Longuich, Winzerhäuschen

Sabine und Markus Longen waren von Matteo Thuns Architektur angetan. Warum also den Meister nicht für das eigene Projekt engagieren? Eine Mail in Richtung Süden legte den Grundstein für die unkonventionellen Gästehäuser.

Das Gebiet rund um die Mosel ist bei Weinliebhabern hinreichend für seine edlen Tropfen bekannt. Doch wo findet der architekturaffine Gast, der bei seinem Feriendomizil die Qualität genauso schätzt wie bei Speis und Trank, die passende Unterkunft? Seit diesem Frühjahr kann er die Winzerhäuschen im nur 1.300 Einwohner zählenden Longuich ansteuern, die Matteo Thun und die Architekten Stein Hemmes Wirtz mit ihren Teams und in guter Zusammenarbeit mit den Bauherren geplant haben. Klare Linien, heimische Materialien und eine schlichte Gestaltung mit nur wenigen, aber gezielt eingesetzten farbigen Elementen sorgen dafür, dass man sich hier vom ersten Moment an zuhause fühlt. Dazu trägt auch das Konzept der insgesamt 20 Gästezimmer bei: Sie wurden nicht in einem mehrgeschossigen Gebäude angeordnet, sondern zum Großteil als einzelstehende Häuschen mit einem großen Wohn-Schlafraum, einem kleinen Badezimmer und sogar einem kleinen Garten vor der Haustür, in dem sich Rosen, Wildblumen, Kräuter, Obstbäumchen und Beerensträucher finden. Von dort betritt der Gast durch eine große Fenstertür sein Domizil. Das breite Doppelbett bildet das Zentrum des Raums und wird ergänzt von einem Schreibtisch, einem bequemen Stuhl und einem Sessel, der zum Erholen und Ausruhen einlädt. Der weiße Anstrich der Wände und der Decke sowie das Hellbraun des Eichenholzes sorgen für eine ruhige Atmosphäre, die – dank weniger Details – nicht kühl wirkt. So liegt eine rote, gestrickte Wolldecke lässig über dem Bett, und gestreifte Kopfkissenbezüge und ein roter Stuhl setzen farbige Akzente. Das einzige Manko in den kleinen Häusern ist schallschutztechnischer Natur. Denn die gläserne Badezimmertür ist nicht dicht genug. An dieser Stelle wäre es sinnvoller gewesen, die Ästhetik der Funktion unterzuordnen. Von draußen dringt dagegen kein störendes Geräusch ins Innere. Der Schallschutz der gut gedämmten, in Holzrahmenbau erstellten Wände und der Dreifachverglasung ist hervorragend. Entspannung pur ist garantiert.

Ergänzend zu den Gästezimmern entstand ein neues Verwaltungsgebäude, das neben den Büros den hellen Frühstücksraum beherbergt. Dort servieren die Mitarbeiter der Longens den Gästen ein kleines, aber feines Buffet – unter anderem mit selbstgemachten Marmeladen. Wer am Morgen bereits Süßes mag, sollte auf alle Fälle davon probieren. Sie sind einfach köstlich. Nicht weniger schmackhaft sind die Speisen und Getränke, die in der ebenfalls zum Weingut gehörenden Vineria/Vinothek vom Mittag bis in die Nacht hinein serviert werden. Deftige Hausmannskost wird durch eine saisonale Karte ergänzt, der Chef persönlich empfiehlt dazu den passenden Wein. Bei der großen Auswahl, die den Gästen hier geboten wird, verlasse ich mich gerne auf diesen Rat. Und der ist ebenso gut wie alles andere im Weinkulturgut Longen-Schlöder.

Adresse:

WeinKulturgut
Longen-Schlöder
Kirchenweg 9
54340 Longuich
www.longen-schloeder.de