Baumeister nach8 bei Meixner Schlüter Wendt

Ist Ziegel zeitgemäß? Das war das Thema von Baumeister nach8 am 23. August in Frankfurt am Main. Die Veranstaltung fand in den Räumlichkeiten von Meixner Schlüter Wendt statt, einem Büro, das für innovative Architektur steht, das gleichzeitig aber nicht den Ruf hat, besonders ziegelaffin zu sein.

An der Diskussion nahmen neben den beiden Büropartnern Claudia Meixner und Florian Schlüter auch Clemens Kuhlemann, Geschäftsführer der Deutschen Poroton GmbH, teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Baumeister-Redakteur Alexander Russ. Clemens Kuhlemann repräsentierte auch die Informationsplattform Lebensraum Ziegel, hinter der die Produktgruppen Unipor, Thermopor, Poroton und Mein Ziegelhaus stehen. Er vertrat die Seite der Industrie, während Claudia Meixner und Florian Schlüter das Bauen mit Ziegel aus Architektensicht beleuchteten.

Konstruktive Eigenschaften

Der Abend begann mit einer Einführung von Claudia Meixner und Florian Schlüter, die zunächst innovative Ziegelgebäude anderer Architekturbüros vorstellten, um das gestalterische Potenzial des Werkstoffs für das moderne Bauen aufzuzeigen. Darunter waren der Entwurf für das Stadion des FC Chelsea in London von Herzog & de Meuron oder das Europäische Hansemuseum in Lübeck von Studio Andreas Heller. Anschließend erläuterten die beiden Architekten ihre Arbeitsweise anhand eigener Projekte. Dazu gehörte unter anderem das Wohnhaus Schmuck, für das Meixner Schlüter Wendt ein eingeschossiges Gebäude aus den 1950er-Jahren in ein großzügiges Wohnhaus umgebaut hatten. Dieser Bau diente im Anschluss auch als Grundlage für eine Diskussion über die konstruktiven Eigenschaften des Ziegels. Darin ging es unter anderem um die Frage der Lebensdauer der Konstruktion, was mit Hilfe eines Vergleichs des für das Wohnhaus Schmuck verwendeten Wärmedämmverbundsystems mit den konstruktiven Eigenschaften einer monolithischen Ziegelwand erörtert wurde.

Nachhaltigkeit und Tragfähigkeit

Während Clemens Kuhlemann die Recyclingfähigkeit und Langlebigkeit des Ziegels hervorhob, stellten Claudia Meixner und Florian Schlüter die Frage, ob ein mit Dämmung gefüllter Ziegel tatsächlich ein richtiger Ziegel ist, was lebhaft debattiert wurde und in der Folge eine Diskussion über die statischen Eigenschaften des Werkstoffs anstieß. Als Beispiel für dessen konstruktives Potenzial verwies Clemens Kuhlemann auf ein zehnstöckiges Wohngebäude in Regensburg, dessen tragende Wände aus monolithischen Ziegelwänden bestehen. Einig waren sich alle drei Diskutanten über die Vorteile monolithischer Ziegelwände gegenüber mehrschaligen Wandaufbauten hinsichtlich des einfachen Bauens. Als Beispiel führte Clemens Kuhlemann die aufwendigen Lösungen an, die bei einer fassadenbündigen Platzierung der Fenster in einer mehrschaligen Wand notwendig sind. Im Unterschied dazu brauche es bei der Zeichnung einer monolithischen Ziegelwand nur vier Striche –für den Außenputz, den Ziegel selbst und für den Innenputz. Am Schluss kamen dann auch ausgiebig die gestalterischen Möglichkeiten des Sichtziegels zur Sprache, woran deutlich wurde, dass der Ziegel nicht nur aus konstruktiver Sicht ein Material der Zukunft ist.