Kopenhagen, Hotel Wakeup

Einzelzimmer sind teuer in der dänischen Hauptstadt. So google ich mich durch die dortige Hotelszene und lande auf der Website eines gut gestalteten, preiswerten Hauses. Es ist allerdings so neu, dass die Adresse zum Zeitpunkt meiner Reise den einschlägigen Suchsystemen unbekannt ist – auf einer weißen Fläche steckt die Zielmarke inmitten einer mehrspurigen Straße. Auch der hoteleigene Lageplan ist kryptisch: eine unbestimmte Fläche südlich der Gleise vor dem Kopenhagener Hauptbahnhof.

Vor Ort rätselt selbst die Dame in der Touristeninformation – dabei ist alles ganz einfach: Keine fünf Minuten Fußweg vom Bahnhof entfernt, Richtung Kalvebod Brygge, trifft man auf das neue Straßenschild, und inmitten von Baustellen auf der Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs, ragt der zwölfgeschossige Turm des „Wakeup“-Hotels auf, mit übergroßen Lettern an der Fassade nicht zu verfehlen.

Die hohe Eingangshalle vermittelt – ausgestattet mit Arne Jacobsens Schwan-Sesseln – urbane Großzügigkeit und lässt das (noch) unwirtliche Umfeld vergessen, die angrenzende Lobby ist mit Ledersofas, kleinen Tischen, Bibliothek cool und wohnlich zugleich. Eine luftige Treppe führt wie ein Laufsteg von der Halle in den Frühstücksbereich im zweiten Obergeschoss, einen riesigen Raum unter expressiv gefalteter Dachlandschaft, mit vorgelagerter Terrasse.

510 Zimmer gleichen Standards umfasst das Wakeup, unterschiedlich nur in Lage und Preis: je weiter oben, desto teurer. Trotz ihrer Grundfläche von nur 12 Quadratmetern wirken die Zimmer nicht beengt. Der Architekt Kim Utzon, der Sohn Jørn Utzons, hat Grundriss und Einrichtung entsprechend optimiert: das Bett – quer im Zimmer und direkt unter dem Fenster platziert – ist groß und komfortabel.

Anstelle eines raumgreifenden Schranks gibt es eine Garderobenstange, eine ausklappbare Kofferauflage, einen tiefen Bettkasten. Zwei gläserne Halbkreise dienen als Tische. Klare Formen und frische Farbtöne prägen den Raum, das Betthaupt schimmert in weißem Lack, ein einfacher grün gepunkteter Vorhang verdunkelt das Fenster.

Raffiniert minimiert wirkt auch das Badezimmer hinter teils transparenten, teils transluzenten Glaswänden: Seine dreieckige Fläche teilen sich eine runde Dusche, die als gläserner Bug ins Zimmer ragt, Waschbecken, Ablage und WC. Der Bewegungsraum ist genau austariert, dennoch erscheint die lichtdurchflutete Nasszelle weniger eng als manches Hotelbadezimmer größerer Fläche. Beim Wakeup wurde zwar an der Zimmergröße, nicht aber an der Qualität der Ausstattung gespart. Und geradezu luxuriös ist die Aussicht aus den oberen Stockwerken, mit dem Blick über Kopenhagens Zentrum, vom Tivoli über die Neubebauung der Hafenareale bis zur Brücke über den Øresund.

Adresse

Hotel Wakeup Copenhagen
Carsten Niebuhrs Gade 11
DK-1 77 KøbenhavnV
www.wakeupcopenhagen.com