Cleveres Lernhaus

Mit ihrer dreizügigen Grundschule samt Tagesheim und Sporthalle am Münchner Arnulfpark hat das Büro HOT Architekten ein vorbildliches Gebäude geschaffen – sowohl mit dem Gebäude selbst als auch mit dem „Lernhaus-Prinzip“. 

„Herzlichen Glückwunsch zum ersten Preis. Aber Sie bekommen den Auftrag nur, wenn Sie die Kennwerte der Stadt München einhalten“, hieß es von Seiten der Stadt, als die Architekten Thomas Hess, Johannes Talhof und Fedor Kusmierz von der Entscheidung im Wettbewerb für die Schule am Arnulfpark erfuhren.

„Das haben wir geschafft“, meint Johannes Talhof. Überzeugen konnte ihr Entwurf unter anderem, weil die Architekten das sogenannte „Lernhaus“-Konzept für den Neubau vorschlugen und dieses in die Architektur übersetzt haben: Schulklassen und Tagesbetreuungen bilden räumliche Cluster. Die vier Lernhaus-Gruppen gleichen vier ablesbaren „Häusern“, wie Talhof die Kuben nennt, die sich über der Erdgeschosszone befinden. Abgeknickt zum länglichen Schulhaus und ablesbar als „Kopf“ tanzt der Verwaltungstrakt an der Ecke Helmholtz-/Marlene-Dietrich-Straße ein wenig aus der Reihe.

Der Sichtbeton mit Holzschalung, die ergänzenden, warm wirkenden Lärchenholz-Oberflächen und die leuchtend grünen Farbflächen hier und da versprechen schon auf den ersten Blick eine freundliche Atmosphäre zum Lernen. Und noch wichtiger – der Bau funktioniert auf simple Art: Im Erdgeschoss befinden sich Gemeinschaftsräume wie die Pausenhalle, ein Musiksaal, daran anschließend der Pausenhof und im Obergeschoss die Räume der Lernhäuser. Dorthin gelangt man über großzügige Treppen, die mit ihren breiten Podesten alle auch zum Sitzen einladen.

Oben angekommen gibt es jeweils fünf Klassen- oder Tagesheimräume mit eigenem Toilettenkern, an den auch die Treppe angedockt ist. Der Flur dient gleichzeitig als Garderobe und Ablagefläche für Schultaschen. Das ist brandschutztechnisch kein Problem, da es schon zwei Fluchtwege gibt: einen über die Lernhaus-Terrasse, den anderen über die Terrasse des Nachbarhauses. Alle Lernhäuser und die Verwaltung sind über einen Laubengang an der Straßenseite im Süden miteinander verbunden. „Weil das Fluchtkonzept gelöst war, konnten wir mit den Fluren frei arbeiten,“ meint Talhof.

Auch das Konzept ist simpel und nachvollziehbar: Gemeinschaftliche und individuelle Räume werden zwei verschiedenen Geschossen zugeordnet. Daraus entstand jedoch das Problem, dass im Erdgeschoss weniger Fläche benötigt wurde als in den Lernhäusern. Gelöst wurde dies, indem unterhalb der Klassen- und Tagesheimräume die (geforderte) fünfzig Meter lange Laufbahn untergebracht wurde.

Für den Tartanbelag wählten die Architekten die Farbe Grün, die sich in den Holzwolleplatten an der Deckenunterseite wiederholt. Die Farbwahl führt nachweislich dazu, dass die visuell mit der Laufbahn verbundene Sporthalle, die ins Untergeschoss abgesenkt ist, mehr Licht erhält – und hilft Schülern und Lehrern, einen besseren Überblick zu bekommen. Das ist neben dem Lernhaus-Konzept der gelungenste Teil der Schule: Man verliert nie die Orientierung.

Nach der Erfolg der Grundschule durften Hess, Talhof und Kusmierz weitere Machbarkeitsstudien für Schulen durchführen. Einen Bau zu verwirklichen, der aus einem Wettbewerb hervorgeht, meint Talhof, habe einen entscheidenden Vorteil: „Beim Wettbewerb geht man viel freier an den Entwurf. Bei der Schule am Arnulfpark haben wir viele Richtlinien zu Beginn nicht eingehalten, konnten uns aber immer auf den Wettbewerb berufen – schließlich haben wir ihn ja gewonnen.“ Kein Wunder, dass HOT Architekten weiter fleißig an Wettbewerben teilnehmen – wir sind gespannt auf das nächste gelungene Beispiel.

„Vom leichten Leben als junger Architekt“ – mehr über HOT Architekten und andere Newcomer im Baumeister 10/2014

Fotos: Florian Holzherr, PK Odessa