Modelle, Licht – und Tapas

Licht bestimmt die Architektur. Zumindest die des barcelonischen Architekten Josep Ferrando. In seinem Fall geht der Licht-Einfluss so weit, dass es die Raumaufteilung prägt, oder besser: bestimmt. Ablesen kann man das am Grundriss und Schnitt seiner Polizeistation im spanischen Salt zum Beispiel. Da funktioniert Licht als räumliche Trennung (und auch als Verbindung): Die Räume organisieren sich um Patios herum. Im Endeffekt also eine Organisation um das Licht!

Auf die Frage, wie man als Architekt Licht lenken kann, sagt er: „Es ist nicht möglich, das Licht als einzelnes Element zu verstehen.“ Ferrando stellt sich diese Frage also gar nicht – von wegen: Wie hole ich das Licht jetzt architektonisch anspruchsvoll in mein Gebäude…? Der Spanier sieht alles in einer Wechselwirkung zueinander: Licht, Raum, Wand, Material. Dabei unverzichtbar: die Masse. Die bedingt das Zusammenwirken von Materie und Licht. Da wo Masse ist, ist Materie, da wo Masse weggelassen wird, hat das Licht Platz.

Dem Dialog von Materie und Licht widmet sich derzeit auch die Ausstellung „Matter and Light“ im Aedes am Pfefferberg. Sie zeigt Ferrandos Entwürfe noch bis 21. August in Modellen und Skizzen. Verstehen sollte der Besucher Folgendes: Die Modelle sind keine Miniaturen im Sinne eines realen Hauses, kein Kleinerzoomen von etwas Größerem. Sie sind Annäherungen an das, was noch weiter ausformuliert wird. Abstraktionen. Und wie abstrahiert man am besten? Indem man nur ein einziges Material pro Modell benutzt. Josep Ferrando wählt zwischen Glas, Stahl, Holz, Stein, Keramik und Beton. Vielleicht baut er die genannten „Nicht-Miniaturen“ darum auch nicht mit Modellbauern – sondern mit Schreinern und Glasbauern. Je nachdem.

Schlau. Schließlich lernt Josep Ferrando dadurch wiederum Neues über die Eigenschaften verschiedener Materialien. „Bei meiner Polizeistation ist das Modell aus Glas. Die Leute haben mich gefragt, warum. Das realisierte Gebäude sei doch kein Glaskörper.“ Das ist richtig. Das „echte“ Gebäude ist genau genommen aus Beton und wirkt von außen ziemlich geschlossen – auf den ersten Blick so gar nicht gläsern. Was Ferrando klar machen will: Bei der Polizeistation ist Licht in Form der Patios und Einschnitten, die erst hinter der Fassade sichtbar werden, ein wesentlicher Bestandteil des Entwurfs. Assoziation: Glas im Modell gleich Licht im Gebäude, aha!

Josep Ferrando sollte man jedenfalls nicht auf die Wahl seiner Modell-Materialien festnageln und sie gedanklich auf irgendwelche Details seiner Gebäude übertragen. Die Reduktion der Modelle hat den Sinn, sich der puren Masse zu nähern. Und damit dem Leitthema seiner Architektur: dem Licht.

Im Übrigen gibt es eine Form von Modellen, die Ferrando nicht auf nur ein „Material“ reduziert: Tapas. Ja genau, Tapas. Bei Regelmäßigen Fiestas im Architekturbüro lässt er alle Beteiligten, oft Studenten oder junge Absloventen, Architekturen aus Tapas bauen. Das ist praktisch, so kann er seine Lehrtätigkeit, die er neben der Arbeit im Büro oft noch bis spät am Abend jongliert, auch gleich mit einer Fiesta verknüpfen. Man kann annehmen, dass die Architektur-Tapas dann gemeinschaftlich verzehrt werden. Natürlich erst, nachdem die Jury (also Ferrando) sie architektonisch bewertet hat.

In Kooperation mit lightlive

Fotos v.l.n.r.: Modellfotos 1-3 Adrià Goula; Ausstellung 4-6 Jirka Jansch; Polizeistation in Salt Adrià Goula