„Unbuilding Walls“ im deutschen Pavillon

28 Jahre nach dem Mauerfall zeigt eine überraschende Rauminszenierung, kombiniert mit klassischen Projektdokumentationen, die Transformation des einstigen Todesstreifens.

Eine undurchdringliche schwarze Wand, durch seitliche Spiegelwände ins Unendliche verlängert, empfängt den Besucher im deutschen Pavillon. Raffiniert perspektivisch gestaffelt, öffnet sie sich beim ersten Schritt aus der Mittelachse und löst sich in einzelne Elemente auf, die die typischen L-förmigen Mauer-Segmente evozieren. Nach diesem fast theatralischen Auftakt geht es beim Gang durch die Scheiben-Reihen eher klassisch-dokumentarisch weiter: Die (weiße) Rückseite der Mauerelemente verwandelt sich in Informationsstelen für 28 Projekte, die die Transformation des deutsch-deutschen Grenzstreifens seit 1990 zeigen – von hinlänglich bekannten Großprojekten wie dem Potsdamer Platz (hier mit dem Wettbewerbsmodell von Daniel Libeskind) über infrastrukturelle Projekte zu städtischen Freiräumen wie dem Mauerpark, von Gedenkorten bis zu aktuellen Bauten wie der Axel-Springer-Zentrale von OMA direkt auf dem ehemaligen Grenzstreifen.

Mit ihrer Projektauswahl wollen die Kuratoren GRAFT – Lars Krückeberg, Wolfram Putz, Thomas Willemeit – und Marianne Birthler zeigen, wie heterogen die Ansätze, wie pluralistisch die Akteure und Projekte waren und immer noch sind. Auch der Prozess des Zusammenwachsens soll anhand der Nahtstelle des ehemaligen Grenzstreifens fassbar werden. Dabei steht Berlin im Fokus, einige wenige Projekte aus anderen Regionen sind zwar vertreten, wie das deutsch-deutsche Museum im nordfränkischen Mödlareuth oder die Wüstungen, von der DDR-Regierung geschleifte Dörfer; sie sind allerdings auch optisch in einer Randposition, da sie mit den bildgewaltigen Großprojekten nicht mithalten können. Insgesamt sind die Projekte übersichtlich-zurückhaltend mit Fotos, Text, Plänen präsentiert – eine klassische Art der Dokumentation, wie man sie auch in einer Dauerausstellung erwarten würde.

Parallel wird das Thema in den seitlichen „Spiegelkabinetten“ um Video-Interviews mit grenznahen Bewohnern aus Zypern, USA, Mexiko, Nord- und Südkorea erweitert – mit ernüchternden Aussagen über die jeweiligen Nachbarn, die vermuten lassen, dass Mauern nicht nur physisch existent sind.