10.09.2015

Öffentlich

Kein Ort der Stille

von Sabine Schneider

Die größte Bibliothek Skandinaviens ist in diesem Sommer fertig geworden und steht in Aarhus. Dort bildet das „Dokk1“ genannte Gebäude ein weithin sichtbares Zeichen für die Baufortschritte im umgewidmeten ehemaligen Hafengelände: Es stellt nun den markanten Endpunkt der Fußgängerzone dar, verbindet die Innenstadt mit der Waterkant – und lockt die Bürger ans Wasser.

Erdgeschoss
Erstes Obergeschoss
Schnitt

Die dänische Stadt hat sich viel Zeit gelassen, um das richtige Konzept für Dokk1 zu finden, denn wie kann heute im digitalen Zeitalter eine Stadtbücherei aussehen? Ihr Ergebnis: Es sollte kein stiller Ort werden, sondern ein Hybrid: für Veranstaltungen wie Lesungen, Gruppenarbeit, sogar Gewerbe, als multikultureller Treffpunkt und Bürgerzentrum – ein „urbaner Medienraum“. Ziel war ein Begegnungszentrum für alle Altersgruppen, Interessen und Kulturen. Dies drückt sich im Inneren durch zwei weitläufige, offene Bücherei-Ebenen aus, verbunden durch eine großzügige „Rampe“. Auch verkehrstechnisch ein Knotenpunkt mit Parkhaus für Autos und 450 Fahrräder und neuer Straßenbahnstation. Der vieleckige Glasbau der Kopenhagener Architekten Schmidt Hammer Lassen wird für Fußgänger von breiten Treppen ringsum erschlossen und erhielt bewusst keine bestimmte Ausrichtung. Er wird gekrönt von einem ausladenden Dachgeschoss: Dieser Logenplatz mit Ausblick über Innenstadt und Hafen wird teilweise von der Stadtverwaltung genutzt, hier sind aber auch Gewerbeflächen untergebracht, so dass dieser riesige Raum, der wie ein Deckel auf dem Bau sitzt, mit Mieteinnahmen für die Finanzierung der Bibliothek sorgt.

Bauherr: Stadt Aarhus
Architekten: Schmidt Hammer Lassen, Kopenhagen
Eröffnung: 20.Juni 2015
Wettbewerb: 2009
Fotos: Adam Mørk

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