Gropius, Walter

Gropius-Archipedia-Architektur
Walter Gropius, 1919

 

Die Serie „Archipedia“ ist eine Kooperation des Baumeister und der Hochschule Bochum, Fachbereich Architektur. Studierende des Master-Studienganges „Architecture Media Management“ schreiben virtuelle Briefe an die Crème der Architekturwelt, hier an einen der Begründer der modernen Architektur: Walter Gropius.

Lieber Walter Gropius,

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Sie haben seit Ihrer Geburt am 18. Mai 1883 in Berlin der Menschheit ein unvergessliches Erbe hinterlassen. Der Beruf des Architekten wurde Ihnen damals in die Wiege gelegt, dank Ihrer Vorfahren, die eine Freundschaft mit Karl Friedrich Schinkel verband. Ihr Vater als preußischer Baubeamter muss ebenfalls sehr stolz auf Sie gewesen sein. In den 86-Jahren haben Sie viel zur Architekturentwicklung, besonders im sozialen Bereich, beigetragen. Studiert haben Sie Architektur in München und an der Technischen Hochschule in Berlin – jedoch ohne Abschluss. Dennoch fanden Sie Arbeit im Architekturbüro von Peter Behrens. Die Meinungsverschiedenheit mit Ihm zum Entwurf des „Haus Cuno“ motivierte Sie 1910 dazu, Ihr eigenes Büro zusammen mit Adolf Meyer zu gründen. Sie wurden Mitglied des Deutschen Werkbundes, des Berliner Architektenvereins und im Bund des Deutscher Architekten. In der Zeit bauten Sie das Fagus-Werk in Alfeld mit einer vorgehängten Glasfassade – angelehnt an das Curtain-Wall Prinzip aus den USA, das Ihnen anschließend viel Anerkennung brachte. Die nordamerikanische Architektur inspirierte Sie, wo Sie auch später heimisch wurden.

Der freiwillige Einsatz an der Westfront im Ersten Weltkrieg zeichnet Sie ebenso aus wie Ihre unterschiedlichen Bauten die Sie danach erbaten. Als Henry van de Velde 1915 seine Arbeit als Direktor der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule in Weimar aufgab, schlug er Sie neben Hermann Obrist als Nachfolger der Schule. Mit Aufforderung der Schule stellen Sie 1916 Ihren Vorschlag zur „Gründung einer Lehranstalt als künstlerische Beratungsstelle für Industrie und Gewerbe und Handwerk“ vor. Sie erlebten, wie Karl Liebknecht die Republik ausrief, sowie die Novemberrevolution in Berlin. In Briefen an Ihre Mutter schrieben Sie über die gegenwärtigen politischen Ereignisse, die Sie bewegten. Was wäre, wenn Sie damals nicht vom Freiherr von Fritsch nach Weimar zur Professur gerufen würden? Dann wären Sie am 11. April 1919 bestimmt nicht Direktor dem von Ihnen selbst entworfenem und gebautem Bauhaus in Dessau geworden. Es gehört heutzutage zu einem der bedeutesten Bauwerke des 20. Jahrhunderts. Dort lehrten Sie die neue industrielle Ästhetik und ließen Kunst mit dem Handwerk verbinden. Das Bauhaus mit seiner einzigartigen Komposition aus Transparenz und der wechselseitigen Durchdringung der einzelnen Gebäudeteile sind nur durch einen Rundgang zu verstehen. Ihre Auffassung „Architektur erfüllt eine gesellschaftliche Funktion“2 brachten Ihnen besonders im Jahr 1953 viele Ehrendoktortitel und den Architekturpreis „Premio Matarazzo“ ein. Die Triennale lässt mich gerne an Sie und Ihre Arbeit erinnern.

Herzliche Grüße,

Jasmina Mandić

Hansa-Berlin-Gropius
Interbau Hansaviertel Berlin, 1957

 

Biographische Daten von Walter Gropius

1883 18.Mai geboren in Berlin
1903 Immatrikulation Technische Hochschule München, Sommer Volontariat Büro Solf & Wichards
1904 Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger im Husaren Regiment Nr.15 Hamburg
1905-1907 studiert er an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg, ohne Abschluss
1908 arbeitet zusammen mit Ludwig Mies van der Rohe im Architekturbüro von Peter Behrens
1910 April Gründet sein eigenes Architekturbüro in Berlin, Partnerschaft mit Adolf Mayer
1911 Bau Fagus-Werks in Alfeld
1919 Berufung nach Weimar, Leiter der Kunsthochschule Staatliches Bauhaus
1925 Entwurf des neuen Bauhausgebäudes
1926 Einweihungsfeier, Bau der Meisterhäuser in Dessau
1928 verlässt Dessau und zieht nach Berlin aufgrund der Nationalsozialisten
1929-31 Bau der Siemenstadt Großsiedlung in Berlin Spandau
1934-37 Architekturbüro mit Maxwell Fry in London
1937-52 Professor und Leiter an der Harvard Universität für die Architekturabteilung
1947 Hält in Berlin einen Vortrag über „Planen und Bauen in Amerika“
1953 Ehrendoktor der Künste Harvard University, Architketurpreis „Premio Matarazzo“, São Paulo
1959 Gropius und Frau schenken dem Busch-Reisinger-Museum der Harvard University das Archivmaterial
1963 Gründung des Ateliers TAC Inc.auch in Italien, Nahost und Afrika
1968 5. Mai Eröffnung der Ausstellung „50Jahre Bauhaus“ in Stuttgart
1969 5. Juli gestorben in Boston, USA

Wichtige Bücher / Texte

Gründungs-Manifest zum Staatlichen Bauhaus W.G. Architektur. FfM 1956

Weiterführende Literatur

Walter Gropius  -Band.1 Der Architekt und Theoretiker Werkverzeichnis 1
– Band 2 Der Architekt und Pädagoge Werkverzeichnis 2
– Band 3 Ausgewählte Schriften, Hartmut Probst; Christian Schädlich, Verlag für Bauwesen, Berlin 1986
Gropius, Paul Sigel, Gilbert Lupfer,Verlag Taschen, 6. Auflage 2004
Bauhaus,1919-1933, Bauhaus Archiv magdalena Droste, Verlag Taschen 2006

Weiterführende Weblinks

http://bauhaus-online.de/atlas/personen/walter-gropius
http://deu.archinform.net/arch/498.htm
http://www.bauhaus.de/
http://www.triennale-der-moderne.de/

Porträt: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b5/WalterGropius-1919.jpg
Foto: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/13/Hansa4tel_5a.jpg