Glasgow, Hotel CitizenM

Das Hotel CitizenM beweist Bürgernähe und Nerd-Tauglichkeit. Die Architekten des Büros Concrete haben ein Hotelkonzept für den jungen Vielreisenden – den „Citizen Mobile“ – in Amsterdam mit entwickelt. Es ist inzwischen so erfolgreich, dass eine Dependance in Glasgow entstanden ist und im nächsten Jahr Häuser in London, Paris, New York und Mailand eröffnet werden. Das Geheimnis: Hier wird Wert auf Design, eine zentrale Lage und vor allem einen niedrigen Preis gelegt.

In Schottland kann man allzu leicht Pech haben mit seiner Hotelzimmerwahl. Muffige Kammern, durchgelegene Matratzen, abgenutzte Möbel, alles überzogen von einem altrosa Blümchenmuster – der Gast ärgert sich, weil es viel kostet. Deshalb ragt das CitizenM meilenweit aus der schottischen Hotellandschaft heraus, denn es ist gut gestaltet und preiswert. Dabei sind die Zimmer im CitizenM geradezu winzig. Die 14 Quadratmeter in Weiß und Chrom erinnern jedoch angenehm an eine Kabine auf einem Kreuzfahrtschiff. Der schlauchartige Raum wird beherrscht von einem gewaltigen Bett an seinem Ende, das die ganze Breite einnimmt. Es ist tischhoch, und darunter finden Schubladen für Koffer und Schuhe Platz. Es wird umfasst von einer bequemen weißen Kunstlederlehne, die bis zur Fensterscheibe reicht, so dass man bäuchlings vom Bett auf die Straße hinunterschauen kann.

Hier befindet sich auch die elektronische Schaltzentrale dieser Kajüte. Weniger computeraffinen Gästen wird geraten, sich erst einmal mit allen Funktionen der Fernbedienung für den großen Flachbildschirm zu befassen, denn sie kann alles: Fernseh- und Musikprogramme wählen, eine romantische Lichtstimmung in Rot zaubern, die Jalousie herunterlassen, heizen, kühlen und den Weckdienst übernehmen. Ganz nebenbei werden die bevorzugte Musik, Lichtstimmung und Raumtem-peratur gespeichert und beim nächsten Besuch in einem CitizenM-Hotel automatisch wieder eingestellt. Dusche (im Hoteljargon „power rain shower“) und WC sind auf der restlichen Fläche in einer Milchglaskabine zusammengefasst. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist das Waschbecken im „Flur“. Trotzdem ist genug Platz für einen schmalen Schreibtisch mit Hocker und einen Sessel. Warum so günstig? Gespart wird beim Personal. Nur vier oder fünf Mitarbeiter wer-den im ganzen Haus gebraucht: Sie helfen den Gästen beim Selberein- und aus-checken an den Bildschirmen und bedienen an der (Frühstücks)Bar; die Reservierung läuft über die Zentrale in Amsterdam. Gespart wurde auch beim Bauen: Die Architekten des niederländischen Büros Concrete, die das Hotelkonzept mit entwickelt haben, ließen die 190 identischen Zimmer komplett vorfertigen und in ein Stahlbetongerüst einhängen.

Weil die Zimmer so klein sind, gibt eine geräumige Lobby-Bar-Lounge mitsamt abgetrenntem Arbeitsbereich, die einem großzügigen Wohnzimmer gleicht. Hier halten sich viele Gäste auf und leisten sich beim einsamen Surfen, Chatten und Smsen Gesellschaft. Zugegeben, die Lobby wirkt auf den zweiten Blick ein wenig wie ein Vitra-Showroom – das Möbelunternehmen ist der offizielle Ausstatter der Hotelkette –, aber das ist ja nicht das Schlechteste. Das Geheimnis: Hier wird Wert auf Design, eine zentrale Lage und vor allem einen niedrigen Zimmerpreis gelegt.

Adresse

citizenM Glasgow
60 Renfrew Street
Glasgow
Scotland, G2 3BW
www.citizenmglasgow.com