Biegen oder Brechen?

Die Stühle des tschechischen Herstellers Ton laufen keine Gefahr, als Plagiate auf dem Markt zu landen – obwohl zum Beispiel der Caféhaus-Klassiker „Stuhl 18“ nicht patentiert ist. Der Grund: Kaum einer beherrscht die Technik, den Stuhl herzustellen.

Genau genommen haben nur zwei Firmen dieses Knowhow: Ton und Thonet. 1849 wurde „Thonet Söhne“ gegründet, bald hatte die Firma Produktionsstätten in verschiedenen Städten Tschechiens und Polens. Die Fabrik in Bystritz am Hostein wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund der Änderungen im politischen Regime in der Tschechischen Republik verstaatlicht – daraus ging Ton als eigene Marke hervor. Der Name Ton stammt aber nicht wie man annehmen könnte von den Wurzeln der Firma, sondern ist eine tschechische Abkürzung von „Fabrik für Bugholzmöbel“.

Dem manuellen Biegen von Holz hat sich Ton bis heute verschrieben. Neuestes Ergebnis davon ist der Stuhl „Split“. Bei dem Stuhlbein handelt es sich um ein manuell gespaltenes Massivholz, das gleichzeitig Sitzschale oder Lehne stützt. Die Serie besteht aus Stuhl, Sessel, Lounge-Sessel und Barhocker.

Bei einer Neu-Produktion wie dem Stuhl Split müssen die Handwerker der Firma zunächst die Technik erlernen, das Bugholz zu biegen – gefragt sind Kraft und Fingerspitzengefühl. Im Prinzip funktioniert das dann so: Kanthölzer aus Buche oder Esche werden gedämpft, indem sie je nach Durchmesser für einige Stunden in spezielle Bottiche gelegt werden. Anschließend werden die Rundstäbe in eine Metallform gelegt, getrocknet und konditioniert. Zum Schluss wird das Holz geschliffen, gebeizt, lackiert und manchmal noch bepolstert. Jedes Objekt ist ein Unikat.