Einfamilienhaus: Lebenstraum oder Vorstadthorror?

Ehe, Kinder, Einfamilienhaus – so stellen sich viele Deutsche immer noch ein erfülltes Leben vor. Aber ist das Häuschen mit quadratischem Grundriss und Satteldach ein Lebenstraum – oder vielmehr eine überholte Wohnform und damit letztlich der pure Vorstadthorror? Und, konkreter: Wie sieht die Zukunft dieser Typologie aus? Diese Fragen diskutierten der Callwey-Verlag und Baumeister auf dem „Einfamilienhaus-Kongress“ am 28. und 29. September im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt. Anschließend wurde “ um 7. Mal der Award „Häuser des Jahres“ verliehen. Gewinner waren in diesem Jahr Holzer Kobler mit einem Stadthaus in Zürich. Dieses Projekt und die anderen Preisträger sind bis 26. November in der Ausstellung „Die 50 besten Einfamilienhäuser“ im DAM zu sehen.

Man ist, was man baut

Böse Zungen behaupten, dass die Typologie Einfamilienhaus ausstirbt. Heute leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land, etwa 3,5 Milliarden sind es, Tendenz steigend. Wieso also einen Kongress veranstalten, der sich um das vermeintliche Auslaufmodell dreht? Weil sie natürlich kein Auslaufmodell sind. Viele Menschen leben immer noch gern in diesen „eigenen vier Wänden mit Garten“. Darauf verwies auch Baumeister-Chefredakteur Alexander Gutzmer in seinem Eröffnungsvortrag. Für ihn sind Einfamilienhäuser Spiegelbilder unserer Gesellschaft, Seismographen aktueller Entwicklungen. Und private Bauherren finden mit ihrem Bauprojekt auf diese Weise zu einer eigenen Stimme.

Häuschen mit Zukunft?

Den Auftakt in Frankfurt machte mit einem engagierten Vortrag die ehemalige Oberbürgermeisterin Petra Roth. „Architektur und Politik – haben Architekten eine gesellschaftliche Verantwortung?“, so ihr Thema. Am Beispiel Frankfurts entwickelte sie ihr Bild einer funktionierenden Stadt.

Ihre Thesen beschäftigten auch die Talkrunde am späten Vormittag. „Wir brauchen mutige Architekten und ihre guten Beispiele müssen auf die Bühne“, so die Architektin Marie-Theres Deutsch. Außerdem verlangten die Redner eine zeitgemäße Erweiterung des Awards „Häuser des Jahres“. Architekt und Professor Georg Poensgen plädierte für einen Wettbewerb rund um qualitativ hochwertigen Geschosswohnungsbau.

Nach der Mittagspause ging es weiter mit einer Werkschau der Architektin Claudia Meixner (Meixner Schlüter Wendt). Sie sieht in Bauvorschriften keine Einschränkung, sondern eine Herausforderung. Wie ihr Büro das umsetzt, präsentierte sie anhand aktueller Beispiele wie dem Wohnhochhaus „Axis“ an der Europaallee in Frankfurt.

Architektur ist kein Wunschkonzert

Ulrich Nolting, Geschäftsführer vom InformationsZentrum Beton, sang anschließend eine Lobeshymne auf das Material Beton. Gelungene Energie-Plus-Wohnhäuser präsentierte der Wissenschaftler Manfred Norbert Fisch. „Hausbau ist (k)ein Wunschkonzert“, so der Titel der Diskussion zwischen Architekt Thomas Kröger und dem Geschäftsführer von Euroboden, Stefan Höglmaier.

Und abends gab es dann Preise. Neben Holzer Kobler (Zürich/Berlin) für ihren innerstädtischen Wohnhochbau gewannen etwa auch Studio Rauch (München) und Jürgen Haller (Mellau).