dunkleren Elementen einrichtete. Foto: Benjamin Monn

Axel Vervoordt lässt Räume leben

Vom großen Maßstab bis ins kleinste Detail gelang es Axel Vervoordt den Neubau mit dem Altbau zu verknüpfen. Gleichzeitig gab er dem Projekt seine Note, ohne am Charakter des Bayerischen Hofs zu kratzen. Das Design hält die Balance zwischen traditionellem und modernem Design – unter anderem deswegen, weil Vervoordt mit seiner Umgebung arbeitet, nicht gegen sie. So ergab sich das Gestaltungskonzept für die neuen Zimmer durch die jeweilige Himmelsrichtung der Fenster: Vervoordt gestaltete die nach Süden ausgerichteten Räume mit hellen Farben, Stoffen und Tönen, während er die Räume, die gen Norden schauen, mit dunkleren Elementen einrichtete. Die Räumlichkeiten des Nordflügels werden zudem nach oben hin immer heller.

Beim Interieur der Zimmer legte Vervoordt Augenmerk auf natürliche und langlebige Materialien: Die Leibung der Zimmertüren ist aus Stein, die Türen selber sind aus Pappelholz, die Türgriffe aus gebeiztem Stahl gefertigt. Betten, Sofas, Sessel, Stühle sowie Kissen sind mit Leinenstoffen in Natur- und Erdtönen bezogen. Bei dem aus altem Holz gefertigten Mobiliar handelt es sich stets um Einzelstücke, die Ecken und Kanten zulassen. Denn das ist auffällig an der Inneneinrichtung Vervoordts im Bayerischen Hof: Während Macken und Brüche für viele andere Designer*innen in Hotelzimmern ein absolutes No-Go sind, lässt Axel Vervoordt sie in seiner Gestaltung zu. Dadurch bringt er Natürlichkeit und Ruhe in die Räume. Und sie sollen nicht sein letztes Projekt im Bayerischen Hof gewesen sein: Bereits jetzt arbeitet er am nächsten Umbauprojekt, den Veranstaltungsräumlichkeiten im Palais Montgelas. Die Eröffnung ist für Herbst 2020 geplant.

Beim Interieur legte Inneneinrichter, Kunstsammler und Antiquitätenhändler Axel Vervoordt Augenmerk auf natürliche und langlebige Materialien. Foto: Benjamin Monn
Bei dem aus altem Holz gefertigten Mobiliar handelt es sich stets um Einzelstücke. Foto: Benjamin Monn
Macken und Brüche, wie hier in der Junior Suite Deluxe, lässt Axel Vervoordt bewusst und auffällig zu, denn sie bringen Natürlichkeit und Ruhe in die Räume. Foto: Benjamin Monn

„Bei einigen geht es ums nackte Überleben.“

Mit 27 Jahren übernahm Innegrit Volkhardt 1992 die Leitung des Bayerischen Hofs. Damit führt sie heute das Münchner Grand Hotel seit 28 Jahren in vierter Generation. Und das mit Erfolg: Von 2011 bis 2017 war der Bayerische Hof das umsatzstärkste Hotel Deutschlands. Wir unterhielten uns mit Innegrit Volkhardt über die aktuelle Situation.

 

 

Baumeister: Innegrit Volkhardt, über die kritische Lage des Gastgewerbes muss man nicht diskutieren. Die Lage ist äußerst ernst. Im Interview mit dem Handelsblatt Anfang Juni äußerten Sie sich kritisch über die deutsche Corona-Politik und dass Sie damit rechnen würden, dass sich das Geschäft erst 2022 wieder stabilisiert. Was braucht das Gastgewerbe Ihrer Meinung nach jetzt?
Innegrit Volkhardt: Der erste Schritt ist nunmehr durch die Verlängerung der Kurzarbeit getan. Dies ist sicherlich der wichtigste Schritt, um Arbeitsplätze zu erhalten, aber auch bei einer Verbesserung der Auftragslage die Möglichkeit zu haben, Mitarbeiter entsprechend der Notwendigkeit in den Betrieb zurückzuführen, um die steigende Anfrage bedienen zu können.
Wichtig ist natürlich auch, eine gute bzw. noch weiter verbesserte Lobbyarbeit der Branche selbst. Wie schwer gerade die Hotellerie betroffen ist, scheint noch nicht klar genug im Bewusstsein der Politik aber auch der Bürger*innen angekommen zu sein. Erklärungen an Gäst*innen über notwendige Anpassungen der Öffnungszeiten oder dem Reduzieren von Dienstleistungen, welche Corona-bedingt wirtschaftlich einfach nicht umsetzbar sind, bestimmen leider oftmals den Alltag. Auch die Diskussion um ein weiteres, oftmals notwendiges Reduzieren bzw. Stunden von beispielsweise Pachtzinsen oder sonstigen, sehr hohen Fixkosten, bei im Normalzustand profitablen Unternehmen, ist mehr als bedauerlich. Geht es doch bei einigen ums nackte Überleben in dieser sehr schweren Zeit.

B: Sie haben mit dem Bayerischen Hof diesen Sommer an der Aktion „Tapetenwechsel“ teilgenommen. Warum?
I V: Meiner Familie ist es schon immer sehr wichtig, dass Münchner*innen selbst in unserem Hause willkommen ist. Unsere fünf Restaurants, die Komödie, das Spa oder das Kino werden zu fast 90 Prozent von Münchner*innen genutzt, weshalb wir die Chance natürlich nutzen wollten, den Einheimischen auch ein tolles Übernachtungserlebnis zu ermöglichen. Wir haben für die Aktion ein kleines Kontingent von täglich zwei Zimmern zur Verfügung gestellt, welche alle in kürzester Zeit gebucht wurden. Zusätzlich haben wir bisher etwa 150 Anfragen erhalten. Da wir unser Kontingent aber nicht ausweiten konnten, haben wir natürlich auf die weiteren Teilnehmer*innen verwiesen. Die Aktion ist für uns nicht kostendeckend, sondern rein aus Solidarität zu der MHA und TIM.

 

 

B: Zwischen April 2016 und Januar 2018 ließen Sie den gesamten Gebäudeteil oberhalb der Komödie im Hotel Bayerischer Hof umbauen. Beauftragt haben Sie damit den Inneneinrichter, Kunstsammler und Antiquitätenhändler Axel Vervoordt. Ein Herzstück seiner Arbeit bei Ihnen im Haus ist die Penthouse Garden Suite. Ein Ort zum Staunen. Hand aus Herz: Was ist Ihr persönlicher Lieblingsort im Bayerischen Hof?
I V: Ich fühle mich überall im Haus zuhause. Es ist alles unheimlich vertraut. Am liebsten übernachten würde ich in der Penthouse Garden Suite, da es dort oben so ruhig ist, dass man sogar die Vögel zwitschern hört und das mitten in der Stadt.
Ganz besonders mag ich auch das Blue Spa. Ich liebe meine Heimatstadt und da oben zu sitzen, an einem schönen Sommerabend, wenn die Stadt und der Dom beleuchtet und zum Greifen nah sind und gleichzeitig eine große Ruhe aber auch Kraft ausstrahlen, das ist schon etwas ganz Besonderes.

Der Text ist entstanden anlässlich des Artikels „Unterwegs im Bayerischen Hof München“ für die B10: Wohnungsbau mit Holz.

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