Inspiration von der Straße

 

Theater, Kunstatelier und Gourmet-Bistro werden unter dem Dach des Hasard Ludique vereint. Das Gebäude stammt von 1889 und liegt am historischen Bahnhof St-Ouen im 18. Bezirk von Paris. In seiner Geschichte beherbergte der Bau diverse Nutzungen: Kino, Ein-Euro-Shop – bis hin zum heutigen Kulturzentrum.

2016 fiel die Entscheidung, das Interieur neu zu gestalten. Für den Entwurf wurden die beiden Büros Barreau Charbonnet und Appelle Moi Papa aus Nantes beauftragt.

Einzelstücke aus Pinienholz

Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit mit den Anwohnern und ehrenamtlichen Arbeitern – den sogenannten „les bâtisseurs“. Diese ließen sich von der Straße inspirieren: So wurden Formen, Mustern, Materialien, Farben und Typographien des 17. und 18. Bezirk aufgegriffen und in das Interieur übersetzt.

Damit ist auch der Name des Kulturzentrums Programm: Hasard und Ludique stehen für zufällig und verspielt. Dies kommt besonders im Obergeschoss zur Geltung: Die Stühle wurden aus Katalogstühlen, Schrott und Konstruktionsmaterial zusammengefügt. So entstanden verschiedene Formen, Oberflächen, Muster, Farben.

Da alle Möbel aus Pinienholz gefertigt sind, handelt es sich mit der starken Maserung des Materials bei jedem Objekt um ein Einzelstück. Tom Douriaux, Mitbegründer von Appelle Moi Papa, erklärt: „Wir ließen uns von der Dynamik der Gemeinschaft tragen und fügten unsere Erfahrungen hinzu.“

Verschiedene Nutzungen

Die Räume des Kulturzentrums werden Tag und Nacht genutzt, häufig entstehen dadurch verschiedene Anforderungen. Daher sollte das Interieur möglichst wandelbar sein – und sich vom Restaurant in eine Konzerthalle verwandeln können oder vom Bistrot in eine Ladentheke.

Nicolas Barreau, einer der beiden Gründer von Barreau and Charbonnet, fügt hinzu: „Wir mussten uns verschiedenen Problemen stellen, beispielsweise an Mitarbeiter und Besucher jeden Alters denken. Alle Faktoren wurden in den Entwurf mit einbezogen: das Gewicht der Tische und Stühle, das Ambiente und das Licht.“

Restaurant Hasard Ludique

Das Restaurant hat sechs Meter hohe Decken und wird von einem Glasdach überspannt. Hier war es nötig, auf die Dimensionen des Raums zu reagieren. Mit kleinen Tischen für jeweils zwei Personen entsteht ein menschlicher Maßstab – und das Gefühl, wie in einem Speisewagen eines historischen Zug zu speisen.