Licht und Schatten

Kengo Kuma möchte eine sanfte, menschliche Architektur schaffen, die auf „natürliche“ Weise mit ihrer kulturellen und ökologischen Umgebung verschmilzt. Bestes Beispiel dafür ist sein jüngstes Projekt: ein Meditationspavillon für das Hotel Kranzbach nahe Garmisch-Partenkirchen. Den plante der Architekt in Zusammenarbeit mit dem Innsbrucker Studio Lois. Ein Gespräch mit Kengo Kuma. 

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Gestresste Hotelgäste sollen hier beim Meditieren mitten in der Natur zur Ruhe kommen.

Baumeister: Herr Kuma, das Meditationshaus für das Hotel Kranzbach steht mitten in der bayerischen Natur. Welchen Einfluss hatte diese Umgebung auf Ihren Entwurf?

Kengo Kuma: Einen großen. Es ist vor allem die Natur, die diesen Ort so besonders macht. Auch der Bauherrin war es wichtig, dass alle Um- und Ausbauten an ihrem Hotel diesem Umstand Rechnung tragen. Der Pavillon liegt in einem wunderschönen Wald, den wir durch unseren Entwurf so wenig wie möglich verändern wollten. Das wurde zu einem der Hauptthemen des Entwurfs: ein Gebäude zu errichten, das gerade dadurch, dass es seine Umgebung möglichst wenig stört und beeinträchtigt, eine Daseinsberechtigung gewinnt.

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Die Holzkonstruktion im Inneren soll an das Geäst im Wald erinnern.

B: Für Ihren Entwurf haben Sie eine Holz-Glas-Konstruktion gewählt…

K K: Wir haben versucht, den Ort zu schützen und ihm gerecht zu werden, indem wir Holz als Hauptgestaltungselement gewählt haben. Zudem haben wir dem Schatten durch einen weiten Dachüberstand eine tragende Rolle gegeben: Anders als bei traditionellen Gebäuden in Deutschland, bei denen kleine Öffnungen den Schutzraum suggerieren, nimmt der Schatten in der traditionellen Architektur unseres Landes diese Rolle ein und vermittelt dem Menschen ein Gefühl des Wohlbefindens.

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Glaswände heben die Grenze zwischen innen und außen fast auf.

B: Ihre japanischen Wurzeln lassen sich bei diesem Projekt nicht leugnen. So hat sich der Leichtbau über Jahrhunderte hinweg aus den besonderen klimatischen Bedingungen Ihres Landes entwickelt.

K K: Das zwanzigste Jahrhundert hat seine Traditionen und Werte in den meisten Kunstfertigkeiten vergessen. Die eigene Vergangenheit wird verleugnet, stattdessen hat in Japan der Westen an Einfluss gewonnen und überdeckt alles Japanische. In vielen Künsten mag dieser Wandel problemlos möglich sein, doch in der Architektur weisen die klimatischen Unterschiede westlicher und östlicher Kulturen einen Übersetzungsfehler auf. Denn während sich in Regionen wie Deutschland die Architektur auf den kalten Winter fokussiert, versteht die japanische Architektur den schwülen Sommer als Hauptproblem.

Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu werden und die japanischen Traditionen diesbezüglich zu wahren. Im zwanzigsten Jahrhundert wurden beispielsweise die meisten Gebäude in Japan mit einem Flachdach errichtet. Doch das passt keinesfalls zu unseren klimatischen Bedingungen, den monsunartigen Regenfällen und der starken Sonneneinstrahlung. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, diese Traditionen zurück in das Bewusstsein der Japaner zu rufen. Denn betrachtet man die traditionellen japanischen Dächer, so findet man neben den funktionellen Vorteilen des Schrägdachs auch emotionale Zusammenhänge wie die der Intimität, die durch den großen Dachüberstand im Innenraum entsteht. Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass meine Mission keine einfache ist, aber wenn ich auf meine Kindheit zurückblicke, in der ich in einem traditionellen Wohnhaus aufwachsen durfte, dann erinnere ich mich an die emotionale Verbundenheit zu dieser Architektur.

Das vollständige Interview lesen Sie in Baumeister 2/2019, ab Seite 52.

Fotos: Erieta Attali