Die neue Penn Station

 

Pennsylvania Station in New York, erbaut 1910 im Beaux-Art-Stil von McKim, Mead & White, war das prunkvolle Eingangstor der Stadt: Säulen aus rosa Granit, eine weite Eingangshalle unter einer Kuppel aus Glas, gekrönt von Adlern, mit baulichen Anleihen beim Brandenburger Tor, bei römischen Bädern und griechischen Tempeln. Aber mit der Ära des Autos wurde der Bahnhof vernachlässigt und verbaut. 1963 wurde er abgerissen, trotz vieler Proteste von Architekten, Denkmalschützern und der Presse. Ein neuer Bahnhof entstand; am gleichen Ort, aber unterirdisch, darüber wurde die Sportarena Madison Square Garden errichtet, dazu mehrere Bürohochhäuser.

Der Abriss von Penn Station gilt heute als die größte Bausünde in der Geschichte New Yorks. „Man betrat die Stadt wie ein Gott; heute kriecht man hinein wie eine Ratte“, zürnte der Architekturkritiker Vincent Scully. Penn Station ist heute ein Gewirr von dunklen, schmuddeligen Gängen, treppauf und treppab, Hallen mit niedrigen Decken und hoffnungslos überlaufen, vor allem der Nahverkehr nach New Jersey und Long Island.

Das soll sich ändern. Da aber das alte Gebäude verschwunden ist, kamen die Planer auf eine neue Idee: Das Hauptpostamt soll der neue Bahnhof werden. Das Postamt von 1912/13 ist ebenfalls ein Beaux-Art-Bau von McKim, Mead & White, es liegt direkt westlich vom Bahnhof und über den Gleisen, die vom Hudson River kommen. Das Design für die künftige Moynihan-Station, benannt nach dem verstorbenen New Yorker Senator Patrick Moynihan, stammt von dem New Yorker Büro SOM; Bauträger sind Related, Vornado und die US-Tochter der schwedischen Skanska. 1,6 Milliarden Dollar soll der Umbau kosten, eines der größten Infrastrukturvorhaben der Stadt. Startschuss war bereits im Juli; der neue Bahnhof soll 2020 eröffnet werden.

Nun entsteht im Atrium des Postamts — wo die zentrale Sammelstelle für Briefe und Pakete war — eine Empfangshalle mit Oberlichtern, die in dreißig Metern Höhe auf Stahlträgern ruhen. Darin werden mehrere Galerien von Läden, Cafés und Restaurants untergebracht, damit Reisende und Pendler bequem auf den Zug warten können. Die U-Bahn an der Eighth Avenue, aber auch die unterirdischen Bahnsteige der Fernbahn werden über die neue Halle erreichbar sein. Im Süden des künftigen Bahnhofs entsteht ein weiteres Atrium, das die Vorortbahnen nach New Jersey anbindet. Der derzeitige unterirdische Aufenthaltsbereich unter dem Madison Square Garden bleibt zwar, allerdings soll er mit einem blauen Himmel aus LED-Lichtern verschönt werden.

Manchen Kritikern geht das nicht weit genug. Der Verein „Rebuild Penn Station“ fordert, den Madison Square Garden zu verlegen und die alte Penn Station am alten Ort wieder zu errichten. Das würde allerdings mehr als das Doppelte kosten.