Europäischer Architekturfotografie-Preis 2017

Die Bildserie „Arrival“ von Andreas Gehrke dokumentiert provisorische Flüchtlingsunterkünfte in Berlin. Für seine Arbeit wurde der Fotograf mit dem Europäischen Architekturfotografie-Preis Architekturbild 2017 ausgezeichnet.

Das Thema der diesjährigen Auslobung lautete „Grenzen | Borders“. Dabei wurde nach der fotografischen Auseinandersetzung mit der gebaute Umwelt gesucht – der Begriff Grenze konnte als physisch präsent oder auch subtil spürbar gedeutet werden.

Bildserie „Arrival“ von Andreas Gehrke

Gehrkes vierteilige Serie wechselt zwischen Aufnahmen in Schwarz-Weiß und Farbe – ein Verweis auf Vergangenheit und Gegenwart. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen ein ehemaliges Stasi-Bürogebäude sowie einen Kuppelbau am Flughafen Tempelhof. Letzterer sollte zu einem Gebäude für Flüchtlinge umgestaltet werden. Während er lange Zeit ungenutzt blieb, gab es an anderen Orten akuten Platzmangel.

Auf dem farbigen Innenraum-Bild ist das Hotel President zu sehen, welches 2015 geschlossen wurde. Die palästinensische Flagge auf einer behelfsmäßigen Unterkunft in einer Messehalle deutet auf die Identität einer Person hin.

Die Jury begründet die Auszeichnung von Andreas Gehrkes Arbeit darin, dass es sich um ein aktuelles Thema von hoher Bedeutung handelt: „Durch den Fokus auf verschiedene Umgebungen von Flüchtlingen erhält der Betrachter einen umfassenden Eindruck des Ausmaßes der Entfremdung und der psychischen Auswirkungen von Grenzen auf den Menschen.“

Weitere Auszeichnungen

Zudem wurden drei Preise, fünf Auszeichnungen und 19 Anerkennungen vergeben.

Die Serie „Revier“ von Matthias Jung zeigt mit Brettern vernagelte Fassaden auf Nachtaufnahmen. Für die Inszenierung nutzte der Fotograf nur das Licht der vorhandene Straßenbeleuchtung. Die Gebäude der Motive und weitere Ortschaften liegen innerhalb der abgesteckten Grenzen eines langfristigen Standortverlegungsplans des Energiekonzerns RWE in Nordhrein-Westfalen.

„Stone Record“ von Daniel Poller bezieht sich auf den permanenten Wandel unserer Städte. Mit harmlos alltäglich wirkenden Straßenszenen dokumentiert er Umbau, Abriss, Neubau. Baustellen, Umleitungen und Staus bilden physische Grenzen für die Stadtbewohner.

„Beim näheren Hinschauen entwickelt sich in der Tiefe der Bilder ein komplexes Spiel von Abschirmung und Öffnung, von Fassade und Volumen. Zeitgenössische Bauten drängen sich an die historischen Überbleibsel, überformen sie und degradieren sie zu Kulissen. Poller zeigt uns damit auch die Folgen eines grenzenlosen Immobilienmarktes“, so die Zusammenfassung der Jury.

Mit politischen Grenzen beschäftigt sich Wilhelm Schünemanns Serie „Die im Dunkeln“. Zunächst sieht der Betrachter Spiegelungen in großen Fenstern und dahinter liegenden Vorhänge, die den Blick in das Innere des Gebäudes verhindern. „Die konzeptionell angelegte fotografische Arbeit vermittelt mit visueller Klarheit etwas von dem Gefühl der Ohnmacht gegenüber politischen Prozessen und den Auswirkungen auf das Leben der Menschen.“

Preis Architekturbild

Der Preis von Architekturbild wird seit 1995 alle zwei Jahre ausgelobt. Kooperationspartner von sind das DAM und die Bundesstiftung Baukultur.

Die Preisverleihung findet am 5. Mai 2017 statt – bei der Eröffnung der gleichnamigen Ausstellung „Grenzen | Borders“ im DAM Frankfurt. Gezeigt werden die insgesamt 28 besten Serien.