Nürnberg, Jugendherberge

Die Nürnberger Burg ist das Wahrzeichen der Stadt. Unter einem der berühmten steilen Dächer befindet sich eine Jugendherberge, der man jetzt alles Altertümelnde ausgetrieben hat: Die Übernachtung ist immer noch billig, das Ambiente aber nun frech und bunt.

Vielleicht hat es geregnet. Oder es war kalt. Jedenfalls suchte der Lehrer Richard Schirrmann mit seiner Klasse Schutz in einer Dorfschule und gründete in dieser Nacht gedanklich das Deutsche Jugendherbergswerk. Vor mehr als 100 Jahren war das. Vieles hat sich seither verändert, längst geht es um mehr als Schutz vor der Witterung: In den etwa 530 deutschen Jugendherbergen kann man heute auch als Einzelperson oder Familie komfortabel Ferien machen. Und damit das bei den neuen Zielgruppen ankommt, setzt der gemeinnützige Verein seit Jahren auf eine anspruchsvolle Gestaltung: Die von Rudolf Hierl 2002 geplante Jugendherberge am Starnberger See oder das 2011 von Lava zur Designjugendherberge aufgepeppte Haus in Berchtesgaden (siehe Baumeister 12/11) gehören sicher zu den schönsten Beispielen der Architekturoffensive. Auf der diesjährigen Messe BAU konnte man im „Youth Lab“ zudem sehen, wie Studenten sich das Jugendherbergszimmer der Zukunft vorstellen: flexibel, individuell und stylish.

Die Architekten von Fritsch, Knodt und Klug kennen den Entwurf, den das DJH in Auftrag gegeben hat, natürlich. Doch für die im April 2013 wiedereröffnete Jugendherberge in Nürnberg haben sie in Gemeinschaft mit dem Büro Franchi und Dannenberg eine maßgeschneiderte Lösung gefunden: Ochsenblutrot leuchten die Wände in den 93 Ein-, Zwei-, Vier- und Sechs-Bettzimmern mit insgesamt 355 Betten; weiße, teilweise klappbare Stockbetten mit hellgrauen Blenden wurden entwickelt, dazu schönes, schlichtes Mobiliar aus Eichenholz und schwarzem Kunstleder. Seit 2011 hat das Team die Jugendherberge mit der Adresse „Burg 2“ saniert und die ehemaligen Kaiserstallungen aus dem Jahr 1495 statisch, brandschutztechnisch und energetisch ertüchtigt. Schade nur, dass die Verjüngungskur von außen nicht zu erkennen ist, doch die gut 950 Jahre alte Burg, Sitz der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, ist der Stadt heilig.

Im Inneren ist es jedoch gelungen, den mittelalterlichen Räumen, die nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg mit viel Beton wiederaufgebaut wurden, in Absprache mit dem Denkmalschutz ihre Düsternis und Muffigkeit zu nehmen. Jedes Zimmer verfügt inzwischen über ein eigenes Bad und hat Blick auf die Altstadt. Einbauten, wie neue Treppenhäuser und Aufzüge, wurden zeitgemäß, aber angenehm zurückhaltend eingefügt. Im offenen Erdgeschoss laden Bar und Speisesaal mit Showküche zum Verweilen ein. Die Flure leuchten farbig, in den Grafiken im Retro-Chic verbergen sich QR-Codes, die Exkurse in die Nürnberger Geschichte anbieten. All das macht das Haus wohl tatsächlich zur, so heißt es stolz und werbewirksam, „modernsten Burg-Jugendherberge der Welt“. Knapp 30 Euro kostet hier eine Übernachtung. Günstiger ist eine Zeitreise durch 500 Jahre Bau- und Architekturgeschichte sicher nirgendwo zu haben.

Adresse

Jugendherberge Nürnberg
Burg 2
90403 Nürnberg
Deutschland
www.nuernberg.jugendherberge.de

Fotos: DJH Landesverband Bayern E.V.