Singapur, Hotel Wanderlust

Dieses kuriose Haus quillt über vor Designideen – jedes der Gästezimmer sieht anders aus. Dabei sind sie komfortabel und erschwinglich. Eine Seltenheit im asiatischen Stadtstaat.

Singapur scheint alle Kulturen dieser Welt in sich zu vereinen. Wie in anderen asiatischen Millionenmetropolen auch dominiert zwar auf den ersten Blick die Westmoderne das Bild, daneben aber zeugen üppig dekorierte Kolonialbauten, traditionelle Shophouses ebenso wie Moscheen, Schreine und Tempel von der Vielschichtigkeit der Stadt nahe dem Äquator. Zudem ist die aktuelle Architektur eine Reise in den Stadtstaat wert: seien es die avantgardistischen, durchgrünten Wohnhochhäuser von WOHA, sei es der „Interlace“-Apartmentkomplex von Ole Scheeren, das extravagante Hotel Marina Bay Sands oder Projekte internationaler „Stars“ wie Toyo Ito, Daniel Libeskind und Foster & Partners.

Touristen und Einheimische gleichermaßen lieben jedoch besonders die Viertel, die ihren eigenen Charakter bewahrt haben – wie „Little India“, die Heimat der indischen Einwanderer in Singapur. Ladenstraßen mit Gewürzen, Schmuck und Saris, Markthallen, Restaurants und Tempel vermitteln hier einen solch authentischen Eindruck, dass man sich nach Indien versetzt fühlt. Am Rand dieses lebhaften Quartiers liegt das Hotel „Wanderlust“: Das ehemalige Schulhaus aus den 1920er Jahren ist zu einem von Gestaltungsideen überquellenden Boutique-Hotel umgebaut worden. Der Besitzer Loh Lik Peng hat Erfahrung mit ungewöhnlichen Locations: Er hat schon mehrere leerstehende Häuser entdeckt, saniert und in Design-Hotels verwandelt, wie das „New Majestic“ in Singapur, das „Water House“ am „South Bund“ in Schanghai und das „Town Hall“ Hotel in London. Das Wanderlust gestalteten Asylum, Phunk Studio, DP Architects und fFurious, vier Designer und Architekten aus Singapur, die jeweils eine Etage in ihrer Vorstellung eines zeitgemäßen Hoteldesigns realisierten.

Hinter der aufgefrischten, mit floralen Fliesen geschmückten Fassade überrascht ein großzügiger loftartiger Lobby- und Restaurantbereich: Er gibt sich betont (nach)lässig durch unverputzte Wände, eine sichtbare Leitungsführung unter der Decke, einen polierten Betonboden, zugleich aber auch wohnlich mit seinen Vintage-Möbeln, Designerleuchten, Kickertisch und kuriosen Kunstobjekten. Über dem mit Kois und Rankpflanzen bestückten Teich im Mini-Lichthof schwebt der verglaste Fahrstuhl hinauf zu den drei Etagen mit 29 Zimmern. Diese unterscheiden sich stark in Größe und Gestaltung, und man sollte das Zimmer unbedingt nach seiner persönlichen Designpräferenz buchen: Denn sonst landet man beispielsweise in einem der kleinen „Pantone“-Räume im ersten Stock, die komplett in einem Farbton durchgefärbt sind – das muss man mögen. Die Zimmer in der Etage darüber sind größer, ganz in Weiß gehalten und mit schwarz-weißen Deko-Elementen im Comic-Stil ausgestattet. Die oberste Etage versetzt den Gast in fantastisch-bizarre Themenwelten wie Wald, Weltraum oder das Innere einer Schreibmaschine. Doch keine Sorge, komfortabel sind die Zimmer alle, sie bieten wundervoll bequeme Betten und schöne Badezimmer. Und: Die Fenster lassen sich zum Großteil öffnen, was wahrlich nicht in allen Hotels Singapurs der Fall ist.

Da das Haus in einem lebhaften Wohn- und Ausgehviertel liegt und in den benachbarten Bars die Gäste lange draußen sitzen, kann es auch mal lauter werden. Für diese Fälle hat das Hotel vorgesorgt und dezent am Bett Ohrstöpsel bereitgelegt. Das Wanderlust ist sicher kein klassisches Geschäftshotel und will es auch nicht sein. Es zieht ein bunt gemischtes Publikum an: kosmopolitane Hipster, Rucksack-, Ü30-Einzelreisende ebenso wie Familien und rüstige Rentner, die sich einlassen auf das Spielerische und Eigenwillige seiner Gestaltung und die Privatsphäre und hohen Komfort bei gemäßigten Preisen zu schätzen wissen.

Adresse

Hotel Wanderlust
2 Dickson Road
Singapur 209494
wanderlusthotel.com

Fotos: Hotel Wanderlust