Johnstonmarklee

Das Architektenpaar Sharon Johnston und Mark Lee sind die Gründer und Inhaber von Johnstonmarklee. Von Los Angeles aus arbeiten sie an Projekten auf vier Kontinenten. Wir besuchten die beiden in Westwood und sprachen über ihre Entwurfsstrategien, Los Angeles und die Mythen Kaliforniens.

Um zum Büro von Sharon Johnston und Mark Lee zu gelangen, nimmt man die Ausfahrt 55A/Santa Monica Boulevard. In dem kleinen Gewerbegebiet in der Nähe des mondänen Bezirks Westwood befindet sich ein unscheinbarer zweigeschossiger Flachbau. Im ersten Stock wird man freundlich empfangen – offene Arbeitsbereiche strahlen hier eine Atmosphäre informeller Betriebsamkeit aus. Man ist aber noch nicht im Herzstück des Büros angekommen, sondern erst wenn man die Tür zur Modellbauwerkstatt passiert hat: Diesen zweigeschossigen Raum betritt man von oben über eine Galerie, von wo sich das Schneiden und Kleben hervorragend beobachten lässt. Die unzähligen abstrakten weißen Modelle jeden Maßstabs offenbaren viel über die Arbeitsweise des Büros.

Alternative Tradition

Kennengelernt haben sich Sharon Johnston und Mark Lee während ihres Studiums in Harvard. Anschließend verbrachten sie einige Zeit in Zürich und gründeten 1998 dann ihr Büro in Los Angeles. Seitdem erregen ihre ungewöhnlichen Einfamilienhäuser, Pavillons und Ausstellungen international Aufsehen. 2012 setzten sie sich beim Wettbewerb für den Erweiterungsbau der renommierten „Menil Collection“ gegen David Chipperfield und Sanaa durch. In ihren Entwürfen wird nichts dem Zufall überlassen, jedes Volumen, jede Öffnung und Abschrägung wird präzise ausformuliert und genau platziert. Daraus entstehen Gebäude, die wie architektonische Edelsteine wirken. Sharon und Mark suchen dabei das Angemessene. Sie heben lieber vorhandene Stärken hervor, anstatt mit ihnen zu konkurrieren. „In Los Angeles gibt es so viele Qualitäten“, betont Sharon. „Etwa das Licht oder den Ausblick in die Natur. Wir investieren bei unseren Entwürfen lieber in Raum, Konstruktion und Proportionierung. Eine materielle Überartikulierung des Inneren oder Äußeren würde uns in diesem Kontext maßlos erscheinen.“ Mark ergänzt: „Dabei beziehen wir uns auf eine alternative kalifornische Tradition wie etwa die Bauten von Richard Neutra oder die spanische Kolonialarchitektur, bei denen das Sonnenlicht auf massive nackte Wände fällt.“

Mehr dazu finden Sie im Baumeister 11/2015