Hoi An, Atlas Hotel

 

Das Zentral-Vietnamesische Städtchen Hoi An 
ist für seine Schneider-Künste und Unesco-Altstadt 
bekannt. Die Ernennung zum Kulturerbe Ende 
der 90er brachte die Touristenmassen – und löste 
einen Bauboom aus.

In Vietnam berechnete sich die Grundstück-Steuer seit der Lê-Dynastie 
anhand der Fassadenbreite. Diese Regelung wurde etabliert, um möglichst viele Geschäfte aneinander zu reihen – und brachte die Typologie extrem schmaler und langgezogener „Tube Houses“ hervor. Durch die aufgebrochene Struktur aus Innenhöfen entstand eine natürliche Belichtung und Belüftung mit akustisch von der Straße entkoppelten Privaträumen.

 

 

Hotels bilden in diesem städtebaulichen Sardinen-Prinzip eine Ausnahme: Investoren kaufen die kleinen Grundstückseinheiten auf, um in größerem Maßstab zu bauen. Dazu gehört auch das Atlas-Hotel in Hoi An – einer Unesco-Stadt mit 75.000-Einwohnern in Zentral-Vietnam. Das Hotel liegt fußläufig zur gut erhaltenen und herausgeputzten Altstadt (und von den bekannten Schneidern der Stadt, die spottbillige Abendgarderoben herstellen). Städtebaulich handelt es sich um einen historischen, dichten Häuserblock mit Ziegeldächern und den dazugehörigen Innenhöfen.

Das Grundstück ist ein verrissenes Stück Restland – auf welches die in Hanoi und Ho Chi Minh Stadt (Saigon) ansässigen Architekten von Vo Trong Nghia Architects (VNT) mit einer ruhigen Geste reagierten. Sie platzierten vier verwinkelt zueinander gestellte Riegel, welche die Restflächen des Grundstücks in Anlehnung an das traditionelle Bauen als Innenhöfe nutzen. Im Maßstab folgt der Bau mit seinen fünf Geschossen den vietnamesischen Hotelbau-Prinzipien und überragt den Bestand um das Doppelte. Durch die Volumetrie ergeben sich Ausblicke in alle Himmelsrichtungen – über Wohnhäuser, Tempel, Berge. Allerdings sorgt die Struktur auch für Orientierungslosigkeit im Gebäude, sodass man sich zwischen Speisesaal und Lobby verlieren kann.
Insgesamt punktet der Bau durch seinen roten Faden an Materialien: Konstruktive Elemente bestehen aus lokalem Sandstein und Sichtbeton – kontrastiert von Bambusstielen und Kletterpflanzen, die als Sichtschutz dienen. 
So auch in den Hotelzimmern: Der Balkon bildet durch die zwei Schichten Grün einen kühlen und blickdichten Rückzugsraum. Die Dusche ist dem 
Außenraum direkt angeschlossen: Türe auf – (blickgeschützte) Regenwald-Dusche. Die Zimmer sind mit dunklen Holzmöbeln ausgestattet, das Kingsize-Bett ist bequem und nach asiatischem Standard mit verschieden gefütterten Kissen bestückt – architektonisch ist der Raum allerdings nichts besonderes und um die Füße vor dem kalten Fliesen-Boden zu schützen helfen nur 
XL-Flipflops des Standard-Equipments.

Das Frühstück ist international und vietnamesisch. Am Buffet finden sich Litchi, Passionsfruchtmarmelade, vietnamesisch-französisches Baguette, englische Vorlieben sowie Pho (Suppe). Der Speisesaal richtet sich zum großen Innenhof mit Pool aus, welcher um sieben Uhr seine Chlor-Tore öffnet. Nichts für Schwimmer: Das Becken erlaubt nur wenige Schwimmzüge. Es muss schließlich noch ein Platz für die Cocktail-Happy-Hour zur Verfügung stehen.

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Adresse

30 Đào Duy Từ, Cẩm Phô
Tp. Hội An, Quảng Nam
Vietnam