Moderne Urhütte

 

Wer sagt das Museen immer Ikonen sein müssen? Seit Frank Gehrys Museum in Bilbao gab es in den letzten zwanzig Jahren immer wieder spektakuläre Bauten von den einschlägig bekannten Stars der Szene. Nur wenige Architekten scheinen sich dieser Vorgabe entziehen zu können – oder zu wollen. David Chipperfield fällt einem in diesem Zusammenhang spontan ein.

Das River and Rowing Museum aus den 90er Jahren verhalf dem britischen Architekten zum Durchbruch und ist bis heute ein sehr schönes Beispiel dafür, wie sich traditionelle Architekturelemente – in diesem Fall ein Satteldach – zusammen mit einer zurückhaltenden Architektursprache in ein zeitlos modernes Gebäude verwandeln lassen.

Das Beispiel hat Schule gemacht, wie sich unter anderem anhand eines kleinen Museums im schweizerischen Minusio am Lago Maggiore besichtigen lässt. Dort hat das in Locarno ansässige Architekturbüro Studio Inches ein kleines aber feines Museum für den Künstler und Archäologen Aldo Crivelli gebaut.

Studio Inches.Locarno-Mecri Museum

Beauftragt wurden die Architekten allerdings nicht vom Künstler selbst, sondern von dessen 80 Jahre alten Tochter, die eine Art Gedenkort für den verstorbenen Vater schaffen wollte. Ausgestellt werden dort aber auch Arbeiten von Künstlern aus der Region.

mecri-Museum-Schweiz
Museum-Schweiz-Beton

Das neue Gebäude befindet sich auf dem Grundstück eines Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert und stellt eigentlich eine Art Erweiterung dar. Zuvor hatten die Architekten den viergeschossigen Altbau in das sogenannte MeCri-Museum umgewandelt.

Mecri-Minusio-Studio Inches
Detail-Mecri Museum-Fenster

Entstanden ist eine kleine Urhütte, die trotz ihrer archaischen Kraft modern anmutet, dabei aber auch an die Steinhäuser der Umgebung erinnert. Gerade in der Materialität zeigt sich die Dualität aus kontextuellem Bezug und moderner Formensprache: Verwendet wurden Beton und der für die Region typische Maggia Granit.

Museum-Urhuette-Beton
Meci Museum-Innenraum-Studio Inches

Gerade im Innenraum  kommt einem dann David Chipperfield in den Sinn. Wie beim River and Rowing Museum wird der Ausstellungsraum durch einen länglichen Lichtschlitz erleuchtet, der sich aus der Geometrie der Dachform ergibt. Die Außenwände sind im Unterschied zum River and Rowing Museum nicht aus Glas, sondern  massiv. Es gibt nur wenige Öffnungen, um die Exponate vor Tageslicht zu schützen und mehr Fläche zum Aufhängen der Bilder zu haben.