„Baumeister nach 8“ bei Staab Architekten

Beim Betreten des Großraumbüros von Volker Staab im Berliner Stadtteil Kreuzberg wird einem sofort bewusst: Hier arbeiten Architekten. Die Räume sind reduziert auf das Wesentliche. Wichtigstes Gestaltungselement ist im Grunde der Blick über die Spree. Schon bei der letzten „Baumeister nach 8“-Diskussion stellte die Forscherin Catherine Gall treffend fest: „Arbeitsräume von Architekten sind strukturiert, ordentlich, clean“.

Doch reicht das, um kreativ und produktiv zu arbeiten? Und was macht gute Ideenräume aus? Themen wie diese diskutierte der Baumeister in Berlin mit Volker Staab und dem Steelcase-Forscher Markus Wille. Die große Frage immer: Was motiviert Menschen? Was motiviert speziell Kreative wie Architekten? Zwar „gibt es die Patentlösung nicht“, so Wille. Doch ein paar Hinweise konnte er auf Basis der aktuellen Steelcase-Forschungen schon geben. Zum Beispiel: „Schaffen Sie flexible Räume. Geben Sie den Mitarbeitern möglichst viele Wahlmöglichkeiten.“

Was darüber hinaus zählt: Jede Zielgruppe muss mit ihrer eigenen Ästhetik angesprochen werden. Wie das geht, macht das Büro Staab selber vor. Der klassische Eingangsbereich ist in fast sterilem Weiß gehalten. Jedes Detail wirkt mit Bedacht gewählt. Der lange Saal ist am Tag lichtdurchflutet und aufgrund der Ausrichtung nach Norden immer gleichbleibend belichtet. Kakteen und Postkarten allerdings gehören nicht zur Ausstattung. „Das muss dann doch nicht sein“, so Staab. Zumindest in Deutschland. Wille: „In Japan sind Offices innerhalb einer Woche mit Post-Its und Postkarten vollgeklebt.“ Auch eine Form von Raumaneignung.

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In der Diskussion wurde schnell deutlich: Die Top-Down-Planung von Architekten und Bürochefs ist nur der erste Schritt. „Ganz vorhersehen lassen sich die Reaktionen von Mitarbeitern nie“, so Wille. Das bestätigte Volker Staab. Für informelle Kreativmeetings hatte er aus hellen, ausgeleuchteten Vorhängen kleine flexible Boxen geschaffen. Schön eigentlich – aber die Mitarbeiter nutzen sie nicht konsequent. Zum Brainstormen ziehen sie sich lieber in die abgetrennte Event-Ecke zurück. „Dieser Bereich ist normalerweise eine große Tafel; alle setzen sich nebeneinander. Da arbeiten dann schon einmal fünf Teams nebeneinander in einem Raum. Und es funktioniert – das ist wirklich erstaunlich“, berichtet Staab. „Ganz klar“, so Wille, „das klassische Café-Prinzip. Es ist der Raum mit der größten Anonymität. Ich weiß nicht, was mein Nachbar gerade sagt. Dies sind die Plätze, die gern aufgesucht werden.“