Nachbarliche Bodenfrage

Als eines von wenigen Ländern betrachtet das Großherzogtum Luxemburg das in viele Richtungen gefällige Biennale-Thema „Freespace“ ungewohnt politisch. „The Architecture of the Common Ground“ empfängt den Besucher als Blackbox mit einem schmalen, hell beleuchteten Gang. Was wie eine barrierefreie Willkommensgeste erscheint, offenbart sich schnell als Finger in der Wunde. Denn der Korridor symbolisiert von seiner Fläche her jene 8% des Baulands, das im Besitz der Öffentlichen Hand für Baumaßnahmen vorhanden ist.

Verdammt wenig für die dringend benötigten Flächen für bezahlbaren Wohnraum. Denn das mit 2586 Quadratkilometer flächenmäßig kleine Land Luxemburg, in dem nur 14% der Fläche des Landes bebaut sind, kann seit Jahren einen Zuwachs an Bevölkerung verbuchen, Prognose anhaltend steigend. Allein in Luxemburg-Stadt wuchs die Einwohnerzahl innerhalb von 10 Jahren von 100.000 auf 116.000 Bewohner, zu 602.000 Einwohnern (Stand 1.1.2018) kommen täglich 180.000 Pendler dazu. Das Wirtschaftswachstum ist Fluch und Segen zugleich: Neue Arbeitsplätze werden geschaffen, aber gleichzeitig kommt die notwendige Infrastruktur an ihre Grenzen; die Zersiedelung nimmt zu, der Mangel an bezahlbarem Wohnraum steigt. Bauland- bzw. Immobilienbesitz ist für die junge Generation schlicht unerschwinglich. Land wird zum Spekulationsobjekt.

Was bedeutet das für die Zivilgesellschaft? Und vor allem: wie kann oder sogar muss die Architektur darauf reagieren? Den Machern des Luxemburger Pavillons – das LUCA Luxembourg Center for Architecture und die University of Luxembourg – ist bewusst, dass die Architekten und Stadtplaner die Bodenfrage nicht klären können. Auch sind weder „die vollkommene Kommunalisierung oder die vollkommene Privatisierung von Grund und Boden“ eine Lösung, wie Florian Hertweck – lehrt an der Universität – in einem Interview betont. Aber die Planer haben, durch die Art und Weise des Bauens, großen Einfluss darauf, unerwarteten Mehrwert im Sinne des Freespace zu schaffen, indem sie die Architektur bzw. das bebaute Umfeld zugunsten der Zivilgesellschaft öffnen.

Die aktuelle Biennale-Präsentation ausgewählter gebauter und ungebauter Beispiele aus der Architekturgeschichte zeigt hervorragend die Möglichkeiten der nachhaltigen Nutzung des städtischen und ländlichen Bodens – zugunsten der Allgemeinheit und damit auch für den Zusammenhalt der Gesellschaft.