Noma est omen

„Popl“ heißt das neue Burger-Restaurant, das René Redzepi, Chefkoch und Mastermind des weltberühmten „Noma“, gerade in Kopenhagen eröffnet hat. Die Innenarchitektur, die japanische und nordische Gestaltungselemente zusammenbringt, hat das Designstudio Spacon & X entworfen.

 

 

Der beste Koch der Welt brät Burger? Kein Problem für René Redzepi, Küchenchef des legendären Kopenhagener Restaurants Noma, das bereits viermal das Ranking der „World’s 50 Best Restaurants“ angeführt hat. Als das Noma nach dem Corona-Lockdown im Frühjahr wiederöffnete, hatte Redzepi dort kurzerhand eine Popup-Weinbar mit Burgergrill im Garten eingerichtet. Es sei seine Reaktion auf die Krise gewesen, sagt der Koch. Einen solchen Ort habe er sich nach dem Lockdown gewünscht, nicht ein komplexes Gourmetrestaurant. Inzwischen ist das Noma allerdings wieder zur Hochküche zurückgekehrt. Das Popup-Experiment ist dennoch nicht ohne Folge geblieben.

 

 

„Popl“ heißt das neue Burger-Restaurant, das Redzepi nun in der Kopenhagener Strandgade eröffnet hat. Der in deutschen Ohren bedenklich klingende Name des neuen Restaurants hat aber nichts mit Körpersekreten zu tun. Vielmehr leitet er sich, ähnlich wie bei Tim Raues Berliner „Soupe Populaire“, vom lateinischen populus her – will also darauf hinweisen, dass die Bevölkerung in ihrer Gesamtheit hier die Zielgruppe ist. Das Popl tritt an die Stelle des Vorgängers „108“, das bislang in den Räumen beheimatet war. Auch das 108, das Redzepi mit dem Koch Kristian Baumann gegründet hat, war ein Spin-off des Noma. Allerdings bewegte es sich in puncto Anspruch der Küche nur wenig unterhalb des „Mutterhauses“. Beim Popl dagegen wählte Redzepi die Izakaya, Japans Gegenstück zum Gasthaus, als Vorbild – ein Lokal, das gleichermaßen dem Essen wie dem Trinken gewidmet ist.

 

 

Der Stil aus Japan, die Möbel aus Frankfurt

Das Interieurkonzept für das Popl entwickelte er gemeinsam mit dem Kopenhagener Designstudio Spacon & X. An den hohen Betonpfeilern, die den hohen Gastraum in dem ehemaligen Lagerhaus gliedern, haben die Innenarchitekten als augenfälligste Maßnahme eine hölzerne Pflanzbrücke befestigt. Sie schwebt über den Köpfen der Gäste und unterstreicht die Unterteilung des Restaurants in einen vorderen Bereich und eine intimere rückwärtige Zone. Die Einrichtungselemente sind in beiden Raumteilen dieselben: kleine quadratische Tische mit hölzernem Fuß, gepolsterte Holzbänke und japanisch anmutende Stühle, bei denen die eng zusammenstehenden Hinterbeine und Lehnenholme einen irritierenden Kontrast zur ausladenden Sitzfläche bilden. Sie sind wie die hohen Wandregale, die Servierstationen und die Theke aus hellem Eschenholz gefertigt. Umgesetzt wurden die Entwürfe übrigens vom Frankfurter Möbellabel e15, für das das Popl bereits das zweite Burgerrestaurant in Kopenhagen ist, an dessen Entstehen man beteiligt ist: 2018 hatte e15 die originellen Hocker nach Entwurf von David Thulstrup für das „Gasoline“ geliefert.

Während Thulstrups Gasoline mit seinen vielen Edelstahlflächen allerdings fast aseptisch anmutet, schaffen Spacon & X mit vielen Pflanzen, leuchtenden Farbflächen und einer ganzen Palette unterschiedlicher Hängelampen eine feine Balance zwischen Gestaltetem und Ungestaltetem, zwischen formell und informell. „Wir haben immer den Ansatz des Noma bewundert – jedes einzelne Element verrät die große Liebe zum Detail. Mit dem gleichen Ansatz haben wir das Popl gestaltet“, sagt Malene Hvidt, Architektin und Partnerin bei Spacon & X. Und sie ergänzt: „Wir wollten hier die gleiche einladende Stimmung schaffen, für die das Noma so berühmt ist.