Portugal: „Public without Rhetoric“

Der portugiesische Pavillon auf der 16. Architekturbiennale ist in zweierlei Hinsicht besonders. Abseits vom Trubel des Arsenale und der Giardini, aber dennoch zentral um die Ecke von der Accademia-Brücke gelegen, ist der stilvolle alte Palazzo mit seinen floralen Seidentapeten an den Wänden eine wohltuende Ruhe-Oase. Umso schöner, wenn man entdeckt, dass die ausgestellten Projekte und deren wunderbar analoge Präsentation mit Diaprojektoren, Modellen und Planzeichnungen ganz ohne die typische Stararchitekten-Rhetorik auskommen.

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Foto: André Cepeda.

Denn genau darum geht es unter dem Motto „Public without Rhetoric“. Gezeigt werden hier zwölf Projekte, die in den letzten zehn Jahren seit der Wirtschaftskrise von portugiesischen Architekten aller Generationen erbaut wurden. Und zwar ganz profan Gebäude oder Infrastrukturen für Kultur, Bildung, Sport und Mobilität sowie temporäre Bauten, die von staatlichen, regionalen, aber auch lokalen Institutionen in Auftrag gegeben wurden.

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Foto: André Cepeda.
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Foto: André Cepeda.

Der Projektauswahl ist gemein, dass jedes Gebäude auf seine Weise die Idee hinter dem zentralen Biennale-Leitthema „Freespace“ reflektiert. Für die Kuratoren Nuno Brandão Costa und Sérgio Mah, die erstmals über ein Wettbewerbsverfahren den Auftrag für den Pavillon bekommen konnten, steht der Ausbau der öffentlichen Infrastruktur mit der Idee der zivilisatorischen Entwicklung und der progressiven sozialen Gerechtigkeit in Einklang. Die Stadt wird wieder aufgebaut und erneuert den öffentlichen Raum qualitativ und kulturell. Videoinstallationen, die die freie Aneignung dieses Raums durch die Bewohner zeigen, erbringen den Beweis, dass die öffentliche Aufgabe erfüllt wurde – und das auf durchaus unterschiedliche Art und Weise.

Standort: Palazzo Giustinian Lolin c/o Fondazione Ugo e Olga Levi onlus, San Marco 2893.