Ayutthaya, Sala Ayutthaya

Der Charme dieses Hotels liegt im Kontrast zwischen weißen Giebelhäusern und Wänden aus handgefertigten Ziegeln in der regionalen Bautradition. Alles lag am Geschick der Handwerker.

Es verspricht in der Regel nichts Gutes, wenn Büros sich lustige Namen geben. Würden Sie Ihre Haare bei „Hair Gott“ schneiden lassen oder Fleisch in der Metzgerei „SauGut“ einkaufen? Eben. Was also bitte will uns ein Architekturbüro sagen, das „Onion“, also Zwiebel, heißt? Kennt es sich mit Schichtungen aus, mit Häuten aus Holz, Glas, Stahl oder Beton? Oder liefert es zum Hochbau die Landschaftsplanung frei Haus gleich mit? Das ist doch zum Heulen… und genau das ist es: Ein Gemüsename, so schreiben die beiden jungen thailändischen Architekten Siriyot Chaiamnuay und Arisara Chaktranon auf ihrer Webseite, ist ungewöhnlich und unvergesslich und damit so, wie sie bauen – einzigartig und erinnerungswürdig. Das klingt selbstbewusst, und umso schöner ist es, dass Onion in der 70 Kilometer nördlich von Bangkok gelegenen Stadt Ayutthaya, einst Hauptstadt des Königreichs Siam, umflossen von drei Flüssen und in Teilen Unesco-Welterbe, dem eigenen Anspruch an ihre Baukunst auch tatsächlich entsprechen konnten.

2014 hat das Büro mit Sitz in Bangkok dort das Boutiquehotel „Sala Ayutthaya“ erbaut und auch ausgestattet. Dem ankommenden Gast präsentiert sich das Haus allerdings erst einmal wenig einladend: Eine Eisentür führt durch eine geschlossene Ziegelwand, auf der lediglich noch der Schriftzug des Hotels zu lesen steht. 26 Zimmer verbergen sich hinter der Mauer: Ein schmaler Gang führt zwischen hohen, geschwungenen Ziegelwänden in die Tiefe des L-förmig organisierten Gebäudes. Scharf stoßen die Ziegelwellen gegeneinander, eine kunstvolle Tapete aus gebranntem Lehm, die – das ist an den seitlichen Durchlässen erkennbar – sich von ihrem weißen Untergrund abzulösen scheint. Staunend wandern die Blicke aus der Ziegelschlucht nach oben in den gekurvten Himmelsausschnitt, der unterschiedliche Schattenbilder auf die Wände zaubert und den Gang mit seinem ebenfalls geziegelten Boden gegen elf Uhr vormittags komplett verschattet. Und als wären die Sinne nicht schon ausreichend angeregt von diesem wohl spektakulärsten Hotelflur der Welt, wartet am Ende des Wegs auch noch ein großartiger Ausblick: der über den Chao-Phraya-Fluss hinweg auf die 1353 erbaute Tempelanlage „Phutthaisawan“ von der Terrasse des teils offenen Restaurants aus.

Bei einem solchen Blick müssten die Zimmer kaum etwas bieten. Tun sie aber natürlich trotzdem: Während sich die Materialien – Estrich auf dem Boden, Holz für das karge Mobiliar und weißer Stoff für den Sichtschutz – angenehm zurücknehmen, wird der kreisrunden Badewanne prominenter Platz eingeräumt. Wer das nicht mag, kann stattdessen im gleißend weißen Innenhof in den Pool aus weißem Marmor steigen. Oder, noch besser, eine Bootsfahrt auf dem Chao Phraya unternehmen. Denn der Perspektivwechsel vom Fluss aus eröffnet tatsächlich noch einmal einen ganz anderen Blick auf das Hotel: Statt aus rotem Ziegel gemauert, tritt es von der Wasserseite her nämlich als Ensemble aus weiß verputzten Giebelhäusern in Erscheinung. Unvergesslich, einzigartig. Und (beinahe) zum Weinen schön!

Adresse

Sala Ayutthaya
9/2 Moo 4
U-Thong Road
Pratu Chai
Phra Nakhon Si
Ayutthaya
13000 Thailand
www.salaayutthaya.com