Berlin, Hotel Das Stue

Das Hotel „Das Stue“ in Berlin neben dem Hauptstadtzoo verbindet Zeiten und Welten. Eine Wohltat für das immer noch etwas leblose Botschaftsviertel. Der Auftakt ist wenig beeindruckend. Wer sich per Taxi dem Hotel in Berlins Botschaftsviertel nähert, sieht erst mal eine schmucklose Brandwand. Denn man fährt seitlich auf das Fünf-Sterne-Haus zu. Die Straße, die frontal auf den neuen Inladen der Hauptstadt zuführt, ist nämlich eine Einbahnstraße. Leider. Denn die Front des Anfang des Jahres eröffneten Baus macht einiges her – und will das auch. Der von vier Doppelpfeilern beherrschte Vorbau verbreitet viel von der harten Granithaftigkeit aus der Zeit, in der das Gebäude fertiggestellt wurde – im Jahr 1940. Daran ändert auch das bläuliche Glas-Entrée nichts, das jetzt in den Vorbau integriert wurde.

Insgesamt jedoch wirkt der Bau, der ursprünglich dem KaDeWe-Architekten Johann Emil Schaudt zugesprochen wird, nicht wie der klassische Nazi-Trutzpalast. Zumindest eine kleine Prise Leichtigkeit spendet schon die halbrunde Form. Und auch die Fenster im ersten Obergeschoss mit ihrer nahezu expressionistischen Ornamentik konterkarieren ein wenig den Eindruck Germania-hafter Schwere.

Aber natürlich stellt Schaudts Gebäude aus heutiger Sicht eine architektonische Herausforderung dar. Entsprechend sind sowohl die Anbauten des Potsdamer Büros Axthelm Architects als auch Patricia Urquiolas Konzept für die Innenräume letztlich als Gegenstatement zum Ursprungsbau zu sehen. Annette Axthelm setzt bei ihrer Erweiterung auf eine Vorhangfassade aus Fotobeton. Diese soll mit floral-royalem Muster das Material Beton mit einem Geist von Blumen und Gärten imprägnieren. Urquiola ihrerseits liefert ein eklektisches Innenraumkonzept, das Elemente dänischen Designs mit spanischer Farbenfreude vereint. Das wiederum dürfte den Besitzern, eine Gruppe spanischer Familien, gefallen haben.

Die Lobby wird geprägt von zwei massiv wirkenden Freitreppen, die ins erste Obergeschoss, die „Beletage“, führen. Dickliche, nicht besonders hohe Balustraden säumen diese. Das wirkt nicht aggressiv – anders als der bronzene Krokodilskopf, der den Besucher gleich zu Beginn anfaucht. Der französische Künstler Quentin Garel setzte diesen markanten Auftakt im Foyer eines Hotels, das durch das ständige Aufeinanderprallen von Alt und Neu ansonsten eher Quirligkeit versprüht als gediegene Ruhe. Das Krokodil verweist nicht von ungefähr aufs Tierreich. Das Stue spielt konsequent mit seiner unmittelbaren Nachbarschaft zum Zoo. Aus der Bar lassen sich Antilopen beobachten. So wird die Fauna zur architektonischen Chiffre.

Adresse

Das Stue Hotel
Drakestraße 1
10787 Berlin Tiergarten
Deutschland
www.das-stue.com