Perfekte Wellen

Die gläserne Fassade des neuen Verwaltungsbaus der Swiss Re prägt seit 2017 das obere Seebecken in Zürich. Das Swiss Re Next genannte Gebäude ist ringsum mit ondulierenden Glaselementen verkleidet, eine Idee, welche die Architekten Diener & Diener schon einmal in ihrem Entwurf für das Kongresszentrum Zürich (2005) formuliert hatten und nun umsetzen konnten. Je nach Wetter, Jahreszeit und Standpunkt wirkt das so gestaltete Gebäude irisierend, reflektierend, gleissend, dann auch wieder dezent und zurückhaltend, so dass es fast mit dem Grün der bewaldeten Hügelkette im Hintergrund verschmilzt.

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924 wellenförmig gebogene Glaselemente bilden die Fassade des Swiss Re Next. Das Gesamtgewicht beträgt 377 Tonnen.

Doppelte Hülle

Die eigentliche thermische Hülle des rechteckigen und oberirdisch sechsgeschossigen Volumens mit einer Grundfläche von 72 x 58 Metern bildet eine Pfosten-Riegel-Konstruktion mit Dreifachverglasung; davor verläuft im Abstand von 2,2 Metern allseitig die ondulierende sekundäre Glashülle mit insgesamt 6575 Quadratmetern, die aus 924 senkrecht angeordneten, ineinandergreifenden und – von Sonderformen abgesehen – geschosshohen Glaswellenelementen besteht.

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Stangen, Teller und Halterungen aus gesandstrahltem und anschließend im Säurebad behandelten Edelstahl fixieren die von Zugstangen gehaltenen Glaselemente im Bereich der Überlappungen. Die grössten Gläser sind auf der Ebene des ersten Obergeschosses versetzt worden, da sie als Glasschürzen auch knapp in den Bereich des Erdgeschosses hineinragen, das zurücktritt und durch die Verkleidung mit Dolomit das Sockelthema artikuliert.

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Das Swiss Re Next steht zwischen zwei eleganten Bestandsgebäuden. Es ersetzt den Vorgändergabu von Werner Stücheli von 1969.

Täuschende Optik

Mit Hilfe von Mock-Ups wurden vor Ort die Materialisierung der Fassade, die Stabilität hinsichtlich Glasbruch, die Durchsicht sowie die Halterung in Varianten erprobt. Hatte man zunächst für ein Klarglas mit niedrigem Eisenoxidanteil optiert, so zeigte sich schliesslich, dass die Wirkung von konventionellem Glas  deutlich überzeugender war. Die einzelnen Wellenelemente sind maximal 4,8 Meter hoch und 2,6 Meter breit. Die Gläser der beiden obersten Geschosse wurden schmaler gefertigt, die Wellen zeigen hier eine geringere Länge, sind sozusagen halbiert, so dass optisch ein aus architektonischen und städtebaulichen Gründen gewünschter Attikaeffekt entsteht. Die schmalen Gläser sind über die Zugstangen von der Decke des fünften, die breiten von der Decke des dritten Obergeschosses abgehängt.

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Dezent: Bei manchen Witterungen verschmilzt das Gebäude fast mit dem Grün der Hügelkette im Hintergrund.

Sämtliche Wellenelemente bestehen aus zwei 10 Millimeter starken VSG-Floatglasscheiben, die im Biegeofen über einer Stahlwelle als Negativ verformt, mit einer innenliegenden Folie zur Beeinflussung des Reflektionskoeffizienten versehen und schliesslich laminiert wurden.

Impulse in der Glasbranche

Innovative Glasverarbeitungs- und -konstruktionsmethoden standen auch im Zentrum der Weltleitmesse glasstec, die im Oktober auf dem Düsseldorfer Messegelände stattgefunden hat. Im Zweijahresrhythmus kommen hier die führenden Hersteller, Forschungsinstitute und Fachverbände zusammen und stellen neue Entwicklungen vor. Begleitet wird die Messe außerdem durch ein fundiertes Rahmenprogramm, das über Trends, Innovationen und neue planerische Ansätze informiert.

Alle Fotos: Hubertus Adam.