Höchste Gebäude Deutschlands · Top 10

Wir stellen Ihnen die zehn höchsten Gebäude Deutschlands vor, verraten Ihnen, welche Bauten im vergangenen Jahr neu hinzugekommen sind und erklären Ihnen ihre Besonderheiten.

Es tut sich was in den höchsten Sphären: In den letzten Monaten hat die Top Ten der höchsten Häuser Deutschlands zwei Neuzugänge zu verzeichnen. Der Omniturm des dänischen Architekturbüros BIG und der Grand Tower von Magnus Kaminiarz & Cie stoßen in die High Society vor. Und noch etwas ist neu: Wurden die deutschen Hochhäuser bislang ausschließlich als Büro genutzt, ziehen nun auch Wohnungen in die höchsten Türme Deutschlands ein. Der knapp 190 Meter hohe Omniturm ist als Mixed-Used-Tower konzipiert und will verschiedenen Nutzungsarten kombinieren.

Neben Büros und Wohnungen finden sich auch Gastronomie und Servicedienstleister in dem Gebäude. Der Grand Tower ist dagegen Deutschlands mit Abstand höchstes Wohnhochhaus. Es ist eine bemerkenswerte Entwicklung, dass Immobilienentwickler nun auch hierzulande die Möglichkeit sehen, mit Luxuswohnungen einen Wolkenkratzer von 180 Meter Höhe zu finanzieren. Wenig überraschend ist dagegen der Standort der beiden Neubauten. Wie auch die übrigen acht höchsten Gebäude in Deutschland stehen sie in Frankfurt am Main.

Frankfurt Skyline
Vorsicht Spoiler: Die zehn höchsten Häuser Deutschlands prägen die Frankfurter Skyline. Foto: MAR­CO VERCH / FLICKR

 

Voraussichtlich nächstes Jahr werden sich Opern Tower und Taunusturm, die sich zurzeit den zehnten Platz teilen, aus den Top Ten verabschieden müssen. Dann wird das „One“ mit seinen 190 Metern fertiggestellt fertiggestellt sein und auf Platz sechs der Rangliste vorstoßen. Und mit dem höchsten der vier Hochhäuser des Projektes „Four Frankfurt“, entworfen von UNStudio, ist bereits Deutschlands zukünftige Nummer Drei mit 228 Metern Höhe im Werden. Alles was außerhalb der Mainmetropole be- oder entsteht ist deutlich niedriger.

Höchstes Haus außerhalb Frankfurts ist der Post Tower in Bonn, mit 162,5 Metern Höhe derzeit die Nummer 13 im Land. Das 2019 begonnene Alexanderhochhaus, ein von Ortner & Ortner entworfener Apartmentturm, wird mit seinen 150 Metern aber bei seiner Fertigstellung im Jahr 2023 zwar das höchste Haus Berlins sein, aber zu diesem Zeitpunkt vermutlich nicht mal mehr in den nationalen Top 20 rangieren.

 

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Von außen nicht sichtbar: Im Innern des Hochhauses befinden sich stockwerküberspannende Wintergärten, weshalb der Commerzbank-Tower 1997 wegweisend in puncto grüner Technologie und fortschrittlichen Arbeitsplatzgestaltung war. Foto: Commerzbank AG

Platz 1: Commerzbank-Tower (259 Meter)

Erinnerung an bessere Zeiten des krisengeschüttelten Finanzhauses: Als Normen Foster das Hochhaus mit seinem dreieckigen Grundriss und seinen stockwerküberspannenden Wintergärten 1997 fertigstellte, galt es als wegweisend in puncto grüner Technologie und fortschrittlichen Arbeitsplatzgestaltung. Wenig fortschrittlich kapselte sich der Bau dagegen fast vollständig von seiner Umgebung in der Frankfurter Innenstadt ab und lässt ihn bis heute als Fremdkörper im Stadtraum erscheinen. Wie ganz Frankfurt ist der Tower übrigens zum Nutznießer des Brexits geworden: Seit dem Austritt der Briten aus der EU ist der Bau wieder der höchste innerhalb des Territoriums der Staatengemeinschaft.

 

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In seiner Silhouette erinnert der Messeturm an die klassischen New Yorker Skyscraper der Zwanziger- und Dreißigerjahre. Foto: Marco Verch / flickr

Platz 2: Messeturm (256,5 Meter)

Die wohl sichtbarste Hinterlassenschaft der Postmoderne in Frankfurt: Helmut Jahns Wolkenkratzer brachte 1990 ein Stück USA an den Main. In seiner Silhouette erinnert der Messeturm an die klassischen New Yorker Skyscraper der Zwanziger und Dreißigerjahre. Beim Näherkommen erkennt man Jahns Spiel mit geometrischen Grundformen: Ein Zylinder wächst aus einem Kubus heraus und wird von einer Pyramide bekrönt. Der rote Granit, mit dem der Bau verkleidet ist, greift die Farbe des roten Sandsteins auf, aus dem in die Frankfurter Altstadt in weiten Teilen errichtet wurde.

 

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Auffälligstes Merkmal des halbzylindrischen Westend Turms ist die Auskragung an der Spitze. Foto: DZ Bank
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Angeblich ist die Auskragung ein Verweis auf Frankfurts einstmalige Stellung als Krönungsort der deutschen Kaiser. Foto: DZ Bank

Platz 3: Westendstraße 1 (208 Meter)

Die amerikanische Architekturfirma Kohn Pedersen Fox, die seit den Achtzigerjahren Wolkenkratzer wie am Fließband baut, zeichnet für den Entwurf des Hochhauses Westendstraße 1 in Frankfurt verantwortlich. Auffälligstes Merkmal des halbzylindrischen Baus, der 1993 fertiggestellt wurde, ist seine Auskragung an der Spitze. Angeblich Verweis auf Frankfurts einstmalige Stellung als Krönungsort der deutschen Kaiser, fühlt man sich allerdings viel eher an den Strahlenkranz der Freiheitsstatue erinnert, so dass der Turm ein wenig wie der Botschafter des New Yorker Geschäftsgeists in der Skyline der Stadt wirkt.

 

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Der MAIN TOWER bildet seit seiner Fertigstellung im Jahr 1999 einen zentralen Blickfang der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil. Foto: Helaba
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Das Hochhaus erfreut sich bei Frankfurtern wie bei Touristen einiger Beliebtheit dank Aussichtsplattform, Aussichtsrestaurant und Skybar. Foto: Helaba

Platz 4: MAIN TOWER (200 Meter)

Der MAIN TOWER erfreut sich bei Frankfurtern wie bei Touristen einiger Beliebtheit. Er beherbergt nämlich eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform, sowie ein Aussichtsrestaurant und eine Skybar. Der von den Architekten Schweger + Partner entworfene Hochhaus bildet übrigens seit seiner Fertigstellung im Jahr 1999 einen zentralen Blickfang der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil, in deren direkter Verlängerung er liegt.

 

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Der Tower 185 ist erscheint nicht massig, denn sein Volumen ist durch einen markanten Rücksprung vertikal geteilt. Foto: Deka

Platz 4: Tower 185 (200 Meter)

Den vierten Platz teilt sich der MAIN TOWER mit dem 2011 fertiggestellten Tower 185. Architekt Christoph Mäckler griff bei seinem Entwurf ein zentrales Gestaltungselement seines zwei Jahre älteren Opernturms auf: Er teilte das Volumen des Hochhauses vertikal durch einen markanten Rücksprung und nimmt ihm dadurch viel von seiner Massigkeit. Allerdings ordnet er die beiden „Flügel“ seines Baus hier leicht angewinkelt zueinander an. Anders als beim Opernturm wurde beim Tower 185 auf eine Natursteinfassade verzichtet. Stattdessen ist der Bau mit einer bronzefarbenen Aluminiumfassade verkleidet, die schwarze Details auflockern.

 

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Das Konzept des Omniturms ist das des Hochhauses als vertikale Stadt: Neben Apartments sind Büros, Gastronomie, ein Fitnessstudio und ein Coworking Space untergebracht. Foto: Commerz Real AG
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In den eingeschobenen Etagen des Omniturms des dänischen Architekturbüros BIG sind die Stockwerke mit Wohnungen so gegeneinander gestellt, dass die „Überstände“ Balkone bilden. Foto: Commerz Real AG

Platz 6: Omniturm (189,9 Meter)

Das Konzept des Omniturms ist das des Hochhauses als vertikale Stadt, wie sie Rem Koolhaas in seinem Klassiker „Delirious New York“ beschrieben hat. Der Omniturm beherbergt nicht nur Büros, sondern dazwischen eingeschoben auch Etagen mit Wohnungen. Dort wo sich die Apartments befinden, verschieben die Architekten des dänischen Büros BIG die Stockwerke gegeneinander, so dass sie aus dem Kubus des Turmes hervorragen. Auf diesen „Überständen“ befinden sich Balkone, die zu den Wohnungen gehören. Im Sockel des Turmes sind unter anderem Gastronomie, ein Fitnessstudio und ein Coworking Space untergebracht, die Angebote für die Bewohner des Hauses bereitstellen. BIG sieht darin die Möglichkeit, kleine Wohnflächen zu kompensieren. Gleichzeitig soll dadurch das Frankfurter Bankenviertel an den Abenden und am Wochenende belebt werden. Ob das klappt wird sich zeigen, die ersten Mieter sind vor kurzem eingezogen.

 

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Trotz seiner Höhe von 186 Meter gehört das Trianon eher zu den grauen Mäusen unter Frankfurts Bürotürmen. Foto: Deutscher Pressestern © Public Star © Nina Stammel

Platz 7: Trianon (186 Meter)

Trotz seiner Höhe gehört das Trianon eher zu den grauen Mäusen unter Frankfurts Bürotürmen. Heute hat in dem 1993 fertiggestellten Bau, den ein Architektenkonsortium aus Novotny Mähner Assoziierte, HPP und Albert Speer & Partner entworfen hat, die Deka-Bank ihren Hauptsitz. Das Gebäude, das aus einem dreieckigen Kern mit drei ebenfalls dreieckigen Türmen an den Spitzen besteht und das von einer umgekehrten dreieckigen Pyramide bekrönt wird, wurde inzwischen diverse Male von einem Immobilienfond an den nächsten verkauft.

 

Platz 8: Hauptsitz der Europäischen Zentralbank (185 Meter)

Nicht wenige waren enttäuscht, als der Bau von Coop Himmelb(l)au, mit dessen Entwurf sie den hochkarätigen internationalen Wettbewerb gewonnen hatten, seine Glasfassade erhalten hatte. Waren die beiden gegeneinandergelehnten Türme und das dazwischenliegende Atrium noch als drei eigenständige Bauteile zu erkennen gewesen, wirkten sie nun trotz der unterschiedlichen Glasfarben, wie einziges gewaltiges, in sich verdrehtes Volumen. Dank seiner Einzelstellung östlich der Frankfurter Altstadt hat der nach einigen Schwierigkeiten 2014 vollendete Turm immerhin genug Platz um sich herum, um zu wirken. Ob man wirklich in die historische Bausubstanz der Großmarkhalle von Martin Elsaesser hätte so stark eingreifen müssen, um sie als Foyer des Hochhauses zu nutzen, sei dahingestellt.

 

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Frisch 2020 fertiggestellt: Deutschlands höchstes Wohnhochhaus mit über 400 Luxuswohnungen und nur einen Steinwurf vom Frankfurter Bahnhofsviertel entfernt. Foto: Epizentrum / Wikimedia Commons

Platz 9: Grand Tower (180 Meter)

Deutschlands höchstes Wohnhochhaus, dessen Bezug kurz bevor steht und das über 400 Luxuswohnungen aufnimmt, steht nur einen Steinwurf vom Frankfurter Bahnhofsviertel entfernt. Das mag schon noch schlechtere Zeiten erlebt haben, ist aber immer noch unübersehbar ein Zentrum von europäischem Rang in Bezug auf Drogenkonsum und -handel. Da ist vielleicht der Concierge im Foyer des Grand Towers keine schlechte Entscheidung. Wenn es die Bewohner nicht ins Bahnhofsviertel ziehen sollte, können sie alternativ ihre Besorgungen in der Skyline-Plaza erledigen, der ECE-Mall mit dem üblichen Einzelhandelsketten-Mix, die sich gleich neben dem Gebäude befindet. Ob das reicht, um die angepeilten Käufer aus Asien, Russland oder den USA zum Immobilienkauf für teilweise über 30.000 Euro pro Quadratmeter zu überreden, wird sich zeigen.

 

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Der Opernturm besticht nicht nur durch die elegante Zweiteilung, sein Sockelbau sorgt auch dafür, das der Frankfurter Opernplatz wieder eine klare städtebauliche Struktur erhielt. Der helle Naturstein, mit dem Turm und Sockelbau verkleidet wurden, stellt auch optisch die Verbindung zum Opernplatz und zur Alten Oper her. Foto: Opernplatz Property Holdings

Platz 10: Opernturm (170 Meter)

Fraglos eines der schönster Frankfurter Hochhäuser der letzten Jahrzehnte: Christoph Mäcklers Entwurf besticht nicht nur durch die elegante Zweiteilung, sein Sockelbau sorgt auch dafür, das der Frankfurter Opernplatz wieder eine klare städtebauliche Struktur erhielt. Das tröstet über den Verlust des Zürich-Hochhauses, einem der ersten Hochhäuser der Stadt, das zuvor an dieser Stelle stand, hinweg. Im Gegenzug für den Abriss und das Recht, höher zu bauen, verpflichtete sich der Investor, den angrenzenden Rothschildpark zu auf seinem Grund zu erweitern. Der helle Naturstein, mit dem Turm und Sockelbau verkleidet wurden, stellt die Verbindung zum Opernplatz und zur Alten Oper her.

 

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Der Taunusturm sind eigentlich Taunustürme: der 170 Meter hohe Büroturm und das 68 Meter hohe Wohnhochhaus. Zugleich ist er auch ein Kunstmuseum, denn im Erdgeschoss ist eine 1500 Quadratmeter große Ausstellungshalle des MMK. Foto: Reading Tom / flickr

Platz 10: Taunusturm (170 Meter)

Der Taunusturm sind eigentlich Taunustürme. Denn das 2014 fertiggestellte Projekt besteht aus dem 170 Meter hohe Büroturm und einem 68 Meter hohen Wohnhochhaus. Noch genauer ist der Office-Taunusturm kein monofunktionales Gebäude, denn er ist zugleich auch Kunstmuseum. Das Frankfurter Museum für moderne Kunst MMK bespielt im Erdgeschoss des Baus eine 1500 Quadratmeter große Ausstellungshalle als Dependance ihres Haupthauses in der Frankfurter Altstadt. Den Entwurf zu sowohl zum Wohn- als auch zum Bürohochhaus lieferte das Architekturbüro Gruber + Kleine-Kraneburg. Sie gliederten den Büroturm in zwei miteinander verbundene Quader, von denen einer mit einem auffälligen Schrägdach abschließt.