29.05.2015

Event

Die Stadt als Projekt

von Alexander Gutzmer

Die Podiumsdiskussion im City Cube

Eine Konferenz von Baumeister und Topos – dem internationalen Landschaftsarchitekturmagazin, lotet aus, was urbane Zentren heute und künftig attraktiv macht. Kick-Off für die Baumeister Topos Cities Initiative in Berlin

 

Die Arbeit an und in der Metropole ist eine komplexe Sache – und eine, an der Kreative unterschiedlicher Professionen mitwirken müssen. Das könnte als Fazit der ersten Ausgabe der „Baumeister Topos Cities Initiative“ gelten. Die beiden Zeitschriften aus dem Callwey-Verlag hatten gemeinsam nach Berlin geladen, um zu diskutieren, welchen Leitbildern die Stadtplanung folgen sollte – und wie diese umgesetzt werden können. Das Resultat: Die Leitbilder stimmen, doch der Weg zur Verwirklichung ist noch weit.

 

Getreu der Devise der Initiative kommen die verschiedenen Player im Stadtentwicklungsgeschäft zu Wort. Die präsentierenden Unternehmen haben spannende Lösungsansätze parat: Malgorzata Wiklinska vom Zulieferer ZF Friedrichshafen AG berichtet, wie das eigene Unternehmen seine Rolle in der mobilen Gesellschaft neu definiert. „Konkrete Kundenbedürfnissen als auch der Technologiewandel beeinflussen Mobilität von morgen. Dafür wollen wir Lösungen liefern.“ Wiklinska baut derzeit die ZF Denkfabrik, einen Think-do-Tank, auf. Das Unternehmen arbeitet unter anderem an App-basierten Lösungen als auch einigen Car2Car und Car2X Lösungen.

 

Der mobilen Stadt hat sich auch die Bauplanungs-Gesellschaft Obermeyer verschrieben, zweiter Partner der Initiative. Stephan Jentsch, der Asienchef der Münchner Dienstleister, erklärte wie das Unternehmen in China an der urbanen Mobilität arbeitet – und wie gerade in Chinas neuen Megametropolen Städtebau, Infrastrukturentwicklung und Verkehrsplanung Hand in Hand gehen müssen.

 

Für China wie für europäische oder amerikanische Metropolen gilt aber nach wie vor: Am Auto führt vorerst kein Weg vorbei. Trotzdem arbeiten die Unternehmen an Lösungen um den Individualverkehr zu ergänzen – und ihn effizienter zu machen. Dabei gilt: Effizient ist, was die Konsumenten auch wirklich wollen. Das betonte Olaf Schilgen, Referent für Elektromobilität, Energie und Außenbeziehungen beim Volkswagen-Konzern. Den großen Run auf Shared Mobility-Services a la Drive Now oder Car-to-Go sieht er noch nicht. Aber: „Wir beobachten das und sind jederzeit bereit, unseren eigenen Service Quicar jederzeit auszudehnen.“

Klar ist: Städte zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie auch im Wandel immer wieder ihren Charakter bewahren und sogar stärken. Gerade hier können die Architektur und die Landschaftsarchitektur wertvolle Beiträge liefern. Das bestätigte der niederländische Architekt und Stadtforscher Kees Christiaanse. Er erläuterte, warum sich das alte Modell der konzentrischen Stadt auflöst und durch polyzentrische Städte ersetzt wird. Diese Zentren müssen umso klüger geplant und mit den richtigen Verbindungen untereinander versehen werden, um nicht im Chaos zu versinken.

 

Wichtig ist dabei nicht zuletzt das Timing. Christiaanse wie auch der Architekt Urs Kumberger vom Architekturbüro „Teleinternetcafé“ hoben hervor, dass Planung sich in abgeschlossenen Phasen vollzieht. Der große Wurf aus einem Guss ist eine Illusion.

 

Auch hier gilt: Beide Disziplinen müssen dazu bereit sein die vorhandene Komplexität anzunehmen und sich ein Stück von der Vorstellung planerischer Allmacht loslösen. Wie das gehen kann, zeigten Gena Wirth (SCAPE Landscape Architecture, New York) und Martin Knuijt (OKRA Landscape Architects, Utrecht) in ihren Vorträgen. Knuijt erklärte, wie sein Büro in Projekten in Moskau, Rotterdam, London und Athen mit dem vorgefundenen Kontext arbeitet.

 

Ein Ansatz, wie ihn auch das Brüsseler Büro 51N4E verfolgt. Gerade in deren Kreativquartier in Kortrijk setzt Freek Persyn darauf, die vorgefundene Architektur als Katalysator zu nutzen. Wichtig ist, Offenheit zuzulassen, um den Nutzer zur proaktiven Aneignung des Raumes zu animieren.

 

Dabei gilt für jeden Planer: Man muss sich objektivierbare Ziele setzen. So gelang es Knuijt und seinem Team von OKRA zum Beispiel auf dem Athener Syntagma-Platz, durch eine Bepflanzungsstrategie die Temperaturen um drei Grad zu senken. Auch dies ist ein Stück Resilienz. Gena Wirth brachte die resiliente Stadt anhand eigener Projekte in New York auf den Punkt: „Resiliente Städte sind anticipatory, experimental, visionary – und engaged“.

Dem können sicher auch Karsten Schmitz und Urs Kumberger zustimmen. Um Partizipation im städtischen Raum geht es den beiden auch. Schmitz stellte die Leipziger Baumwollspinnerei vor, das bekannteste Kreativquartier in Deutschland, dessen Mitinitiator er war. Sein Fazit: Ohne Treiber wie den bekannten Galeristen Judy Lybke geht es nicht. Unterstützer dieser Art braucht auch das Münchner Kreativquartier, das momentan am Entstehen ist. Das bestätigte auch Urs Kumberger, dessen Büro Teleinternetcafé für den Masterplan des Kreativquartiers verantwortlich ist. Diese Treiber zieht man aber nur mit einer typologischen Heterogenität an. Kumbergers Forderung lautet: „diverse typoloigies for diverse people“.

 

Diese Diversität ist es, die Metropolen letzendlich attraktiv macht. Das bestätigt auch Clark Parsons, Managing Director der Berlin School for Creative Leadership. Seine Lehren für erfolgreiche Kreativmetropolen: Großes mit Kleinem, Altes mit Neuem verbinden. Und die eigenen Vorteile offensiv nach außen kommunizieren.

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