Macht BIM kreativ?

Über BIM denken momentan viele Architekten nach. Am kommenden Dienstag findet in Frankfurt der BIM-Kongress Deutschland statt. Dort wird auch Jakob Andreassen sprechen, der für das Architekturbüro BIG viel mit BIM arbeitet. In Frankfurt spricht Andreassen über „BIM in a conceptual context“. Wir befragen ihn vorab über die Integration von BIM in den kreativen Schaffensprozess und den Arbeitsalltag bei einem global arbeitenden Büro wie BIG.

Baumeister: BIM steht für einen rundum effizienten Planungsprozess. Wieso ist das heutzutage so wichtig?

Jakob Andreassen: Eine wachsende Zahl öffentlicher und privater Bauherren verlangt einen vollständigen Entwurf inklusive parametrischen 3D-Modellen und ausgereiftem BIM-Know-how. Die Nachfrage generiert sich aus dem Versprechen einer effizienteren Projektplanung inklusive Gebäudesimulation und der Optimierung der Gebäudequalität. Darin steckt ein riesiges wirtschaftliches Potenzial. Durch die Einbindung der Technologie in alle Phasen des Projekts und der daraus resultierenden Optimierung der Baumaßnahmen, kann eine Kosteneinsparung erzielt werden, die nicht nur das Honorar der Fachplaner deckt sondern die Kosten der ganzen Konstruktion. Zumindest wenn man das Gebäude über einen Zeitraum von über 50 Jahren betrachtet und die Wartungskosten mit einberechnet.

Was bedeutet das konkret für das Berufsfeld des Architekten?

Mit den steigenden technischen Anforderungen die sich aus der Nachhaltigkeitsforderung an ein Gebäude ergeben, wird das Entwerfen von Architektur immer komplizierter. Die Entwicklung der BIM-Software bietet den Architekten eine Fülle von Werkzeugen um ihre architektonischen Ideen umfassend zu überprüfen. Durch die frühzeitige Miteinbeziehung der Gesamtenergieeffizienz können Architekten das Gebäudedesign unter der Berücksichtigung einer Vielzahl von Parametern kontrollieren. Fehlende frühzeitige Simulationen können dazu führen, dass ein großartiger Gebäudeentwurf nachträglich modifiziert werden muss, um den Leistungsanforderungen gerecht zu werden. Dem Architekten kommt in diesem Szenario eine neue zentrale Rolle zu: Er übernimmt die Prozessteuerung um das volle wirtschaftliche Potential des Projekts auszuschöpfen.

Ihr Vortrag in Frankfurt wird sich mit dem Thema „BIM im konzeptionellen Kontext“ beschäftigen. Um was geht es da konkret?

Es geht um die Herausforderungen aber auch die Möglichkeiten von BIM. Alle BIM Programme versuchen die Realität mit all ihrer Komplexität abzubilden, deshalb kann sich das Arbeiten mit BIM ein wenig starr anfühlen. Einige geometrische Formen lassen sich leicht auf BIM erstellen, andere werden auch in absehbarer Zukunft nicht umsetzbar sein.

Wie gehen Sie bei BIG mit dieser Problematik um?

Wir versuchen die Interaktion zwischen den Design-Werkzeugen und der Dokumentationsplattform weiter auszubauen und zu verbessern. Die erfolgreiche Verbindung von plastischer und schriftlicher Geometrie auf BIM wird die Trennung von Modellierung und Dokumentation überwinden. Gleichzeitig werden die BIM Werkzeuge schon von Beginn an in die Konzeptphase eingebunden. Als relativ junges Unternehmen ist der Gebrauch von 3D-Werkzeugen bei uns seit jeher ein fester Bestandteil des Entwurfs-Prozesses. Wir haben schon immer alle verfügbaren Informationen von der ersten Projektphase an gesammelt, um einen optimierten Ablauf zu ermöglichen oder das vorhandene Wissen auf andere Projekte zu übertragen. Mit der Einführung der BIM-Software geht das noch besser.

Sind die Bauherren insgesamt anspruchsvoller geworden?

Mit den Möglichkeiten die BIM mit sich bringt, sind auch die Erwartungen von Auftraggebern und Gesetzgebern gestiegen. Die Standards für Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Budgetkontrolle sind höher als zuvor.

Wie reagiert das Büro auf diese erhöhten Anforderungen?

Wir versuchen immer auf dem neuesten Entwicklungsstand zu sein um die Vorteile von BIM vollständig zu nutzen. Gleichzeitig ist es uns sehr wichtig die Technologie und den Workflow von BIM mit zu entwickeln um so unseren Teams die Möglichkeit zu geben intelligentere und effizientere Gebäude zu bauen ohne, dass das kreative Schaffen darunter leidet.

Der Kongress in Frankfurt beginnt um 9.30 Uhr im Gesellschaftshaus Palmengarten. Organisiert von Graphisoft Deutschland, fragt die Veranstaltung, wie BIM die herkömmliche Planungspraxis verändert – und was das neue Tool konkret für die Büroorganisation bedeutet.

Näheres unter www.bim-information.com