Grün bleibt die Trendfarbe

In Großstädten wie Paris pulsiert das Leben. Menschen, Zweiräder und Autos ziehen karawanengleich durch die engen Straßen, umringt von den klassischen Gebäuden im Haussmann-Stil. Ein umherschweifender Blick zeigt viel Dynamik und Energie, aber auch viel Grau und wenig Grün – für die Natur scheint es keinen Raum mehr zu geben. Arte beweist in der Wissenssendung Xenius „Mehr Grün in der Stadt“ das Gegenteil: Urbanität und Natur müssen sich durchaus nicht widersprechen.

Vertikaler Garten auf dem Dach der Galerie Lafayette in Paris
Vertikaler Garten auf dem Dach der Galerie Lafayette in Paris (© Labo M, Bild: Sendeanstalt/Copyright)

Es erscheint zunächst wie ein Dilemma: Mehr Grün muss her, aber in den Städten sind Plätze für Naturparks rar. Deswegen müssen Städte und Stadtplaner sprichwörtlich über sich hinauswachsen und sich auf ihre Dächer fokussieren. Auch in der Arte-Sendung dominiert das Thema der Dachbegrünung. Dieses Konzept ist per se keine Neuheit mehr, hat sich allerdings im Laufe der Zeit in unterschiedlichen Projekten immer wieder neu entwickelt und ausgereift.

Es bleibt Luft nach oben

Mehand Meziani, ein Pariser Stadtplaner, konstatiert in der Arte-Folge, dass in Paris bereits über 44 Hektar an begrünten Dächern existieren. Allerdings sei da noch Luft nach oben: Nach einer Studie könnten es insgesamt sogar 80 Hektar werden. Dabei handelt es sich um freie Flachdächer, die das Gewicht von Rasen und Erde auch aushalten. Ein herkömmliches Dach kann in der Regel nur 80 Kilogramm pro Quadratmeter tragen – allein ein bisschen Rasen samt 30 Zentimetern Bodenschicht wiegen pro Quadratmeter allerdings bereits 300 Kilogramm. Deshalb ist die reine Dachbegrünung nicht die einzige Lösung.

Seit einiger Zeit ist auch das Vertical Gardening vermehrt im Gespräch. Die vertikale Begrünung besitzt nicht nur einen ästhetischen Aspekt, weil sie wie ein großes sattgrünes Fassadengemälde anmutet, sie führt auch zur Klimaverbesserung und Luftbereinigung, indem Feinstaub auf der rauen Blattoberseite hängen bleibt und vom nächsten Regen in den Boden gespült wird. Der Guru der Pflanzenwand-Kunst Patrick Blanc verwandelt über 20 Jahren Hauswände in Grünzonen und Beete.

Beeren und Kräuter über den Dächern Paris

Eine Kombination aus horizontaler und vertikaler Begrünung findet sich auf einem der höchsten Dächer Paris: der Galerie Lafayette, im 9. Arrondissement. Dort gibt es einen landwirtschaftlichen Gemüsegarten, der keine Zier-, sondern Nutzpflanzen beherbergt. „Auf 500 Quadratmetern wachsen 18.000 Pflanzen, insgesamt 150 Arten: von Erdbeeren und Himbeeren über essbare Blumen bis hin zu Kräutern“, sagt Yohan Hubert, Biologe, Vertical Farmer und Initiator des Gartens. Hubert und seine Kollegen verwenden für den Pflanzenanbau keine Erde, sondern ein Gemenge aus Hanffasern und Schafswolle, wodurch die Beete leichter sind. Mit einer Kletterausrüstung ausgestattet, ist die Thymianernte über den Dächern von Paris plötzlich ein reales Erlebnis.

Hamburg folgt dem grünen Trend

Auch in Deutschland gibt es großflächige Dachbegrünungen: In Hamburg soll auf dem 39 Meter hohen Flakbunker ein 8.000 Quadratmeter großer und öffentlicher Stadtgarten entstehen. Eine Bürgerinitiative aus dem Stadtteil St. Pauli war Ideengeber. Die Bürger wollen die Tristesse des grauen Bunkers durch einen lebendigen, grünen Anstrich mildern. Im Sommer 2016 hat die Stadt Hamburg das Projekt endgültig bewilligt. Allerdings stößt das grüne Vorhaben nicht nur auf Wohlwollen: Denkmalschützer argumentieren, dass der Bunker nur in seiner ursprünglichen Form als Mahnmal wirke.

Generell zählt Hamburg zu den ersten Städten Deutschlands, die begrünte Dächer finanziell fördern. Nach Angaben der Stadtplanungsbehörde Hamburg sind erst ein Prozent von den 65 Quadratkilometern an vorhandener Dachfläche begrünt. Es bleibt abzuwarten, welche spannenden Ideen und Projekte in den Städten Deutschlands, Europas und der Welt folgen werden, durch die der urbane Raum im grünen Gewand erscheint.

Hier geht es zur Arte-Sendung.