04.10.2021

Architektur Öffentlich

Museo de Arte Contemporaneo: Weißer Fels

Museo de Arte Contemporaneo Helga de Alvear im spanischen Caceres

Tuñón Arquitectos hat das Museo de Arte Contemporaneo Helga de Alvear im spanischen Caceres erweitert.

Das Museo de Arte Contemporaneo Helga de Alvear im spanischen Cáceres sollte erweitert werden. Tuñón Arquitectos haben dazu einen Baukörper wirkungsvoll an die Stadtmauer der mittelalterlichen Topografie gesetzt.

Drei Stunden südwestlich von Madrid liegt Caceres, die Provinzhauptstadt von Extremadura. Die mittelalterliche Stätte kann reichlich Spuren von römischer und christlicher Zivilisation und aus der Zeit der arabischen Besetzung vorweisen. Der ummauerte historische Stadtkern hat seine Ursprünge im vierten bis zwölften Jahrhundert und zählt zu den besterhaltenen historischen Denkmälern Europas. Die Altstadt zählt seit dem Jahre 1986 auch zum Unesco-Weltkulturerbe und hebt sich beeindruckend über der Neustadt empor.

Foto: Luis Asin
Foto: Luis Asin
Foto: Luis Asin

Zweistufenplan für das Museo de Arte Contemporaneo

 

Im Zentrum liegt die Plaza Mayor mit dem Rathaus und dem Torre de Bujaco aus der Zeit der Mauren. Gleich daneben findet man beeindruckende Adels-Paläste und historische Sakralbauten. In einem der Stadtpaläste am südwestlichen Rand der Altstadt hat sich der Hauptsitz der Stiftung der bekannten Kunstsammlerin und Galeristin Helga de Alvear eingerichtet. Hier, in der historischen Casa Grande von 1913, ist auch das Museo de Arte Contemporaneo Helga de Alvear untergebracht. Nach der Eröffnung im Jahr 2010 wurde das Haus nun rund zehn Jahre später durch Tuñón Arquitectos erweitert.

Die Renovierung und Erweiterung der Stiftung wurde in zwei Etappen durchgeführt. So arbeitete der Architekt Emilio Tuñón ab 2006 an der Restaurierung und Erweiterung der ursprünglichen Casa Grande im Büro Mansilla + Tuñón. Dann kam jetzt der Erweiterungsbau des Museo de Arte Contemporaneo auf einem Grundstück zwischen dem Stadtpalast und der mittelalterlichen Stadtmauer von Tuñón Arquitectos dazu.

Entstanden sind an dieser Stelle insgesamt 2.000 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche auf vier Ebenen. Nun ist mehr Platz für die etwa 3.000 Werke der bedeutenden Privatsammlung internationaler Kunst mit Exponaten von Pablo Picasso, Olafur Eliasson, Tacita Dean, Katharina Grosse und Susana Solano. Sie alle wurden der Stadt als Schenkung überlassen. Den historischen Stadtpalast hat die Sammlerin zum Sitz ihrer „Stiftung Helga de Alvear” umbauen lassen, der von nun an ein Ort für Workshops und Wechselausstellungen ist. Auch eine Bibliothek und Büros wurden in dem Gebäude untergebracht.

Neue Wege

Das neue Ausstellungsgebäude liegt im historischen und topografischen Grenzbereich zwischen Alt- und Neustadt und staffelt sich in den Hügel hinein entlang der Hangkante. Es schließt hier gewissermaßen eine Lücke und wird zum Verbindungsstück zwischen den Stadtteilen. Zwischen dem Altbau und dem neuen Ausstellungshaus liegt sogar ein Kunstgarten, der „Extramuros“. Er wird damit zur Schnittstelle zwischen öffentlichem und privatem Leben und zur Wegeverbindung zwischen Alt- und Neustadt. Dafür gestalteten Tuñón Arquitectos einen geschwungenen Weg mit langen Rampen, der sich parallel zur Straße und entlang des Hanges wie ein Plateau entfaltet.

Foto: Luis Asin
Foto: Luis Asin

Museo de Arte Contemporaneo: Leuchtende Landmarke

Der Ort sei symbolisch wichtig, sagt Emilio Tuñón, da dies einst das Gelände war, an dem die Menschen vom Stadtinneren nach draußen gelangten und umgekehrt. Die Erweiterung, so der Architekt, habe den Ort wieder zu einem „durchlässigen Stadtraum“ gemacht.

Der Neubau hebt sich deutlich in strahlend weißem Beton und mit kubischer Strenge von der historischen Backsteinarchitektur ab und fügt sich gleichermaßen geschickt in das Stadtbild ein. Er entwickelt sich entsprechend der Topografie des Geländes entlang der Stadtmauer und formuliert hier eine starke Kante aus. An einigen Ecken wurden Einschnitte vorgenommen, Stufen ausgebildet, und partiell gibt es auch unterschiedlich große, quadratische Fensteröffnungen. Damit reagieren die Architekten auf das Gelände, lassen den Neubau am Hang emporwachsen und schieben ihn außerdem sanft in den Hügel hinein. So entsteht ein harmonischer Gesamteindruck, bei dem der allzu starke Kontrast zwischen Alt- und Neubau zu Gunsten eines stimmig zusammengefügten Ensembles weicht. Der Neubau öffnet sich zudem zum Platzinneren und hat hier an den Altbau angedockt.

Foto: Luis Asin
Foto: Luis Asin
Foto: Luis Asin
Foto: Luis Asin
Foto: Luis Asin

Strenger Rhythmus auch im Innern

 

Insgesamt bildet er vier unterschiedlich große Ebenen aus und überbrückt auf diese Weise 24 Meter Geländeunterschied zwischen Alt- und Neustadt. Die Fassaden- und Tragstruktur besteht aus weiß eingefärbten Betonpfeilern. Sie gliedern den Bau streng und stehen im Kontrast zu den sandfarbenen Stadtmauern und mittelalterlichen Gemäuern in der Umgebung. An einigen Stellen ist die Fassade durchlässig und hebt den allzu geschlossenen Eindruck des Betonbaus auf. Durch die 20 mal 60 Zentimeter messenden Pfeiler in der Fassade ergibt sich ein starker Licht- und Schatteneffekt, der auch im Inneren erlebbar ist.

Entlang der Treppenläufe sind die Pfeiler als Lichtschächte ausgebildet und verschatten die Außenbereiche der Galerie. Im Inneren wird das Raster weitergeführt. Hier werden die Pfeiler zu Raumteilern oder in Einbauten aus Holz übersetzt. Bei der Materialwahl entschieden sich die Architekten für Eichenholz bei den Fensterrahmungen und Einbauten. Der Betonboden ist grau poliert und die Wände weiß gestrichen.

Die Ausstellungsflächen sind geräumig und zurückhaltend gestaltet, ganz im Dienst der Kunst. Die Regelgeschosse haben eine lichte Höhe von 4,5 Metern,. Außerdem gibt es für die Präsentation besonders großer Kunstwerke drei Bereiche mit neun Metern Deckenhöhe. Durch Lichtfugen und punktuell gesetzte große Öffnungen wird das Licht gezielt gelenkt, und es entstehen unterschiedlichste Lichtstimmungen in den Ausstellungsräumen. „Wir wollten einen sehr neutralen Raum schaffen, in dem sich Kunst wohlfühlen kann“, sagt Tuñón.

So ist eine Galerie entstanden, die im Inneren ganz der Kunst dient und nach außen hin ein architektonisches Statement setzt. Es ist ein selbstbewusster Bau, der sich nicht hinter den auratischen Mauern der historischen Altstadt versteckt, aber auch nicht als Solitär auftritt. Vielmehr wird der Neubau zum Verbindungsstück von historischer Stadt und Neustadt und schafft einen mühelosen Übergang zwischen den Zeiten.

Ein Ausstellungsraum ist auch in der arktischen Wildnis seit kurzem zu finden. Mehr über das Ilulissat Icefjord Centre der dänischen Architektin Dorte Mandrup erfahren Sie hier.

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