Mies gibt’s nicht zum Schnäppchenpreis

In Ludwig Mies van der Rohes berühmter Nationalgalerie in Berlin wurde 50-jähriges Jubiläum gefeiert – in einem Rohbau. Denn das bedeutendste moderne Bauwerk der Stadt wird generalsaniert. Aber wohin mit neuer Haustechnik und Museumsinfrastruktur? „In dem Mies-Bau kann man sich nicht verstecken“, sagt der mit dem Projekt befasste David Chipperfield. Und dass der Bau unter weitestgehender Erhaltung von Originalsubstanz ohne sichtbare Veränderungen vor Augen stehen soll, versteht sich. Eigentlich eine undankbare Aufgabe für einen selbstbewussten Architekten. Notwendige räumliche Veränderungen finden im Verborgenen, im Sockelgeschoss und im Untergrund statt.

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Der Einbau der neuen Fensterscheiben © David Chipperfield

Nun also das „Richtfest“ im Rohbau, denn die vergangenen drei Jahre hat man damit zugebracht, 35.000 Originalbauteile auszubauen und einzulagern, sowie marode Betonstrukturen zu sanieren. Allein 14.000 Granitplatten des Sockels und der Treppenanlagen wurden abgenommen und für die Wiederanbringung in situ akribisch nummeriert. Für Ersatz zerstörter Tafeln steht Material aus dem ursprünglichen schlesischen Steinbruch zur Verfügung. Abgenommen und restauriert wurden im Inneren alle Bodenplatten, Wandpaneele und Deckengitter sowie die Ausstattung.

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Der Umbau des Museums © David Chipperfield

Die neuen Fensterscheiben der Halle, jede 3,43 mal 5,60 Meter groß, sind auf dem Seeweg gekommen, denn die einzige Fabrik, die so große Verbundglasscheiben produziert, steht in China. Neu sind pro Seite drei Pfosten mit versteckten Dehnungsfugen, denn die meisten bauzeitlichen Scheiben waren aufgrund von Wärmedehnspannung gesprungen und durch halbe Formate ersetzt worden.

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Der Einbau der neuen Fensterscheiben © David Chipperfield

Mies van der Rohe hatte vom Foyer im Sockelgeschoss aus einen Rundgang um die beiden Technikkerne vorgesehen, der zwischenzeitlich durch den Einbau von Garderoben unterbrochen worden war. Durch Umwidmung der Depoträume beiderseits des Foyers wird Platz geschaffen für Garderoben und den Museumsshop. Ersatzdepotraum entsteht dafür in einer Erweiterung unterhalb des Vorplatzes.

110 Millionen Euro soll „so viel Mies wie möglich“ kosten und im Jahr 2020 fertig sein, weiß man schon eindrucksvoll genau. Noch ist man für Berliner Verhältnisse sehr optimistisch, mit der genehmigten Bausumme auszukommen, da der Bau als gut durchschaubar gilt und teure Planänderungen nicht absehbar sind.