Design des Austausches

 

Vor einigen Monaten berichteten wir in unserer Mai-Ausgabe über die Casa Wabi. Die von Tadao Ando 2014 entworfene Kunststiftung liegt an einem entlegenen Strand der mexikanischen Pazifikküste und setzt sich als Ziel, Wissensaustausch zwischen internationalen Künstlern und der örtlichen Gemeinde zu fördern. Die Stiftung ermöglicht es zum Beispiel, Künstlern Studienaufenthalte von bis zu drei Monaten zu finanzieren, und unterstützt Projekte, die Kunst und lokales Handwerk kombinieren. Die Architektur ist typisch für den japanischen Architekten: Sie verbindet Sichtbeton und lokale Baumaterialien – in diesem Fall die traditionellen Strohdächer. Damit spiegelt die Architektur nicht zuletzt die Aufgabe der Stiftung wider.

Neben den 90 aufstrebenden Malern, Bildhauern, Architekten, Regisseuren, Designern, Schriftstellern, Tänzern, Fotografen und Musikern, die seit der Eröffnung in der Casa Wabi zu Gast waren, hat die Schweizer Designerin Julie Richoz vor Kurzem fünf Wochen in der Stiftung verbracht. Das Ergebnis ihres Aufenthalts ist eine Reihe von Wandschirmen, die mit den Handwerkern einer Nachbargemeinde entwickelt wurden. Sie bestehen aus einem Metallrahmen und einer Füllung aus ineinander verwobenen Palmblättern und wurden alle handwerklich hergestellt. Über ihre Zeit in der Casa Wabi erzählt die Designerin: „Was ich entdeckt habe, ist die Art und Weise, wie anders die Leute handwerklich arbeiten, als ich es aus Europa kenne. Da gibt es eine sehr direkte Verbindung zwischen den Leuten, die Möbel kaufen wollen, und denen, die sie herstellen.“

Die Designstücke wurden letzten Monat während der Mexico Design Week in Mexiko-Stadt präsentiert. Die Veranstaltung fand trotz des verheerenden Erdbebens, das im September die Hauptstadt des Landes erschüttert hat, statt. Die Schweiz war dieses Jahr als Gastland vertreten.