The River von Sanaa

„The River“ heißt ganz passend das mäandernde Band, das das japanische Büro Sanaa im Auftrag einer Stiftung auf einem ehemaligen Farmgelände errichtet hat. Es weckt Erinnerungen an Philip Johnsons „Glass House“ von 1949 am gleichen Ort – New Canaan, Connecticut.

New Canaan hat nur rund 20.000 Einwohner und ist eine der reichsten Kommunen der Vereinigten Staaten. Schon vor fast hundertfünfzig Jahren, als die Kleinstadt durch eine Bahnlinie an New York angeschlossen wurde, siedelten sich dort die ersten Unternehmer an, die gewissermaßen im Dunstkreis des „Big Apple“ herrschaftliche Wohnsitze etwa im Tudor-Stil errichten ließen. Ab den 1940er Jahren sorgten dann die so genannten Harvard Five – Marcel Breuer, Landis Gores, John M. Johansen, Philip Johnson und Eliot Noyes – zumindest in baulicher Hinsicht für frischen Wind: Mit den von ihnen entworfenen Wohn- und Wochenendhäusern hielt die architektonische Avantgarde in Connecticut Einzug. Bis weit in die 1960er Jahre hinein bauten sie und andere Architekten rund einhundert moderne Wohngebäude, von denen achtzig heute noch bewundert werden können. Einige dieser Häuser sind in Ang Lees Film „The Ice Storm“ (1997) verewigt – einem von gleich einem halben Dutzend Spielfilmen, in denen New Canaan und seine oft als Snobs dargestellten Einwohner wichtige Rollen spielen.

Vorbild vor Ort

Philip Johnsons „Glass House“, das er selbst 29 bewohnte, ist ohne Zweifel das bedeutendste Werk der Harvard Five in New Canaan. Seit 2007 ist dieses Manifest für ein radikal anderes Wohnen mit offenen Grundrissen und vollständig in Glas aufgelösten Außenwänden – zwei Jahre nach Johnson Tod – öffentlich zugänglich. Nun erweisen Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa vom japanischen Büro Sanaa dem „Glass House“ und mittelbar auch Mies’ Architekturauffassung Referenz: im selben Ort auf dem landschaftlich reizvollen Gelände von Grace Farms.

Mehr dazu finden Sie im Baumeister 4/2016