Wohnblock ahoi!

Neun Etagen ragen neuerdings über einem großen, alten Hafengebäude in Rotterdam empor. Mit Fenix I hat die Stadt ein neues, außergewöhnliches Gebäude erhalten. Dabei setzt es nicht nur architektonisch, sondern auch technisch Akzente.

 

 

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Fenix I hat neues Leben in ein Lagergebäude gebracht, das seit fast 100 Jahren in Rotterdam steht. Um die alte Betonhalle wiederzubeleben, wurde eine neue Stahlkonstruktion in das Innere des Gebäudes gebaut. Die Konstruktion bildet die Basis für ein Haus mit 212 neue Loftwohnungen. Dabei reicht die Wohnfläche von 40 bis 300 Quadratmetern. Darüber hinaus sind die Wohneinheiten ganz nach den Wünschen der Eigentümer aufgeteilt. Neben den Loftwohnungen beherbergt Fenix I noch weitere Nutzungen. Dazu gehören Büros, öffentliche Parkmöglichkeiten, ein Bed-und-Breakfast sowie Restaurants und Räume für ein großes kulturelles Angebot.

 

 

Vom San Francisco Warehouse zu Fenix I

Das alte Lagerhaus hieß lange San Francisco Warehouse. Es wurde 1922 für die Holland-America Linie gebaut. Sie bot seinerzeit mehr und mehr Routen an, ihre Flotte wuchs. Dementsprechend wurde ein größeres Terminalgebäude notwendig. Mit 360 Metern Länge war der Neubau damals das größte Schiffsterminal der Welt. Ungewöhnlich waren auch die Bahnschienen, die durch das Gebäude führten, sowie riesige Lastenaufzüge, die Güter in das erste Obergeschoss transportierten. Der zweite Weltkrieg brachte erstes Unheil. Dann zerstörte ein Feuer in den Fünfzigerjahren weitere Teile der Baustruktur. Dennoch benutzte man das Gebäude noch einige Jahrzehnte weiter, bis der Betrieb in den Achtzigerjahren endgültig eingestellt wurde.

 

 

Seit 2007 bemüht sich die Stadt Rotterdam um einen Strukturwandel in den ehemaligen Hafengebieten jenseits der Maas. Mittlerweile hat sich das Quartier um Fenix I im Stadtteil Katendrecht zu einem beliebten Ort für Unternehmen in der Kreativbranche gemausert. Vor gut zehn Jahren entstanden erste Pläne zur Revitalisierung des San Francisco Warehouse. Im Jahr 2013 bekamen Mei Architects and Planners aus Rotterdam schließlich den Auftrag für den Entwurf von Fenix I.

Fenix I besteht aus drei Teilen. Zuunterst besteht der neue Gebäudekomplex aus einem Teil des alten Terminals der Holland America Linie. Dieser Gebäudeteil wurde für gemischte Nutzungen ertüchtigt. Darüber thront eine neue, riesige Stahlskelett-Konstruktion, die das Terminal vom neuen Gebäudeteil trennt. Dieses Zwischengeschoss ist etwa vier Meter hoch und beherbergt Lofts, die an den großen, begrünten Innenhof grenzen. Über dieser Stahlskelett-Konstruktion wächst ein neuer Baublock mit weiteren Wohnungen empor. Seine Konstruktion bietet große Flexibilität für die individuell gestalteten Wohnungen mit umlaufenden Balkonen.

 

 

Zusammenfügen und Verschmelzen

Die Gestaltung von Fenix I folgt der Idee, das Alte mit dem Neuen zu verbinden. Demzufolge ging es den Architekten nicht darum, Kontraste zwischen den Bauteilen herausarbeiten. Vielmehr stand die Verbindung der verschiedenen Gebäudeteile miteinander und mit ihrer Umgebung im Vordergrund. In der Konsequenz wurde die Seite, die zum Rheinhafen zeigt, um neun Etagen aufgestockt. Dagegen sind auf der Seite zur Veerlaan hin lediglich vier Geschosse aufgesattelt worden. Dadurch nimmt der Bau an der Veerlaan Bezug zu den dortigen Gebäudehöhen.

Hier, auf der Katendrecht zugewandten Seite, ähnelt die Fassade der alten Halle nun wieder dem Originalzustand von 1922. Die ursprüngliche Betonfassade ist wiederhergestellt, ebenso wie die alten Ladedecks. Die Fassade des Zwischengeschosses lebt von der konstanten Wiederholung dunkler Fassadenelemente. Den obersten Teil von Fenix I prägen die Penthäuser. Deren Fassaden springen etwas zurück und schaffen so Raum für große Terrassen. Auf der dem Rheinhafen zugewandten Seite ist das Erscheinungsbild von Fenix I im Sockelbereich von rohem Beton, großen Ladetoren und voluminösen Ladedecks geprägt. Diese Fassade stammt aus den 1950er Jahren und erstrahlt heute wieder in ursprünglichem Glanz.

Auf Straßenniveau durchquert eine öffentlich zugängliche Passage Fenix I. Sie ist 40 Meter lang und durchmisst das gesamte Gebäude. Auf diese Weise verbindet sie die stadtzugewandte Seite an der Veerlaan mit dem Kai auf der anderen Seite des Gebäudes. Diese innenliegende “Straße” zählt zu den aufregendsten Räumen in Fenix. Sie steht symbolisch für die Energie und die Intensität, die das Gebäude früher und auch heute ausmachen. Von der Passage gelangen die Bewohner der Loftwohnungen in vier gläsernen Aufzügen zu ihren Wohnungen. Diese Aufzüge queren das Zwischengeschoss mit seinem begrünten Innenhof. Diese grüne Oase bildet einen wohlgesetzten Kontrast zu den alten Hafenanlagen der Umgebung.

 

 

Nachhaltige Umnutzung

Das Thema Nachhaltigkeit war bei der Planung von Fenix I von großer Bedeutung. Das beginnt mit der bestmöglichen Weiternutzung der alten Baustruktur. Darüber hinaus ist das neue Gebäude aufgrund seiner Konstruktion zukunftssicher und anpassungsfähig. Die ergänzten Geschosse können immer wieder neu und flexibel aufgeteilt werden, da sie auf Stützen ruhen und von einem inneren Erschließungsring umgeben sind.

Das Gebäudevolumen und auch die Fassaden sind so gestaltet, dass viel Tageslicht in den Innenhof und die Wohnungen gelangt. Die Glasfassaden sind mit hochwertigem Sonnenschutzglas ausgestattet. In Kombination mit außenliegendem Sonnenschutz und Balkonen kann die Hitze der Sonne nicht in das Gebäude gelangen. Dementsprechend benötigt Fenix I nur wenig Kühlung. Die Dachgärten und vertikalen, grünen Fassaden im Innenhof schaffen ein gesundes, komfortables und naturnahes Ambiente. Sie filtern Partikel aus der Luft und sammeln Regenwasser zur Wiedernutzung. Das macht Fenix I nicht nur architektonisch, sondern auch technisch zu einem besonderen, nachhaltigen Bauwerk.