Mathias Klotz

Mathias Klotz stammt aus jener Generation, die in den 1980er Jahren ihren Architekturabschluss in Santiago de Chile gemacht haben und heute international bekannt sind – wie auch Alejandro Aravena, welcher im kommenden Jahr die Architekturbiennale in Venedig kuratiert. „Die erste Generation der chilenischen Architekten, die im Ausland publiziert wurden, kommen von der Universidad Católica in Santiago“, meint Klotz. „Aber auch eine zweite Generation ist jetzt erfolgreich – dazu gehören Mauricio Pezo und Sofia von Ellrichshausen. Die kommen nicht aus der Hauptstadt, sondern aus Concepción, eine Stadt weiter im Süden.“ In der Ausbildung sieht Klotz also nur bedingt den Grund für den hohen Qualitätsanspruch chilenischer Architektur: „Nach fast 20 Jahren Diktatur wollten sich die Architekten einfach wieder ausleben.“

Architektur und Natur

Im Büro Klotz herrscht eine sehr klare Architektursprache vor, die sich aus einer reduzierten Materialpalette – meist Holz oder Beton – sowie starken Bezügen zwischen Innen und Außen artikuliert. Ein Beispiel dafür ist eines der ersten Projekte von Mathias Klotz: das Ferienhaus „Casa Klotz“, das er 1991 für seine Mutter mit einem winzigen Budget von 20.000 Dollar gebaut hat. Das Haus steht auf kleinen Stelzen und scheint über dem Boden zu schweben, den Sand unter seinen „Füßen“ also nicht zu berühren. Die Holzfassade ist weiß gestrichen und sticht nicht aus der Umgebung hervor. Über ein großes Fenster, zwei Geschosse hoch, holt Klotz die Umgebung zudem visuell ins Wohnzimmer.

Auch ein sehr persönliches Projekt, das ihn einige Jahre später in den Entwurfsprozess von Casa Klotz zurückversetzte, ist das Ferienhaus „Casa Raúl“, das er 2007 für einen Freund und dessen Familie baute. Die Schwierigkeit lag in der Topografie des steilen Hangs und auch darin, einen Grundriss für den Sohn der Familie zu planen, der nach einem Unfall eine Behinderung hat. „Durch unsere Freundschaft und unser gegenseitiges Vertrauen plante ich das Haus so, als wäre es mein eigenes.“ Als sein Freund das Haus zwei Jahre später verkaufen musste, beschloss Mathias Klotz, es selbst zu übernehmen. Es liegt nicht weit vom Büro entfernt und dient heute mit seinem grandiosen Ausblick über den nahe gelegenen See seiner Familie zur Entspannung.

Aber nicht nur gestalterisch spielt die Natur immer wieder eine Rolle in Mathias Klotz’ Architektur. Denn die Natureinflüsse in Chile sind enorm. „Erdbeben sind normal. Dieses Jahr hatten wir eins, außerdem zwei Vulkanausbrüche und starke Regenfälle in der Wüste. Über diese Faktoren muss man im Entwurf nachdenken.“

Typ Easy

Über seine Arbeit sagt Klotz, dass er sich als Teil des Teams fühlt – ohne dass sich das nach einer Floskel anhört: „Meine Mitarbeiter sind keine Arbeiter, sondern Kollegen. Jeder hat sein eigenes Projekt, bei größeren Bauvorhaben sind es auch mal fünf Architekten und ein Projektleiter. Aber keiner ist wichtiger als der andere. Den größten Teil der Zeit zeichnen wir nicht, sondern kommunizieren.“ Wenn sich die Mitarbeiter an unterschiedlichen Orten befinden, schicken sie sich per Whats-App Fotos von Renderings, um die Zwischenstände abzugleichen. Klotz hat Humor, ohne lustig sein zu wollen, seine Antworten sind oft flapsig. Auf die Frage, welchen Einfluss seine Arbeit als Fotograf und Filmemacher auf die als Architekt habe, meint er: „Ich mache das nur zum Spaß.“ Als er den Entwurf des Ferienhauses Casa Klotz beschreibt, stellt sich heraus, dass er es im Flugzeug auf ein Stück Millimeterpapier skizziert und danach, ohne den Entwurf seiner Mutter zu zeigen, genau so gebaut hat.

Mehr dazu im Baumeister 9/2015

Porträt: Archiv Architekten; Fotos Architektur: Roland Halbe