Hannes Meyer als Pädagoge

Hannes-Meyer-Bauhaus-Symposium
Während des Vortrages von Hannes Meyer am Moskauer Architekturinstitut WASI, im November 1930

 

Das Bauhaus-Symposium „Hannes Meyer als Pädagoge“ befasst sich mit der pädagogischen Konzeption und Praxis von Hannes Meyer als Lehrer und Direktor am Bauhaus Dessau. Diese hat er während seiner Lehrtätigkeit in den Jahren 1927 – 1930 entwickelt und später fortgeführt.

Hannes Meyer

Hannes Meyer hat die von Walter Gropius und den von ihm berufenen Meistern begründete Bauhauspädagogik (1919 – 1927/28) wesentlich verändert und neu konzipiert. Nicht nur, dass er die Architekturlehre im Auftrag von Gropius begründete und wissenschaftlichen Studien in den Entwurfsprozess einführte.

Ihm gelang in der Lehre, mit Studierenden Bauprojekte und industrielle Produktionen zu realisieren – dazu gehören die Laubenganghäuser, Haus Nolden sowie die Kandem-Leuchten und Rasch-Bauhaustapeten. Durch die Berufung neuer Lehrer begründete er die Städtebaulehre (Hilberseimer) und den Fotografieunterricht (Peterhans), durch Gastvorträge integrierte er wichtige neue Wissensgebiete in die Lehre ein.

Die dreitägige Tagung fokussiert drei Themenfelder:

1. Pädagogisches Konzept

Der erste Symposiums-Tag stellt die Pädagogik von Hannes Meyer ins Verhältnis mit der Architekturausbildung der 1920er Jahre und mit der Bauhauspädagogik der Ära Gropius (Gropius / Moholy-Nagy) und widmet sich den konzeptuellen Grundideen. Diese finden ihre Fortsetzung und Weiterentwicklung durch Meyers spätere Tätigkeit in Mexiko wie durch die Praxis der Hochschule für Gestaltung Ulm ab 1956. Ein Fokus wird auf den Praxisbezug in der Lehre geworfen wie auf der Frage, wie Hannes Meyer in Bildungsbauten (Mümliswill  / Bernau) seine pädagogischen Ideen räumlich umgesetzt hat.

2. (Neue) Lehrer am Bauhaus im Direktorat von Hannes Meyer

Seine pädagogische Konzeption setzte Hannes Meyer nicht zuletzt durch seine programmatische Auswahl des Lehrpersonals um, welche oft mit strukturellen Veränderungen einher ging. So wurde durch Zusammenlegung der Metallwerkstatt, der Tischlerei und der Wandmalerei die Ausbauwerkstatt geschaffen, die Fotografiewerkstatt neu gegründet und eine Städtebaulehre eingeführt.

Mit Gunta Stölzl wurde eine Frau als Meisterin berufen. Durch Gastdozenten und -vorträge wurde das Lehrangebot erweitert und programmatisch geschärft. Am zweiten Symposiumstag wird eine Auswahl der für die Ära Hannes Meyer wichtigsten Lehrpersönlichkeiten vorgestellt und ihre konzeptuellen Haltungen, theoretischen Positionen und entwurflichen Methodiken erörtert, in denen sich die Neuausrichtung der Bauhauslehre manifestiert.

3. Bauhausschüler der Ära Hannes Meyer

Am Beispiel der Architekturlehre unter Hannes Meyer wird der Wirkung seiner Pädagogik auf die nächste Gestaltergeneration nachgegangen. Relevant hierbei ist, dass die Studierenden aufgrund der politischen Umbrüche in unterschiedlichsten gesellschaftlichen Konstellationen tätig wurden, sei es in der stalinistisch geprägten Sowjetunion, in Deutschland unter dem Nationalsozialismus und in der Ära des kalten Krieges, nach der Staatsgründung Israel, in Westeuropa oder Südamerika. Kritisch zu Fragen ist, ob Einflüsse des Bauhauses  –  unter anderem unter Meyer  –  die Position der Bauhausschüler wirklich wesentlich mitgeprägt haben und wie diese angeeignet und fortentwickelt wurden.

Die Tagung findet vom 15. bis 17. März 2018 statt. Weitere Informationen finden Sie unter www.uni-kassel.de. Die Pdf mit Programm zum Download finden Sie hier: www.uni-kassel.de/programm.

Programm des Bauhaus-Symposium

15. März 2018  Pädagogische Konzeption

Begrüßung
10:00: Philipp Oswalt: Begrüßung und Einführung

Pädagogik im Kontext 
10:30: Dara Kiese: Ganzheitliche Bildung in Hannes Meyer’s Bauhaus: 1927– 1930
11:00: Anthony Fontenot: Der Kampf ums Bauhaus Design: Hannes Meyer versus László Moholy-Nagy
11:30: Peter Bernhard: Meyers Programm der Gastvorträge
12:00: Julia Witt: Architektur oder Baukunst? – Zum Profil der Architekturklassen an den deutschen Kunstakademien in den 1920er Jahren
12:30: Diskussion  (Moderation: Thomas Will)

Pädagogik nach dem Bauhaus 
14:30: Raquel Franklin: Das Institut für Planung und Städtebau: Hannes Meyers fehlgeschlagener Bildungsversuch im mexikanischen Milieu
15:00: Simone Hain: Die Neugründung von Gestaltungsausbildung in Ostdeuschland nach 1945
15:30: Gui Bonsiepe: Konvergenzen / Divergenzen – Hannes Meyer und die hfg ulm
16:00: Diskussion  (Moderation: Philipp Oswalt)

Pädagogische Praktiken 
17:30: Anne Stengel: Baupraxis als Lehre: Planung und Bau der Laubenganghäuser 1929 / 1930
18:00: Andreas Vass: Kinderheim Mümliswill / Bundesschule Bernau – Die Pädagogik in der Architektur Hannes Meyers
18:30: Sibylle Hoiman: Hannes Meyer als Lehrer am Bauhaus aus der Schülerperspektive
19:00: Diskussion (Moderation: Andreas Schwarting)

16. März 2018  (Neue) Lehrer am Bauhaus im Direktorat Hannes Meyer

Architektur und Raum
09:30: Anna Stuhlpfarrer: Anton Brenner
10:00: Espen Johnsen: Inspiration, Kritik und Bewunderung. Edvard Heiberg, Bauhaus und Hannes Meyer‘s Neuorientierung
10:30: Werner Möller: Entwerfen für die Volkswohnung – Die Bauhausproduktion unter Hannes Meyer, 1927 – 1930
11:00: Friederike Zimmermann: Mensch im Raum – Ganzheit aus divergenter Sicht: Oskar Schlemmer und Hannes Meyer
11:30: Diskussion (Moderation: Andreas Schwarting)

Werkstätten
13:30: Brenda Danilowitz: Eine neue Richtung: Die Rolle Josef Albers‘ in den Bauhaus Werkstätten 1928 – 1930
14:00: Ingrid Radewaldt: Eine Frau als Meister – Gunta Stölzl und die Bauhausweberei
14:30: Rainer K. Wick: Walter Peterhans, seine Fotoästhetik und sein Fotounterricht am B.
15:00: Ute Brüning: Joost Schmidt: Bildstatistik und Reklame
16:00: Diskussion  (Werner Möller und Philipp Oswalt)

Städtebau und Theorie 
17:00: Philipp Oswalt: Ludwig Hilberseimer (Städtebau)
17:30: Gregory Grämiger: Landwirtschaft und Siedlungsbau: Zur Lehre Konrad von Meyenburgs am Bauhaus
18:00: Martin Kipp: Arbeitspsychologe und Arbeitspädagoge Johannes Riedel
18:30: Simone Hain: Karel Teige (Gastdozent Theorie)
19:00: Diskussion (Moderation: Thomas Will)

17. März 2018 Bauhaus-Schüler der Ära Hannes Meyer

Sozialistische Internationale 
09:30: Tatiana Efrussi: Bauhauserfahrung nicht anwendbar
10:00: Daniel Talesnik: Tibor Weiner: von der Sowjetunion nach Südamerika
10:30: Zvi Efrat: Sachlichkeit zum Brutalismus: Sharon übertreibt Meyer in Israel
11:00: Diskussion (Moderation: Andreas Schwarting)

DDR 
13:00: Norbert Korrek: Konrad Püschel – Hochschule für Architektur- und Bauwesen Weimar
13:30: Folke Dietzsch: Reinhold Rossig – Von der KPD zur Bauakademie der DDR
14:00: Jens-Uwe Fischer: Franz Ehrlich
14:30: Diskussion (Moderation: Thomas Flierl)

Westeuropa
16:00: Adina Seeger: Fritz Ertl – Baumeister in Auschwitz
16:30: Sebastian Holzhausen: Architektur als gesellschaftlicher Akt. Hans Fischlis Kinderdorf Pestalozzi in Trogen, 1946 – 1948
17:00: Hanneke Oosterhof: Lotte Stam-Beese: Vom Bauhaus zur Stadtplanung in Rotterdam
17:30: Diskussion  (Moderation: Philipp Oswalt)

Heute
19:00: Gregor Harbusch: Ludwig Leo – ein virtueller Schüler?