Chipperfield trifft Palladio

David Chipperfield, längst zum bedeutendsten britische Architekten aufgestiegen, ist auf der Architekturbiennale angemessen vertreten. Wichtiger, inspirierender und schöner ist jedoch sein gleichzeitiger Auftritt in der Nachbarstadt Vicenza.

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Foto: Simon Menges.

Palladio gehöre zu den frühesten Einflüssen auf seine architektonische Haltung. Zudem hat er vor 28 Jahren als ersten bedeutenden Architekturpreis den Palladio Award bekommen. Gründe genug also, den großen Saal in Palladios Basilika zu bespielen. Vorweg gesagt: Bei Chipperfields Retrospektive der letzten Jahre und der aktuellen Projekte handelt es sich um eine perfekte Ausstellung, formvollendet gestaltet, gut und übersichtlich gegliedert, mit den notwendigen Informationen ausgestattet und mit wunderbaren Modellen bestückt.

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Foto: Richard Davies.
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Foto: Simon Menges.

Drei abgehängte Textilwände gliedern die kathedralartige Halle in kleinere Raumkompartimente. Weiße Gipskartonwände bilden die Kabinette der einzelnen Projekte. Es gibt kein Schema F, sondern jedes Projekt wird individuell je nach Art und Bedeutung präsentiert. Mal mit zahlreichen Detailplänen wie die Sanierung der Neuen Nationalgalerie in Berlin, wo es darum geht, den Mies-van-der-Rohe-Bau bei Sicherung von möglichst viel Originalsubstanz behutsamst zu ertüchtigen. Mal mit großformatigen Modellen wie die Amorepacific Headquarters in Korea (Hochhäuser kann Chipperfield allerdings auch nicht überzeugender als andere).

Ein sinnlicher Höhepunkt ist die Abteilung mit den Innenausbauten für die Modelabel Brioni und Valentino. 1:5-Modelle aus dem Originalmaterial – Marmor, Travertin, Tropenholz – veranschaulichen den Entstehungs- und Auswahlprozess, der zum edlen Ambiente der Stores führt.

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Skizze: David Chipperfield.

 

Schon durch ihre Machart vermittelt die Ausstellung ein gutes Gefühl dafür, mit welcher an Hingabe grenzenden Sorgfalt, Ernsthaftigkeit und Zuwendung im Büro Chipperfield Räume entwickelt, Materialien ausgesucht und gefügt, Details erdacht und gestaltet werden. Der Besucher kommt zu der Erkenntnis: Wenn es heutzutage eine zu Palladio kongeniale Baukunst gibt, dann ist es die von Sir David.

Die Ausstellung in der Palladio-Basilika in Vicenza ist noch bis zum 2. September zu sehen. Katalog engl./ital. 25 Euro.