Von der Hightech-Fassade zur Strohballendämmung

 

Es ging nicht nur um Photovoltaik, wie man vermuten könnte, sondern die Themen waren viel breiter gefächert: Eröffnet wurde die Veranstaltung von Stefan Winter, der an der TU München einen Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion innehat, und auch die Keynote-Präsentation des britischen Architekten Kevin P. Flanagan von PLP Architecture drehte sich um Holzbau. Flanagans Büro hat in Zusammenarbeit mit der Universität Cambridge eine Studie für ein 315 Meter hohes Hochhaus aus Holz vorgestellt, das – nach weiterer Forschung – in London entstehen soll.

Dann ging es in sage und schreibe insgesamt 38 Vortrags-Blöcken um die Gebäudehülle: von grundlegender PV-Technik bis zur Montage der Elemente an die Fassade. Denn gerade deren oft komplexe Formgebung stellt hohe Ansprüche an Material und Verarbeitung: Stichworte waren hier Farbgebung der Module, spezielle Oberflächen, Freiformflächen, PV-Folien. PV als Verschattung war ebenso aktuell wie stromerzeugende textile Materialien, selbst für größere Gebäude. Mehrschichtige Fassadenplatten, die PV-Elemente und Dämmung enthalten, stellte zum Beispiel Stefan Krause vom Institut für Strukturleichtbau in Chemnitz vor. „Natural Ventilation“ beschäftigte insgesamt 17 Referenten: Hier drehten sich die Vorträge um das Bauen in außereuropäischen Ländern, teilweise in tropischen Zonen – mit Schwerpunkten wie „Lüftung in sehr einfachen Gebäuden“, „Gebäudehülle mit passiver Kühlung“ und „Stabilisierung des Innenraumklimas, etwa durch Aerogel“.

Neue Entwicklungen in der Glastechnologie wurden dargestellt zum Beispiel an transparenten Gebäuden und Glastreppen für Apple in den USA und in Hongkong. Die Frage der Nachhaltigkeit wurde von diversen Rednern thematisiert wie Lebenszyklus-Kosten und die klassische Fragestellung der Energieeffizienz. Hierzu wurde etwa von Róbert Sztànyi von der Universität Debrecen in Ungarn mangelndes Knowhow seitens der europäischen Bauindustrie angemahnt.

Selbstverständlich kamen neben spektakulärer Hochhaus-Architektur mit entsprechend ausgestalteter PV-Technik auch alltägliche, „bodenständige“ Bauaufgaben zur Sprache: So wurden im Themenblock „Vorgefertigte Holzfassaden für urbane Bauten“ unter der Moderation von Stefan Winter und Stefan Ott – beide TU München – vor allem Sanierungsobjekte vorgestellt. Maximilian Schlehlein von Gumpp & Maier, einem Hersteller von vorgefertigten Holz-Fassadenelementen, wies auf die Vorteile dieser TES-Bauteile (Timber Element System) hin, die durch ihre zeit- und daher kostensparende Montage am Bau Kosten sparen. Als Neubaubeispiel berichtete er über das Aktiv-Stadthaus in Frankfurt am Main (Architekten Hegger Hegger Schleiff), bei dem hochgedämmte TES-Elemente mit integrierten PV-Elementen verwendet wurden und damit die Bauzeit niedrig gehalten werden konnte. Im Bereich Sanierung konnte er aufzeigen, dass durch 3D-Scanning des Altbaus, konstruktives Design inklusive Feuerschutz, CNC-Fertigung und durch einen hohen Vorfertigungsgrad bis hin zu integrierter mechanischer Lüftungstechnik sowie Installationstechnik eine wirtschaftliche und zeitsparende Bauausführung möglich ist.

Die recht seltene verwendete Technik der Solarthermie in der Fassade wurde von Manfred Starlinger, ims Ingenieurleistungen, mit einem Resümee nach zehn Betriebsjahren vorgestellt. Ein Gewerbebau wurde bereits 2006 mit solarthermischen Elementen im Wechsel mit Tageslichtflächen ausgestattet, die die Primärkomponenten der Hallenbeheizung darstellen. Schlechtwetterperioden werden dabei mit einer Wärmepumpe abgefedert. Ein Schichtladespeicher in Verbindung mit einer thermisch aktivierten Betonbodenplatte und eingebundene Brunnwassernutzung lassen im Sommer Kühlung entstehen. Die Kollektoren werden mit Wasser und Luft betrieben. Als Resümee nach zehn Betriebsjahren wurde festgestellt, dass die Solarfassade mit ihren sechs Meter hohen Absorbern und einer Gesamtfläche von 134 Quadratmetern über das Jahr mehr als 50 Prozent der Wärmeerzeugung übernimmt. „Das Zehn-Jahresmittel des Stromverbrauchs für Wärme- und Umwälzpumpen ist kleiner als 15.000 kWh/a. Auf die Nutzfläche bezogen bedeutet das weniger als 9,4 kWh/m2a. Die Heizkosten für das 1.400 Quadratmeter große Gebäude belaufen sich 1.000 Euro pro Jahr“, war sein Fazit.

Die Architektin Margareta Schwarz berichtete aus Südtirol über den Stand der Strohballendämmung, was in Bern somit die ganze Bandbreite aktueller Fassadentechnik aufzeigte. Anhand zahlreicher Fotos konnte sie ihre nachhaltigen Bauten detailliert vorstellen: „Einfache Bauweise mit Stroh, Holz, Lehm und Kalk und sonst nix! Die Architektur ist vielfältig – sogar „lastabtragend“ können Strohballen eingesetzt werden“, war ihr Fazit.

Eine Produktpräsentation rundete die Kongresstagung Advanced Building Skins ab.

 

Der nächste Fachkongress findet am 1.bis 2. Oktober 2018 in Bern statt.

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