Ruine im Regenbogen-Kleid

Aus Blau wird Violett, aus Gelb wird Orange – alle Farbnuancen des Bunttonkreises in nur einer Installation abbilden, das ist das Steckenpferd des Kunst-Kollektivs Quintessenz. Farben sind bei den Künstlern Thomas Granseuer und Tomislav Topic nicht nur Mittel zum Zweck, sondern selber das Ziel ihrer temporären Strukturen. Sie haben sich, zwischen Graffiti-Kunst und Grafikdesign zuhause, auf farbenprächtige Werke spezialisiert. Das Kunstduo, das in Hannover und Berlin tätig ist, möchte bei den Betrachtern einen Perspektivwechsel, eine Veränderung der Raumwahrnehmung bewirken.

So auch geschehen im Dorf Kagkatika auf Paxos, einer kleinen Insel im Ionischen Meer. Im Rahmen des „Paxos Contemporary Art Project“ füllten sie eine Ruine mit modernem Inhalt: 120, in der Länge variierende und in Regenbogenfarben getünchte Netze hängen hier an Drahtseilen ab. Diese sind zwischen die nackten Mauern des 400 Jahre alten Gebäudes gespannt. Die Ruine bildet eine ideale Kulisse für die farbintensive Installation: Sie lenkt aufgrund ihrer eigenen zurückhaltenden Farbwerte nicht ab, wird durch den künstlerischen Eingriff aber ihrerseits zu neuem Leben erweckt. Im Wind wehend und von der Sonne zum Leuchten gebracht, wirkt das Kunstwerk für die Besucher hier wie eine Traumerscheinung: Gleich einem virtuellen Körper schweben die Textilbänder, Schicht um Schicht, im realen Raum.

 

Dieser Beitrag stammt aus dem Oktober-Baumeister B10. Lust auf mehr? Hier gehts zum Shop.