Ólafur Elíasson

Die Kunst bedient sich immer häufiger und immer selbstbewusster architektonischer Mittel. Und das verdeutlicht kaum ein Künstler so wie der 1967 in Island geborene Ólafur Elíasson. Immer wieder setzt er seine Arbeiten direkt mit der Architektur in Beziehung. Ein Stück radikaler Raumumformung lieferte Eliasson jetzt im dänischen Louisiana Museum of Modern Art ab. Unter dem Titel „Riverbed“ hat er dort mit dem gesamten Südflügel eine beträchtliche Ausstellungsfläche komplett transformiert und in eine mit Erde aufgeschüttete, überdachte Flusslandschaft verwandelt – durch die auch tatsächlich ein Fluss mäandert.

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Die Arbeit reflektiert brillant Elíassons Philosophie, immer wieder die Grenzen der Architektur auszuloten und vor allem die ihr inhärenten Setzungen zu hinterfragen. Zum Beispiel die durch Architektur gezogenen Trennlinien zwischen drinnen und draußen und zwischen Natur und Kultur. Die Natur wird in Louisiana kulturalisiert. Und anders herum mutiert das Museum zur Wildnis. Wer will, kann darin auch einen Kommentar auf mögliche Wildwest-Manieren des zeitgenössischen Kunstmarkts sehen. Auf jeden Fall ist dies ein subtiler Kommentar zur Nicht-Neutralität und zum Ereignischarakter von Museumsräumen.

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Vor allem aber heben die Architekturbezüge in der Arbeit das Distanzverhältnis zwischen Besucher und Werk, zwischen Körperlichkeit und Visualität auf. Der Besucher läuft im Louisiana über das Kunstwerk und wird damit Teil davon – genau wie jeder Nutzer durch seine Körperlichkeit Teil von der Architektur um ihn herum wird. „Ich habe nur die halbe Geschichte geschaffen. Der Besucher vervollständigt sie“, sagt Elíasson selber. Die Unschuld des Betrachters ist also am Ende. Jeder vermeintlich neutrale Connaisseur wird selber Teil dieser seltsamen, verschrobenen Welt, die wir Kunst nennen.

„Architektur und  Ereignis“ – mehr über Ólafur Elíasson ab 1. November im Baumeister 11/2014

Fotos: María del Pilar García Ayensa/Studio Ólafur Elíasson